Wie Affenpocken übertragen werden können
Langsam aber stetig nehmen auch in Österreich die Fälle von Affenpocken zu. Auch wenn die Erkrankung meist mild verläuft, wird der Ruf nach mehr Information seitens des Gesundheitsministeriums lauter.

132 Fälle von Affenpocken wurden mit Stand 1. August in Österreich gemeldet. Seitdem der erste Fall im Mai in Österreich bestätigt wurde, steigen die Zahlen – nicht massiv, aber stetig. "Im Vergleich zu anderen Staaten ist die Anzahl an bestätigten Affenpockenfällen hierzulande noch auf einem niedrigeren Niveau", heißt es aus dem Ressort von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in Bezug auf die aktuelle Situation.
Bei den Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken, die üblicherweise in West- und Zentralafrika vorkommt. Aktuell nehmen die Fälle auch weltweit zu, in New York wurde etwa aufgrund dieser Infektionserkrankung der Notstand ausgerufen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in dem Zusammenhang am 23. Juli mit dem weltweiten Gesundheitsnotstand die höchste Alarmstufe ausgerufen.
"Es ist eine milde Erkrankung", sagt auch der Infektiologe Christoph Wenisch, der am Klinikum Favoriten mittlerweile mehrere an Affenpocken erkrankte Menschen behandelt hat. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, geschwollen Lymphknoten und vor allem Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. In seltenen Fällen oder auch wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen, kann diese Erkrankung aber auch tödlich verlaufen. So wurden aus Spanien mittlerweile zwei Todesfälle gemeldet. Laut Medienberichten waren eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) sowie eine Gehirnhautentzündung (Meningoenzephalitis) als Folge der Affenpockeninfektion die Todesursachen. Ein Todesfall wurde zudem aus Brasilien sowie aus Indien gemeldet.
Das falsche Vorurteil
Um sich gegen die Affenpocken schützen zu können, muss mit einem Vorurteil aufgeräumt werden. Es ist keine Erkrankung, die nur Männer betrifft, die Sex mit Männern haben – auch wenn das häufig kommuniziert wird, da aktuell ein Großteil der Fälle Männer betrifft. Aus diesem Grund, gehören aktuell homosexuelle Männer, vor allem jene, die häufig wechselnde Sexpartner haben, zur Risikogruppe. Aber: "Es ist wichtig zu betonen, dass die Affenpocken keine Geschlechtskrankheit im traditionellen Sinne sind; sie können durch jede Art von engem körperlichen Kontakt übertragen werden", sagt etwa John Thornhill. Der Wissenschaftler hat in einer Studie, die im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, Infektionswege des aktuellen Affenpocken-Ausbruchs analysiert. "Unsere Arbeit legt aber nahe, dass die meisten Übertragungen in Verbindung mit sexueller Aktivität stehen."
Wie Affenpocken übertragen werden können
Zu den Übertragungsmöglichkeiten schreibt das deutsche Robert-Koch-Institut: "Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nur bei engem Kontakt möglich." Eine Infektion könne über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den typischen Hautveränderungen ("Pusteln") stattfinden. Denn in den Pockenläsionen befinden sich besonders hohe Viruskonzentrationen. "Eine Übertragung durch Tröpfchen ist jedoch bereits beim Auftreten unspezifischer Symptome und noch vor Entwicklung der Hautläsionen bei Face-to-Face-Kontakt durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich", so das RKI.
Ebenfalls kann das Virus über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Zum Beispiel über Bettwäsche oder Besteck, welches eine infizierte Person benützt hat. Wichtig zu betonen ist auch, dass Infizierte so lange ansteckend sind, solange sie Symptome haben. In der Regel können dies zwei bis vier Wochen sein.
Wie man sich vor Ansteckung schützen kann
Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, sollte man vor allem auf eine ausreichende Handhygiene achten. Auch die Aidshilfe Wien hat Tipps zum Schutz und Umgang mit Affenpocken in sozialen Netzwerken veröffentlicht.
Kritik am Vorgehen des Ministeriums
Eine Impfung für die breite Bevölkerung ist aktuell nicht notwendig und wird auch vom nationalen Impfgremium nur für bestimmte Risikogruppen empfohlen, etwa für Kontaktpersonen oder auch Personal, das mit infizierten Patienten arbeitet.
Für Österreich gab es erste Impfstoff-Lieferungen von Imvanex/Jynneos in der Höhe von 2300 Dosen. "Österreich hat sich der gemeinsamen Beschaffung über die EU angeschlossen und bekommt daraus gerade einmal 4400 Impfungen. Das ist kaum mehr als die Hälfte der 8000 Impfungen, die allein die Stadt Berlin bekommen wird", kritisiert Ann-Sophie Otte, Obfrau der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien. Grundsätzlich würde das Ministerium zu wenig tun, um die Ausbreitung einzudämmen, so Otte gegenüber der Austria Presse Agentur. Ein weiteres Problem sei die mangelnde Information, betonte die HOSI. "Es gibt keine umfassende Informationskampagne, die besonders gefährdete Menschen ausreichend erreichen könnte." Auch das ein Problem, dass schon vom Pandemiemanagement bekannt ist.


