Experten-PrognoseDer Preisschub kommt jetzt in den Supermarkt-Regalen an

Trotz hoher Teuerungsraten blieben die Preise für Lebensmittel zuletzt überraschend stabil. Diese „Schonzeit“ für Konsumenten endet, meinen Experten. Der Handel kalmiert.

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Bei den vorerst noch recht stabilen Preisen werde es nicht bleiben, erklären Wifo-Experten
Bei den vorerst noch recht stabilen Preisen werde es nicht bleiben, erklären Wifo-Experten © Gina Sanders - stock.adobe.com
 

Selbst für Experten war es eine Überraschung, die aber vor dem Hintergrund der ohnehin hohen Juli-Inflationsrate von 2,9 Prozent etwas untergegangen ist. Die Preise für Lebensmittel in Österreichs Märkten blieben bisher stabil. Überraschend war das deshalb, weil die meisten der zugrunde liegenden Rohstoffpreise seit Monaten nur eine Richtung kennen: Und die zeigt steil nach oben. Allein im Juli legten die Weltmarktpreise für Agrargüter – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – um 41 Prozent zu, wie eine aktuelle Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) belegt.

Im gesamten ersten Halbjahr seien die Verbraucherpreise für Nahrungs- und Genussmittel in Österreich mit plus 0,9 Prozent indes nur relativ moderat gestiegen. Dabei werde es nicht bleiben, sagen nun die Wifo-Experten Franz Sinabell und Josef Baumgartner voraus. „Erfahrungsgemäß reagieren die Lebensmittelpreise mit einer gewissen Verzögerung auf Preisänderungen von Agrargütern.“ Dazu werde es nun kommen.

Eine extreme Entwicklung gab es beim Schweinepreis, der nun wieder um 2,3 Prozent gestiegen ist. Doch wegen Lockdowns und eines chinesischen Embargos für Deutschland waren die Preise zuvor um über 20 Prozent gefallen
Eine extreme Entwicklung gab es beim Schweinepreis, der nun wieder um 2,3 Prozent gestiegen ist. Doch wegen Lockdowns und eines chinesischen Embargos für Deutschland waren die Preise zuvor um über 20 Prozent gefallen Foto © Markus Mainka - Fotolia

"Kein Händler will den Schwarzen Peter haben"

„Bisher war die Konkurrenz zwischen den Handelsketten zu groß. Keiner will den Schwarzen Peter haben“, erklärt Sinabell. Doch wenn die langfristigen Lieferverträge auslaufen, werde es zu einer Preisanpassung nach oben kommen. Für das zweite Halbjahr 2021 sowie das erste Halbjahr 2022 rechnen die Ökonomen mit einem Anstieg der Verbraucherpreise für unverarbeitete Nahrungsmittel um 2,6 Prozent bzw. 3,8 Prozent, für verarbeitete Nahrungsmittel um 2,5 Prozent bzw. vier Prozent. Wie sich das auf die einzelnen Waren auswirken wird, ist zum Teil noch schwer prognostizierbar. Die Bäckerinnung hat zuletzt bereits deutlich gemacht, dass die Preise für Brot und Gebäck im Herbst um rund zehn Prozent steigen werden, in anderen Branchen sind die Auswirkungen vielfach aber noch nicht bezifferbar.

Die Kartoffel ist ein Paradebeispiel für das Auf-und-Ab der Agrarpreise. 2019 ging es 23,6 Prozent nach oben, 2020 rasselte der Preis 47,1 Prozent nach unten und liegt jetzt wegen hoher Produktion 60 Prozent unterm Vorjahr
Die Kartoffel ist ein Paradebeispiel für das Auf-und-Ab der Agrarpreise. 2019 ging es 23,6 Prozent nach oben, 2020 rasselte der Preis 47,1 Prozent nach unten und liegt jetzt wegen hoher Produktion 60 Prozent unterm Vorjahr Foto © APA/HANS PUNZ

Fallende Kosten wirken sich kaum aus

Was die Volkswirte jedenfalls auch beobachten: Die Preisschwankungen im Lebensmittelhandel sind asymmetrisch. Hohe Rohstoffpreise werden üblicherweise recht rasch an die Konsumenten weitergegeben. Fallende Kosten hingegen wirken sich viel langsamer auf die Preise im Geschäft aus.

