Strahlefrau Chiara Kreuzer fliegt auf Kräuter, Hunde und Bergdoktor
Skispringerin Chiara Kreuzer durchlebte in den vergangenen Jahren alle Höhen und Tiefen. Nach dem Sieg in Hinzenbach zählt sie bei der Weltmeisterschaft in Planica zum erweiterten Medaillenkreis.

"Mein älterer Bruder hat mich bei vielem vorgeschickt, denn wenn ich es überlebe, macht es er auch. Er ist schon vor mir gesprungen, hat aber gesagt, dass ich eh zu feige wäre, und das ließ ich nicht auf mir sitzen", erzählt Chiara Kreuzer und verrät, "dass auch eine Labello-Vorliebe mitgespielt hat. Mein Papa hat mir versprochen, wenn ich mich getraue, darf ich mir einen aussuchen. Damals war ich neun und wollte einfach alle Geschmäcker haben."
Die talentierte Pongauerin absolvierte ihre ersten Sprünge und war "hin und weg". Kreuzer hat den Jungs Paroli geboten, "da ich mich nichts g’schissen hab'". Sie beeindruckte in den Jugendbewerben mit vielversprechenden Leistungen und überzeugte mit zarten 15 Jahren bei einem Sichtungstraining. "Danach kam ich unverhofft zu meinem WM-Einsatz, was cool war und ich dadurch früh Erfahrungen sammeln konnte."
Sie bekam auch die Schattenseite zu spüren
Ihren ersten Weltcuperfolg feierte die dreifache WM-Medaillengewinnerin 2020 in Rasnov. Ab diesem Zeitpunkt könnte Kreuzer ein Buch mit all ihren Höhen und Tiefen füllen. "Das war eine Megasaison. Ich war von 20 Wettkämpfen 16 Mal auf dem Podium, habe sechsmal gewonnen." Anschließend bekam sie die Schattenseite zu spüren. Die 25-Jährige hatte richtig zu kämpfen, starke Rückenschmerzen sowie Nachwirkungen von Coronaimpfungen machten ihr zu schaffen. "Die letzten zwei Jahre waren für mich alles andere als einfach, aber ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe." Trotz ihrer Kämpferqualitäten offenbart sie, "dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, es sein zu lassen. Aber es ging mir so ab, dass ich es noch mal wissen wollte und durchgebissen habe. Ich bin niemand, die aufsteckt."
Die Gesamtweltcup-Sechste hat heuer permanent einen Schritt nach vorn gemacht. Der Sieg beim Heimweltcup in Hinzenbach war Balsam für die Seele, kam zum perfekten Zeitpunkt vor der WM in Planica. "Ich bin auf dem Niveau, wo ich sein will. Der Traum und das Ziel sind eine Medaille. Bei Erwartungen halte ich mich zurück, lasse mich überraschen."
In der Mannschaft ist sie für die gute Laune zuständig oder wie sie es charmant formuliert: "Ich halte den 'Sauhaufen' zusammen. Ich bin ein 'groda Michl' und sage ehrlich, was ich denke", erklärt die Junioren-Weltmeisterin von 2016, die sich selbst als frech und mutig tituliert. "Es ist nicht immer das Beste, wenn man zuerst handelt und danach überlegt, aber so bin ich eben."
"Sie ist sensibel und stur wie ich"
Eine, die ihr Herz, neben Ehemann Philipp, erobert hat, ist Maltipoo-Hündin Carla. "Das Coole ist, dass es ihr egal ist, ob ich gut oder schlecht springe. Sie freut sich, dass ich da bin." Bei Wanderungen und Skitouren lässt sie ihr Frauchen nie allein. "Sie ist meine Begleiterin, hört mir zu und meckert nicht zurück. Sie ist sensibel und stur wie ich und schläft gern. Am liebsten hätte ich einen zweiten, nur da spielt mein Mann nicht mit", grinst Kreuzer, die ein Faible für Piercings hat und sich gern am Herd austobt. Noch dazu ist sie eine kleine "Kräuterhexe", die in der Natur ihre Batterien auflädt. "Hin und wieder ist es schön, wenn sich nicht alles um Skispringen dreht."
Und sollte der "Bergdoktor" mögliche Statisten- oder Komparsenrolle vergeben wollen, wäre die sympathische Wintersportlerin "sofort dabei. Ich bin traurig, dass die Staffel schon wieder vorbei ist. Hans Sigl macht das super, er darf gern bleiben. Ich freue mich schon auf Nachschub."



