MilchwirtschaftMolkereien wollen Transportförderung

Österreichs Molkereien tagen in Spittal. Milch haben sie genug. Sie fordern eine EU-Unterstützung zur Milchabholung im Berggebiet und ein Ende der „Aktionitis“ im Handel.

Kärntnermilch-Obmann Reinhard Scherzer, VÖM-Präsident Helmut Petschar, Johann Költringer (VÖM) im Schloss Porcia © Eva Gabriel
 

Im Vorjahr haben in Österreich wieder 1000 Milchbauern ihre Stalltür für immer geschlossen, 60 Höfe waren es in Kärnten. Sie hatten es satt, dazuzuzahlen, dass sie ihre Milch abliefern dürfen. Wer in den Stall investiert hat, konnte nachher nicht selten seine Kredite nicht mehr bedienen. Die Reserven: aufgebraucht. Ein Großteil der Milch stammt mittlerweile aus Betrieben, die nicht bzw. nicht mehr investieren, weil sie auslaufen.
Kein schönes Szenario, unter dem die heurige Milchwirtschaftliche Tagung derzeit in Spittal/Drau abgehalten wird.
Immerhin scheint sich der Milchmarkt zu stabilisieren. Die Molkereien konnten die Auszahlungspreise an die Bauern erhöhen. Im Durchschnitt lagen sie in den ersten sieben Monaten 2017 in Österreich bei 39,74 Cent pro Kilo – also knapp 13 Prozent über dem Vorjahreswert.
Das Problem: Zum Teil waren es Vorleistungen der Molkereien, die sie sich vom Handel erst wieder zurückverdienen müssen. „Einige Handelsketten haben uns aber nicht die Preisanpassungen gewährt, die wir brauchen. Und der Handel verdient sich bei verschiedenen Produkten eine goldene Nase“, sagt Reinhard Scherzer, Obmann der Kärntnermilch. Scherzer spielt damit auf Aktionen wie „1+1 gratis“ an. Er nennt sie „unethisch“.

Export/Import

46 Prozent der österreichischen Milchprodukte werden exportiert – und
zwar in 100 verschiedene Länder. 29 Prozent der Milchprodukte werden
importiert.


Dann das Problem mit der derzeit 2,39 Euro „teuren“ Butter, die aus Sicht der Molkereien gar nicht teuer ist. „Fünf Kilo Butter isst jeder Österreicher durchschnittlich pro Jahr. Da drückt die Preiserhöhung von 50 Cent für 250 Gramm mit weniger als einem Euro pro Monat auf die Geldbörse. Das ist doch verkraftbar“, findet Kärntnermilch-Geschäftsführer Helmut Petschar, der gestern als Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) wiedergewählt wurde.
Als solcher wünscht sich Petschar einen Erzeugermilchpreis von „40 Cent netto“ und Lösungen von der (EU-) Politik – etwa einen Abgleich für die hohen Transportkosten. Zum Vergleich: Sie machen im gebirgigen Österreich 2 Cent pro Kilo aus, in Norddeutschland 0,4 Cent. Wenn man bedenkt, dass man für ein Kilo Butter 25 Liter Milch braucht, ist das ein wichtiger Faktor.
Über diese und andere agrarpolitische Themen diskutierten auf der Tagung Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger und Brigitte Misonne, in der EU-Kommission für Ländliche Entwicklung zuständig.
Die Milchverarbeiter forcieren auch Forschung und Entwicklung. Zwar gibt es in Österreich schon jetzt 70 verschiedene Milchsorten und allein 102 verschiedene Joghurts bzw. Desserts mit Erdbeergeschmack. Petschar: „Produktinnovationen sind eine Chance für uns. Und unsere Qualität sowieso.“

 

540.000 Milchkühe

Zwei Prozent der europäischen Milch wird in Österreich erzeugt bzw. 0,5 Prozent der Weltmilchproduktion. 28.500 Milchbauern und 540.000 Milchkühe gibt es in Österreich.

 

Appetit auf Käse

37 Euro geben die Österreicher pro Monat für Molkereiprodukte aus. Der Appetit auf Käse steigt. Die Einkaufsfrequenz sinkt: 2016 gingen die Österreicher im Schnitt zehn Mal weniger pro Jahr einkaufen als 2011.

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Spitzer Walter
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Molkerei.

Fast die Hälfte der Konsummilch, die Österreichs Milchbauern produzieren, geht in den Export. Der Selbstversorgungsgrad beträgt bei steigender Tendenz 162 Prozent. Bei Käse versorgt sich Österreich aber nur zu 98 Prozent selbst, bei Butter zu 75 Prozent. Wir importieren also mehr Käse und Butter als wir exportieren.

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