Wetterextreme haben u. a. bei Himbeeren, Marillen, Brombeeren und Heidelbeeren zu Ernteausfällen geführt. Das führe laut Verband der Lebensmittelindustrie zu „dramatischen Verteuerungen“. Das trifft Verarbeiter und Safthersteller
Wetterextreme haben u. a. bei Himbeeren, Marillen, Brombeeren und Heidelbeeren zu Ernteausfällen geführt. Das führe laut Verband der Lebensmittelindustrie zu „dramatischen Verteuerungen“. Das trifft Verarbeiter und Safthersteller Foto © Fotalia

Aus diesem Grund findet der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, Ferdinand Lembacher, den Fokus auf die Rohstoffpreise auch nicht gerechtfertigt. Er hätte es noch nie erlebt, dass Brot billiger wird, wenn die Getreidepreise sinken. Der Grund dafür sei klar: „In einem Brot macht der Getreidepreis, als Kostenanteil der Landwirtschaft, fünf bis sechs Prozent aus.“

Höhere Getreidepreise, teurere Ersatzteile für Backmaschinen sowie gestiegene Transportkosten führen dazu, dass Brot und Gebäck teurer werden. Ab Herbst ist laut Innung von einer Erhöhung von rund zehn Prozent auszugehen
Höhere Getreidepreise, teurere Ersatzteile für Backmaschinen sowie gestiegene Transportkosten führen dazu, dass Brot und Gebäck teurer werden. Ab Herbst ist laut Innung von einer Erhöhung von rund zehn Prozent auszugehen Foto © Weichselbraun

"Lebensmittelpreise sind zu günstig"

Für den Vertreter der Landwirte sind die Lebensmittelpreise in Österreich eigentlich weiterhin zu günstig. „Ein Milchbauer kann nicht kalkulieren, welche Kosten die Produktion verursacht und dementsprechend den Preis setzen. Er bekommt den Preis, der am internationalen Markt gezahlt wird.“ Dementsprechend seien die Landwirte sicherlich keine Inflationstreiber.

Die Richtung ist klar: An allen Beschaffungsmärkten steigen die Preise, dazu Engpässe etwa bei Europaletten, Leerglas und Aluminium. Kosten für Personal und Energie steigen. In welchem Ausmaß Bier teurer wird, entscheidet der Markt.
Die Richtung ist klar: An allen Beschaffungsmärkten steigen die Preise, dazu Engpässe etwa bei Europaletten, Leerglas und Aluminium. Kosten für Personal und Energie steigen. In welchem Ausmaß Bier teurer wird, entscheidet der Markt Foto © mhp - Fotolia

Katharina Koßdorff vom Fachverband der Lebensmittelindustrie führt auch die steigenden Kosten für Transport und Verpackung ins Feld. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass solche Marktentwicklungen auf so vielen Ebenen praktisch zeitgleich auftreten. Das stellt die Betriebe der Lebensmittelindustrie derzeit vor extreme Herausforderungen.“

Auch die Molkereien fordern um fünf bis sieben Prozent höhere Preise für Milch und Butter, auch die Bauern pochen auf einen höheren Preis für Milch. Die durchaus zähen Verhandlungen mit dem Handel laufen noch
Auch die Molkereien fordern um fünf bis sieben Prozent höhere Preise für Milch und Butter, auch die Bauern pochen auf einen höheren Preis für Milch. Die durchaus zähen Verhandlungen mit dem Handel laufen noch Foto © yellowj - stock.adobe.com

Wann werden Kosten weitergereicht?

Eine entscheidende Frage lautet aber auch: Wie, wann und in welchem Ausmaß werden die Handelsketten etwaige Verteuerungen an die Kunden weitergeben? Hier rechnet der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will, mit keinem kräftigen Anstieg der Preise: „Es gibt einen starken Wettbewerb im Lebensmittelhandel und die Kunden wollen günstige Preise.“

Auch Hofer-General Horst Leitner meinte erst kürzlich, „wenn die Kosten für Produzenten zu hoch werden, muss man das abgelten.“ Dass höhere Einkaufspreise dann auch 1:1 bei den Konsumenten ankommen, glaubt er nicht. Denn der harte (Preis-)Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel werde einen „heißen Herbst“ bringen, glaubt Leitner.

Kommentare (25)
CIAO
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immer das gleiche.....

... das was wir verkaufen ist zu billig... sagen die Verkäufer - der Händler - locken die Kunden mit Rabattpickerln usw. Teure Insedrate in den Printmedien , Prospekten vor der Haustür, das ist alles "drin". Es muss ein "Gschäft" sein, wenns teurer wird, sind andre schuld.

Ich erinnere mich, in den 90er Jahren in einem bekannten steirischen Weingut jammerte schon der junge Winzer, "unsre Weine sind viiiiel zu billig "
In diesem Bereich kenn ich mich etwas aus: Seit dieser Zeit sind die Weine unabhängig von Inflation und anderen Teuerungen, und EURO ... ZUSÄTZLICH um etwas das doppelte gestiegen.
Man braucht sich nur umschauena... Internationale Investieren in die "billige" Südsteiermark.....
Nun wer zahlts: der Konsument, solange er sich es leisten kann, und wenn nicht, dann schleichen sich die Investoren wieder....
Früher gabs armselige Winzerkeuschen, heute sind es, weil es auch fleissige Einheimische sind , kaum mehr solche Häuser, heute mit sündteuren "Winzerzimmern" fast alle Betriebe haben Gästezimmer mit Preisen, In Rom oder Florenz, sogar in Wien kann man (viel)günstiger buchen.

