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Zurück zu alten Spielregeln Kocher will Druck auf Arbeitslose wieder erhöhen und droht mit Sanktionen

Arbeitsminister: Trotz Krise Missbrauch von AMS-Leistungen in mehrstelliger Millionenhöhe - AMS soll "konsequent vermitteln".

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Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP)
Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) will die Arbeitslosigkeit bekämpfen, indem vor allem in Bereichen mit hohem Arbeitskräftemangel wie dem Tourismus konsequenter vermittelt wird. Arbeitslose, die zumutbare Jobs nicht annehmen, sollen nun wieder stärker durch Sanktionen beim Arbeitslosengeld oder der Notstandshilfe "motiviert" werden, kündigt Kocher an. Aber nicht anhand neuer Spielregeln, sondern durch das Umsetzen bereits bestehender Maßnahmen. In der Coronaphase sei man nachsichtiger gewesen, sagte Kocher in der "ZiB 2" am Sonntag, das soll sich nun ändern.

Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich in den letzten Wochen überraschend schnell entspannt, so Kocher, auch wenn noch viele Menschen in Kurzarbeit seien. Nun müsse man aus der Kurzarbeit "konjunkturgerecht aussteigen" und wieder Arbeitskräfte für die Bereiche finden, in denen es bereits Knappheit gebe - etwa in der Gastronomie, in den Beherbergungsbetrieben, aber auch in der Industrie.

Langzeitarbeitslosigkeit

Nach Krisen und Rezessionen steige die Langzeitarbeitslosigkeit besonders stark, und es sei besonders schwierig, diese Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. "Unser Ziel ist es, bis Ende nächsten Jahres die Langzeitarbeitslosigkeit im Bestand auf das Niveau von vor der Krise zu bringen." Dafür werde es im Rahmen der Aktion "Sprungbrett", wie bereits bekannt, zusätzlich 300 Millionen Euro geben. In der Steiermark etwa sollen bis Ende 2022 knapp 5000 Langzeitarbeitslose zurück ins Berufsleben „springen“

Die Gewerkschaft fordert, bei öffentlichen Ausschreibungen jene Firmen zu bevorzugen, die Langzeitarbeitslose beschäftigen und Frauen besonders fördern - das sei aber auch rechtlich nicht einfach, weil große Aufträge europaweit ausgeschrieben werden müssten, sagte Kocher. In der Gastronomie und Beherbergung hätten viele Unternehmen Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden. Das liege auch daran, dass sich Saisonarbeitskräfte in der Krise anders orientiert hätten.

Wir haben entschieden, dass wir dem AMS morgen eine neue Zielvorgabe geben.

Martin Kocher am Sonntag

"Wir haben entschieden, dass wir dem AMS morgen Montag eine neue Zielvorgabe geben", sagte Kocher. Die Vermittlung sei ganz wichtig und auch die Verbindlichkeit der Vermittlung müsse über Sanktionen sichergestellt werden, "wenn gegen die bestehenden Zumutbarkeitsbestimmungen verstoßen wird". In der Coronaphase sei man nachsichtiger gewesen.

Zuverdienst befristen

Die Forderung der Wirtschaftskammer, den Zuverdienst bei Arbeitslosigkeit zu befristen, sei "eine Möglichkeit, die man sich anschauen kann", sagte der Minister und kündigte eine größere Reform an. Auch ein degressives Modell des Arbeitslosengeldes werde in Erwägung gezogen. Dabei gehe es darum, am Anfang der Arbeitslosigkeit die Absicherung des Einkommens zu verbessern.

2020 habe es trotz der Krise einen Missbrauch von AMS-Leistungen in Millionenhöhe gegeben, erklärte Kocher in einer Mitteilung. Obwohl das AMS im März 2020 seine Kontrolltätigkeiten aufgrund der angespannten Arbeitsmarktsituation vorübergehend ausgesetzt habe, hätten die aufgrund von Missbrauch verhängten Sanktionen im vergangenen Jahr 66 Mio. Euro betragen. Verhängt wurden die Sanktionen wegen "Arbeits- und Schulungsverweigerungen, dem Versäumnis von Kontrollterminen, selbstverschuldeten Kündigungen oder Selbstkündigungen".

"Das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe können bei der Verweigerung einer zumutbaren Arbeit sechs Wochen, im Wiederholungsfall 8 Wochen gestrichen werden", stellt das Arbeitsministerium den Arbeitslosen die Rute ins Fenster.

Kommentare (86)
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Occam
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Es ist auch nicht einfach

mit einem Ministergehalt von 17.861,80 Euro netto auszukommen.

Da muss man ganz schön ordentlich hackeln, damit man sicherstellen kann, dass Arbeitslose nicht zu viel verdienen.

