Die Hobbits aus „Herr der Ringe“ oder besser gesagt die Filmheimat der genussfreudigen Wesen haben es Thomas und Monika Neuhold angetan. „2017 waren wir sieben Wochen in Neuseeland unterwegs, unter anderem auch mit einem Campingbus“, sagt Monika Neuhold vor dem wunderbaren Panorama der Riegersburg, während die mobile Hauptdarstellerin noch ins optimale Licht gerückt wird: Eine kleine Wohnküche auf Rädern oder besser gesagt ein Wohnwagen-Aufsatz für den Kfz-Anhänger, den sich Thomas Neuhold, Tischler in Gleisdorf, im Vorjahr einfallen ließ.

Meiste Zeit ungenutzt

Der zuvor genannte Campingbus in Neuseeland brachte das Paar auf den Geschmack. Die Unabhängigkeit und die Möglichkeit, Pläne kurzerhand über Bord zu werfen oder anzupassen, waren zu verlockend. „Ein Wohnwagen wäre zwar richtig toll, aber eigentlich ist es doch schade, dass er die meiste Zeit im Jahr ungenutzt bleibt und dazu noch wertvollen Platz verstellt. Und so entstand die mobile Zirbenstube“, sagt Thomas Neuhold neben dem Prototyp, der, so wie er da gerade in der Sommersonne glänzt, gleich ein wenig Urlaubsstimmung aufkommen lässt.

Zweieinhalb mal eineinhalb Meter groß und 580 Kilogramm schwer – so die Eckdaten des kleinen, flexiblen Reisebegleiters. „Es sollte ein Aufsatz werden, der einem die Wahl lässt, nur den Anhänger zu benutzen oder eine Campingtour zu machen“, sagt der Tischler beim Rundgang um die kleine Schönheit, der länger dauert, als man erwarten würde. „Wir werden immer wieder gefragt, ob es ein alter oder restaurierter Wohnwagen ist, weil die Form und auch das Holz sehr stark an Vintage-Anhänger erinnern“, so Monika Neuhold.

Aber nicht nur bei der Optik – außen sorgt Apfelholz für den gewissen Retro-Schick – macht das Kerlchen etwas her, auch in Sachen Stauraum gilt: klein, aber oho! Der Schlafbereich ist heimelig und groß genug für zwei Erwachsene, Fächer unter dem Dach bieten zusätzlichen Platz für Kleidung und leichtes Gepäck. Ein mobiles Solar-Paneel versorgt die Batterie der Nachttischlämpchen mit Strom. Damit die Nachtruhe auch ja nicht gestört wird, hält ein Gelsengitter-Vorhang die blutsaugenden Besucher auf Abstand. Der intensive Zirbenholzduft in der Stube und das Dachfenster machen auch das Schäfchenzählen völlig überflüssig – Sterne zählen ist ohnehin viel besser.

Gilt als Ladegut

„Wichtig war vor allem, dass man beim Gesamtgewicht unter 750 Kilogramm bleibt, damit der Anhänger nicht als Wohnwagen angemeldet werden muss“, kommt Thomas Neuhold, der in seiner „Tischlerei Neuholz“ unter anderem auch Schlaf- und Saunafässer herstellt, zu den technischen Details. „Der Aufsatz wird mithilfe von vier Haken am Anhänger befestigt und gilt als Ladegut. Beim Auf- und Absetzen arbeite ich mit einem Seilzug.“

Im Heck des Anhängers verbirgt sich noch die kulinarische Seite: eine kleine Küche mit ausziehbarem Campingkocher, Kühlbox, Wasserbehälter sowie Platz für Geschirr. Ein Vorzelt soll in Zukunft auch noch längere Touren ermöglichen und den Wohnraum bei Schlechtwetter erweitern. Natürlich haben die Neuholds den Anhänger schon persönlich getestet – Zirbitzkogel, Ossiach, Großsteinbach waren die Ziele. Getestet, und zwar auf Herz und Nieren.

Für kleine Abenteuer

Das erste Fazit des weiblichen Parts lautete daher: Ein WC muss her. Nun gibt es ein mobiles Campingklo, das mithilfe eines WC-Zelts zu einem noch stilleren Örtchen wird. Beides befindet sich in einer Transportbox vorne am Anhänger. Campingtisch und -sessel werden während der Fahrt im Schlafzimmer verstaut. Jederzeit griffbereit für ein kleines Abenteuer – es muss ja nicht gleich ein Trip in Bilbo-Beutlin-Manier sein.

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