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Zuletzt aktualisiert: 03.04.2012 um 21:36 UhrKommentare

"Das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht"

Fünfjähriger Bub wurde auf dem Weg in den Kindergarten in Graz der Mutter entrissen und in ein Auto gezerrt. Die Polizei vermutet, dass sich der dänische Vater in seine Heimat absetzen will, wo er die alleinige Obsorge für den kleinen Oliver besitzt. Die Fahndung verlief zunächst ergebnislos.

Foto © KLZ Digital

Vater Thomas ist Däne, Mutter Marion Österreicherin. Und Oliver, der gemeinsame fünf Jahre alte Sohn, seit Jahren Opfer eines erbitterten Obsorgestreits, der am Dienstag in Graz-Eggenberg in einer dramatischen Kindesentziehung gipfelte.

"Ich habe Oliver wie jeden Tag um 8.20 Uhr in den Kindergarten gebracht", schildert Marion W. die Geschehnisse. "Als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, hat mich auf einmal ein Mann festgehalten, Olivers Papa hat den Buben gepackt und dann sind beide Männer mit einem schwarzen Volvo mit Wiener Kennzeichen davongefahren." Sie habe um Hilfe geschrien, doch niemand sei in der Nähe gewesen, so die Grazerin. Eine andere Mutter habe aber doch das Kennzeichen des Mietwagens notiert.

Marion W. alarmierte sofort die Polizei, ließ auch über Radio nach dem Wagen suchen. Trotz europaweiter Fahndung und etlichen Hinweisen blieben Oliver und dessen Vater bis am Abend verschwunden. "Wenn sie es bis nach Dänemark schaffen, dann ist er für mich verloren, dann habe ich keine Chance mehr, mein Kind wiederzusehen", schluchzt die Grazerin.

Tatsächlich besitzt der Kindsvater in Dänemark das alleinige Sorgerecht für Oliver - in Österreich dagegen die Mutter. Der Bub wurde im Königreich geboren, ist dänisch-österreichischer Doppelstaatsbürger. Kurz nach seiner Geburt trennten sich die Eltern, die nie verheiratet waren. Marion W. blieb vorerst in Dänemark, im Juli 2010 zog sie mit dem Kleinen nach Graz. Oliver kam in den Kindergarten, lernte Freunde kennen, spricht perfekt Deutsch.

Besuch alle drei Wochen

Seitdem Thomas S. im August 2010 in Dänemark nachträglich das Sorgerecht für seinen Sohn zugesprochen bekam, versucht er dieses auch in Österreich durchzusetzen. Doch bis jetzt blitzte er in allen Instanzen ab, erst dieser Tage bestätigte das Landesgericht für Zivilrechtssachen die Obsorge für die Mutter. Der Vater bekam nur ein begleitetes Besuchsrecht eingeräumt. "Er durfte alle drei Wochen den Buben drei Stunden lang sehen. Dafür hat er jedes Mal irrsinnige Kosten und Reisestrapazen in Kauf genommen", sagt die Grazer Anwältin des Dänen, Barbara-Cecil Prasthofer-Wagner. Überhaupt habe sie in ihrer Karriere noch keinen Klienten erlebt, der sich "so konstruktiv und gesetzestreu" verhalten habe, um sein Recht auf sein Kind zu erwirken. Sein Verhalten von Dienstag wollte die Anwältin nicht kommentieren, sie interpretiert es aber als einen "Akt der Verzweiflung".

Ganz anders sieht das freilich Marion W.: "Ich habe seit zwei Jahren gewusst, dass das passieren wird, doch niemand hat uns geschützt." Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft blieben ohne Folgen. Daher habe sie Vorkehrungen getroffen, etwa im Kindergarten geregelt, wer Oliver abholen darf, ihn darüber hinaus nie aus den Augen gelassen. "Was ich jetzt fühle, das wünsche ich meinen ärgsten Feinden nicht."

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