SoundofThunder
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🤔

Jaja,die Fraktion derer die immer behaupten dass der wertlose Unselbständige (Pöbel) eh mehr verdient als ihm zusteht (Mindestlohn) toben sich wieder aus. Für 1500€ pendelt niemand quer durch Österreich. Tellerwäscher:1200€. Die gesamte Tourismusbranche sollte mal nachdenken warum die kein Personal mehr finden. Selbst die Ausländer fangen schon zum Nachdenken an ob sie sich das für einen Hungerlohn (der oft unter KV ist) antun wollen. KFZ-Mechaniker:1600€. Und dann wundern die sich dass sie niemanden finden. Ist wie im Fußball: Die besseren Kicker gehen dorthin wo sie mehr verdienen. Qualität (Qualifikation) hat ihren Preis (Ein Maßanzug kostet auch mehr als einer von der Stange). Und vielleicht sollten die Firmen die ältere Bewerber wegen ihres Alters nicht annehmen auch "Motiviert oder Sanktioniert" werden die aufzunehmen oder zu behalten.

WSer
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Grundvernünftig

Damit man die Spreu vom Weizen trennen kann.

Denn nicht den Frechsten,
sondern den Schwächsten,
soll geholfen werden.

lamagra
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Der Herr Minister

soll die nächsten 6 Monate vom höchst beziehbaren Arbeitslosengeld und danach nochmal 6 Monate vom Notstand leben!
Mit dem Verbot, auch nur eine einzige Einladung zu einem Essen, Nächtigung usw. annehmen zu dürfen!
Bin gespannt was dann wohl nach 2 Wochen kommt!

hfg
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Natürlich gibt es derzeit

bei den offenen Stellen nicht nur „angenehme und gut bezahlte“ Jobs. Aber praktisch niemand fängt als Chef und hochbetagt an - egal bei welchem Job und in welcher Branche. Ich habe in vielen Branchen und Jobs gearbeitet, trotz sehr guter Schul- und Ausbildung. Aber mich ständig Job- und Gehaltsmäßig verbessert. Ich kenne fast keine Firma und Branche die gute arbeitswillige und fleißige Mitarbeiter nicht anstellen würde, aber am Anfang sicher nicht mit den Forderungen der meisten Arbeitslosen. Aber bewährte gute Mitarbeiter lässt fast niemand gehen und behandelt und bezahlt sie auch dementsprechend.

GustavoGans
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Wers glaubt

ab 50 Jahren wird abgebaut.
Da zählt nicht dass Können, sondern nur mehr der Verdienst des Mitarbeiters.
Und der hat niedrig zu sein.
Entweder man geht für schlechtere Konditionen arbeiten, oder man ist weg.

hfg
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Und die Folge war

das ich fast 25 Jahre selbständig bin und mir die Arbeit und das Einkommen selbst gestalte. Nur zugegebener Maßen das „Problem mit den Mitarbeitern“ tue ich mir schon lange nicht mehr an. Der Output war immer ernüchternd - ich bin darauf aber nicht angewiesen.

hfg
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Sollte

Hochbezahlt sein

Kit
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Es gibt beides.

Firmen, die Jobs zu eigentlich unmenschlichen Bedingungen anbieten für einen Lohn, mit dem man nicht auskommen kann. Auf der anderen Seite Menschen, die auch Jobs, die nicht schlecht bezahlt sind nicht annehmen, obwohl das Arbeitsklima passt und die Arbeit nicht stressig ist. Die Unterstützungsleistungen für Menschen, die nicht arbeiten, sind meiner Meinung nach zu hoch. Auf der anderen Seite sollten die Löhne in manchen Branchen angehoben werden. Alle, die Vollzeit arbeiten, sollten so viel verdienen, dass sie gut davon leben können und sich auch Urlaub, Hobby etc. leisten können.

Hapi67
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Wirklich

furchtbar und verwerflich der Gedanke vom Minister.
Während alle Arbeitnehmer auf der faulen Haut liegen und Ruhe und Entspannung genießen, soll der Druck auf die ausgebeuteten und vom Schicksal geprügelten Arbeitsunwilligen an Die Zeit vor Corona angepasst werden.

Eine kranke Welt.

Vielen Dank

UHBP
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Wann schreit die Wirtschaft endlich wieder nach freiem Markt!

Angebot und Nachfrage sollen den Preis bestimmen.
Wenn das Angebot der Entlohnung stimmt, dann stimmt auch die Nachfrage nach offenen Stellen.
Aber viele Unternehmer wollen wenig zahlen aber bei den Staatshilfen das greifen sie mit beiden Händen zu.

WSer
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@UHBP

Haben Sie sich schon mal mit dem Gedanken befasst Unternehmer zu werden? Da wären sie alle Arbeitnehmersorgen auf einem Schlag los.

DergeerderteSteirer
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Wo du recht hast, hast recht @UHBP.....

......!!

Gedankenspiele
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Die Managergehälter in Österreich...

...sind in der Corona-Krise um 4 Prozent gestiegen, während der Gewinn dieser Unternehmen um 40 Prozent zurückgegenagen ist.

Zur selben Zeit schlägt Kocher vor, Leute mit Maßnahmen in Jobs zu zwingen, von denen niemand im Jahr 2021 vernünfig leben kann.

