Gewerkschaftsboss KatzianAbgestuftes Arbeitslosengeld? Weniger als 55 Prozent ein "absolutes No-Go"

ÖGB-Chef Wolfgang Katzian erteilt einem möglichen Ende des Zuverdienstes eine klare Absage. Auch ein Absinken des Arbeitslosengeldes unter 55 Prozent würde es mit ihm "nicht geben".

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Gewerkschafts-Boss Wolfgang Katzian
Gewerkschafts-Boss Wolfgang Katzian © APA/HERBERT PFARRHOFER
 

ÖGB-Chef Wolfgang Katzian warnt die Regierung vor dem Aufbau eines Billiglohnsektors durch die Hintertür und wehrt sich dagegen, dass zu den Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose "Legenden verzapft werden". Einem Ende des Zuverdienstes erteilte er heute im "Ö1-Morgenjournal" eine klare Absage, man solle sich jene Arbeitgeber anschauen, die Beschäftigte für einen Zuverdienst anmelden und dann 40 Stunden arbeiten lassen, diese Firmen seien "Sozialschmarotzer".

Katzian verwies auf eine Sora-Studie im Auftrag der AK OÖ, wonach neun von zehn Arbeitslosen unter der Armutsgefährdungsschwelle leben. "Also wer sagt, die haben einen Lenz, denen gehts gut, der lebt am Mond", betonte Katzian. Es könne nicht sein dass bei der Vermittlung von Arbeitslosen die Qualifikation nicht mehr zähle. "Das ist nicht Österreich, das ist nicht unser Sozialstaat", sagte Katzian im "Ö1-Morgenjournal".

Hier werde von der Regierung davon abgelenkt, "was wirklich geplant ist", erklärte Katzian. Nur rund elf Prozent der Arbeitslosen würden geringfügig dazuverdienen und damit nicht nur ihre Armut lindern, sie hätten so auch einen Fuß in der Arbeitswelt.

Zu einem degressiven Modell - also zuerst mehr, dann weniger Arbeitslosengeld - fehlt Katzian wo das "zuerst mehr" und dann das "weniger" angesiedelt ist. Er vermisst hier konkrete Vorschläge. Selbst fordert die Gewerkschaft eine anfängliche Nettoersatzrate von "70 Prozent". Ein Schritt unter die zurzeit geltenden 55 Prozent sei aber, so Katzian, "ein absolutes No-Go." Das werde es mit ihm "und der Gewerkschaftsbewegung nicht geben". 

Außerdem gehe nicht nur ums Geld, sondern auch um Perspektiven, insbesondere für Langzeitarbeitslose - etwa durch Stiftungsmodelle. "Wir wollen Vollbeschäftigung, das ist die Zielsetzung", stellte Katzian klar.

ÖVP-Landeschef skeptisch gegenüber Zuverdienst

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hat sich in der heutigen Ausgabe der "Vorarlberger Nachrichten" noch einmal für ein degressives Arbeitslosenmodell ausgesprochen. Einer allgemeinen Erhöhung des Arbeitslosengeldes erteilte er eine Absage. Zuverdienstmöglichkeiten in der Arbeitslosigkeit steht Wallner skeptisch gegenüber.

Er ist damit auf Linie mit dem ÖVP-Wirtschaftsbund, der als Eckpfeiler einer Reform ein degressives Arbeitslosengeld, "Anreize" für einen Ortswechsel und die Streichung der Zuverdienstgrenze von 475 Euro fordert.

Kommentare (12)
SoundofThunder
0
0
Lesenswert?

🤔

Kündigungsschutz für über 55 jährige und Aufnahmegarantie für über 50 jährige Menschen die Arbeit suchen. Dann schaut die Welt schon anders aus.

Lepus52
0
2
Lesenswert?

Ganz einfach,

indem er auch die Arbeit seines Mitarbeiters schwarz (ohne Rechnung) verkauft und sich dadurch nicht nur die Umsatzsteuer sondern auch die Einkommensteuer (weniger Gewinn) spart.

GordonKelz
5
14
Lesenswert?

Kann gar nicht sein, daß es einer Institution

wie dem Arbeitsamt nicht gelingt, die schwarzen Schafe, die partout nicht arbeiswillig sind, herauszufiltern!
Gordon

Amadeus005
4
12
Lesenswert?

Es geht eh primär um Schwarzarbeit

Wenn das ordentlich geprüft und bestraft werden würde, dann würde es schon passen. Und Geringfügig dient halt zum verschleiern, da sie Anwesenheit am Arbeitsplatz legitimiert wird. Egal wieviel da schwarz läuft.

ferdinand41
0
0
Lesenswert?

Bei Schwarzarbeit

Ich muss es einen Arbeitgeber ergeben, der schwarz bezahlt, also Sozialbetrug betreibt. Warum ist das immer nur ein Thema der Arbeitnehmer?

melahide
2
8
Lesenswert?

Ja

alle Arbeitslosen arbeiten schwarz und betrügen. Die arme Leistungsgesellschaft macht das nie. Ein Freund hat seinen Chef gefragt, ob er einen Gehaltsvorschuss haben kann. Er wollte sein Dach reparieren. Der Chef so. „Der Dachdecker soll auf due Rechnung Instandhaltung unseres Firmengebäudes drauf schreiben. Ich zahl die Rechnung dann ein und du arbeitest das Geld ab“. Dachdecker schreibt a falsche Rechnung, Chef holt sich Umsatzsteuer zurück, nimmt’s Steuerschonend mit rein. Der Arbeitnehmer zahlt gar keine Steuer … ja! Die Schwarzarbeit der Arbeitslosen ist das Problem …

Balrog206
1
2
Lesenswert?

😂

😂😂 es gibt nat nichts was es nicht gibt , hört sich aber nach Gebrüder Grimm an ! Übrigens wie überweist er dann das richtige Gehalt dann über diesen Betrag wenn er doch das Dach schon bezahlt hat !

melahide
1
3
Lesenswert?

@Balrog

Die Überstunden schreibt er ja offiziell nicht auf. Die sagen zb „mach 200 Überstunden“ die aber nirgendwo aufscheinen… klar so weit?

Balrog206
0
1
Lesenswert?

Jo

Und dann geht der Ma zur Ak unf klagt die Üst ein ! Der Chef müsste doch ganz schön dämliche sein bei so einer Gebarung !

melahide
0
0
Lesenswert?

@Balrog

Am Land sind viele Dinge Usus. Grad auch in der Gastro, da wird gern am Rechnungshof vorb .. ähhh … am Finanzamt vorbei.

Balrog206
0
0
Lesenswert?

Ich

Bin auch vom Land , hab aber mit dem Usus nix zu tun ! Trotzdem bitte wer bezahlt das Dach eines Ma und rechnet es mit dem Lohn gegen 😂🙈🙈🙈

Kariernst
14
6
Lesenswert?

Unfassbar

Woher stammen all deine Vorurteile und falschen Angaben.
Warst noch nie Arbeitslos oder?
Und wenn du schon die Schwarzarbeit angibst so hast du wohl noch nie neben deiner Arbeit zusätzlich Geld verdient als Schwarzarbeiter.
Wie viele Firmen verdienen sich eine goldene Nase da sie Schwarzarbeiter beschäftigen.
Es muss bei den Firmen ein umdenken erfolgen wenn nötig per Gesetz das Menschen ab 50 Jahren nicht kündbar sind, die Bedingungen müssen geändert werden.