The Cure in Wien

Die heilenden Kräfte schwinden

Mit einem Drei-Stunden-Set gaben Robert Smith und Band gestern mit musikalischer Perfektion in Wien den Fans alles. Es war nicht genug.

Robert Smith - in der Ruhe liegt die Kraft
Robert Smith - in der Ruhe liegt die Kraft © EPA
 

Sie sind alle sehr erwachsen geworden, seine Fans. Und Robert Smith ist merklich gealtert. In aller Ruhe und Unaufgeregtheit betritt der Frontman von The Cure, letztes verbliebenes Gesicht der Urformation,  am Abend des Nationalfeiertags die Marxhalle in Wien. Sphärisch, düster wummert der Bass in ein rund dreistündiges Set hinein, das in das Gothic-Pop-Mantra aus sich selbst wiederholenden Riffs und Licks und leidend, melancholischen Gesangsparts kippt.

Die Song-Reise geht durch 40 Jahre Band-Geschichte, während die Rhytm-Section ständig die Schraube andreht. Doch – trotz einer vollen Halle und so manch sentimental ausgeführten Gruftie-Lidstrichs von Mittvierzigern im Publikum, will der Funke nicht recht überspringen. Smith wuchtet Picture of You in den Saal, liefert The Walk ab, feuert im letzten von (drei!) Zugabenblöcken mit Lullaby, Boys don’t cry und Friday, I’m in Love auch noch die letzten der Greatest Hits ab. Doch da haben viele in Wien St. Marx schon die Zelte abgebrochen.

Magische Stimme

Musikalisch und in Sachen Engagement haben sich The Cure nichts vorzuwerfen. Die Begleitband bringt den Cure-Sound perfekt auf die Bühne, Smiths unverändert unverwechselbare Stimme zieht einen immer noch magisch runter in die Abgründe seiner verletzten Seele, enttäuschten Liebe und immerwährende Melancholie. Aber das Manko bleibt. Die rund 10.000 Fans fangen lange nicht so richtig Feuer.

Als entscheidender Brandentschleuniger spielt die ehemalige Rinderhalle eine Hauptrolle. Die Akustik ist schlecht, auch wenn Smiths Techniker das Beste daraus machen. Der endlos lange Schlauch mit Sichtproblemen für das Publikum, die Wartezeit vor Eintritt in die Halle, die Schlangen vor den zu wenigen WCs, die mangelnde Gastro-Infrastruktur – all das bringt Abstriche, für die die Band nichts kann.

Gehobene Langeweile

Wofür die Band was kann: Über weite Strecken sorgt das Set weniger für jenen magischen Sog, den Smith mit seinen Songs seit Jahrzehnten entwickeln konnte, sondern trotz musikalischer Perfektion für gehobene Langeweile. Vielleicht sind wir alle, du Rob und wir Fans, doch ein bisschen zu erwachsen geworden.

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