Sebastian Kurz' Beraterin Mei-Pochtler spricht in diesem Zusammenhang von "Auf in neue Arbeitswelten".
Das hört sich von Seiten der ÖVP als eine gefährliche Drohung an!

ÖVPler, sorgt endlich für mehr soziale Gerechtigkeit. Kein Manager und schon gar nicht während der Coronakrise verdient sich Millionengehälter, während zeitgleich Leute entlassen, Staatshilfen beantragt und Gewinne reduziert werden.
Zur selben Zeit die Bedingungen für die Schwächsten in der Arbeitswelt verschärfen wollen.
Ihr ÖVPler seid auf dem Auge, das Euer Klientel betrifft, ewig gleich blind und haut immer auf die Schwächsten hin. Wenn man Euch lassen würde wie Ihr könntet, würde es für die arbeitenden Menschen in diesem Land noch viel schlimmer ausehen.

DergeerderteSteirer
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Deine Argumente haben ihre Richtigkeit @Gedankenspiele,.......


die Schere wird immer größer und extremer.........

hakre
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!

Viele Arbeitslose wollen ja nicht arbeiten, sie wollen nur noch mehr Arbeitslosengeld bekommen und nebenbei pfuschen. Viele Plätze wären frei!

Mein Graz
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@hakre

Viele Arbeitslose würden gerne und sofort arbeiten - wären Entlohnung und Arbeitsumfeld adäquat.

AG die mies bezahlen und wo das Betriebsklima zusätzlich noch unter jeder Kritik ist werden Probleme haben Leute zu kriegen. Und gute Leute schon gar nicht.

DergeerderteSteirer
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Der Gastro, Tourismusbereich und Leiharbeitsbereich ist wie digitale Sklaverei,......


der "Pöbel", wie er in türkisen Bereichen ja so abwertend benannt wird, soll hackeln Tag und Nacht wenns geht, mich wundert es nicht das in diesen Bereichen höchste Personalnot herrscht, auf der anderen Seite ist jedoch der Kunde (Touristen) maßgeblich mitbeteiligt, es gilt ja wie oft besagt das Geiz ist Geil Syndrom, die Blase wird platzen, davon bin ich überzeugt!!

melahide
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Das ist auch das einzige

was der türkisen Schnöseltruppe einfallt. "Strengere Gesetze". Bäh. Wir befinden uns mitten in der digitalen Revolution. Es werden tausende Jobs wegfallen, weil sie nicht mehr benötigt werden. Wenn man alleine schon sieht, das zb in Europa rund die Hälfte aller Bankfilialen zusperren werden. Den ausgelernten Banklehrling, der seit 30 Jahren in seiner Filiale arbeitet,.. dem kann das AMS nicht sagen "Ich brauch einen Kellner, einen Pfleger oder einen High-Data-Analysten"... oder den 55jährigen mit drei Bandscheibenvorfällen kann ich auch nicht zum Spargel-Stechen schicken ...
Anstatt, das Steuern auf Arbeit endlich einmal nachhaltigst gesenkt werden mit höheren Gehältern und Löhnen und es eine ökosoziale Steuerreform gibt gibt es nur eine Idee: "Bestrafen, bestrafen, bestrafen". Und jeder der irgendwo reingeschoben wurde jubelt groß auf.

smauro
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Ich hab Urlaub, kann deshalb jetzt was posten…

Was tun die anderen, die jetzt hier ihren „Senf“ dazugeben? „Arbeiten“ wohl nicht…

rouge
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Dann mach in Deinem Urlaub (wenns stimmt) was gescheites,

statt hier Unsinn zu verzapfen.

Mein Graz
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@smauro

Wie wäre es mit auch Urlaub, Pause, in Pension, Zeitausgleich, Schichtdienst, krank, Teilzeitarbeit....?

Lodengrün
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Man glaubt gar nicht @mein Graz

wie viele Kranke, Neidhammel sich hier tummeln. Das mit dem Urlaub können wir glauben oder auch nicht. Hauptsache hetzen. Wenn aber schon der Studienabbrecher mit Durchschummler und Langschläfer beginnt, was kann man da erwarten. Der kann auch das sagen was mir ein Schulkollege sagte. „Alles was ich bin bin ich durch die Partei“. Solche Leute wie Kurz schickten wir zum Meinl um die Ecke Jause holen. Das höchste der Gefühl war die Sparbücher stempeln. Und da mussten wir stets welche „abschreiben“.

smauro
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…na ja, weil hier so viele „gute Ratschläge“ kursieren…

Ich finde, man sollte nicht im Glashaus sitzend die Steinschleuder schwingen…

Mein Graz
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@smauro

Und ich finde, man sollte nicht über Menschen ein Urteil fällen nur weil sie Zeit haben (sich die Zeit nehmen) am Vormittag posten.

amoruritme
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Ich nehme an, Sie aber einen guten Job, mit dem Sie zufrieden sind

Mit voller Hose ist leicht senfen...

 
Kommentare 1-26 von 86