OE39
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Hakerl drunter

Wieder ein Punkt abgearbeitet in der Liste der Verschwörungstheoretiker.

melahide
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„Ja

wenn sich die Menschen den Einkauf im Supermarkt nicht mehr leisten können, dann sollen sie halt ins Gasthaus gehen“.

Ihr Basti Fantasti

Balrog206
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In

Österreich sind „Lebens“ Mittel so wieso zu billig und das geht meist zu Lasten des Erzeugers , sieht man ja wer das Geld für Werbung hat im ORF ( nur mehr d 4 Ketten u Pharma )

melahide
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Ja

sie sind zu billig. Neulich sah ich bei einer Kette Tomaten im Angebot. Hochgerechnet 1,80/kg. Von irgendwo her halt, due vermutlich nach nichts schmecken. Am Markt find ich 4 Euro/kg ok. Wenn man den Aufwand dahinter sieht …

Ba.Ge.
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covid19 = Sparmaßnahme?

Pensionen wurden eingespart (weil verstorben), es eröffnet Gründe für eine Inflation … auch weitere Gründe, welche dafür sprechen, gibt es (natürlich auch einige die dagegen spreche) - ich will aber gar nicht näher drüber nachdenken 🤗

GustavoGans
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Und

was wollen Sie damit sagen?

Wuffzack3000
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Ordentliche Steuern!

Bin für eine ordentliche Verteuerung!

Fleisch muss mindestens 100 Euro pro Kilo kosten! Das muss uns für den Klimaschutz Wert sein!

Diesel mindestens. 10 Euro pro Liter. Finde überhaupt alles viel zu billig!

ARadkohl
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Und manche

Schreiben einen ziemlichen Blödsinn hier.

Miraculix11
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Daher forderst Du sicher auch...

...dass Kommentare in diesem Forum 10 € pro Posting kosten. Gratis ist ja viel zu billig.

Dr.B.Sonnenfreund
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So ein

Blödsinn. Scheinst aber mächtig Kohle zu haben, alle Achtung. Sonst würdest nicht so einen Unsinn fordern.

CIAO
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zum Glück ein Wuffzack

und kein wiffzack

hilly24
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Schön für dich vergiss aber nicht das viele nur so über die Runden kommen

10 euro/Liter ist schon deftig es sind sehr viele beruflich auf das Auto angewiesen und können sich nicht eben mal so einfach ein e auto kaufen dann geht man für Treibstoff und wohnen arbeiten und zum essen kann man sich dann nichts mehr leisten

neuernickname
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@Wuff

Und jedes Posting sollt 158 Euro und 25 Cent kosten.

Aber woher soll ein Wuffzack wissen, dass das Internet wie blöd Energie verbraucht.

GustavoGans
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Und wieviel

dürfte/müsste Ihrer Meinung nach ein Arbeiter/Angestellter im Monat verdienen?
Nur damit man weiß, ob sich in Zukunft nur mehr Reiche Fleisch leisten können dürfen.

Wuffzack3000
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Sehe das Problem nicht

Man leistet sich, so wie heute, das was man sich leisten kann.
Diese Mittelschicht trinkt dann halt vielleicht weniger RedBull von der Tanke.

der alte M.
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Was

haben Sie geraucht?

Dr.B.Sonnenfreund
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Frage

Ich mich auch...

GustavoGans
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Die haben die Frage nicht beantwortet

Was müsste Ihrer Meinung nach ein Arbeiter/Angestellter netto im Monat verdienen, damit der Preis für Fleisch so teuer sein darf.

Wuffzack3000
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@GustovoGans

Hab ich doch beantwortet: So viel wie derzeit. Warum sollte man nur weil die Preise höher sein sollten mehr verdienen?
Das ist ja das Ziel, dass man sich nicht mehr alles leisten kann!

Balrog206
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Wuffzack

Solche Fragen werden nie beantwortet es wird nur geschimpft das viele zu wenig verdienen , aber Summen werden nie genannt !

Fotomandalas
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Vielleicht kaufen die Menschen dann bewußter

Wenn Lebensmittel wenig kosten, kann man mehr wegwerfen. Siehe Doppelangebote.
Lebensmittel dürfen nichtskosten? Dafür gibt man und frau für Zigaretten, Alkohol und andere Luxusartikel viel Geld aus. Der Bauer, der die größte Arbeit hat, muß seine
Perlen vor die Säue werfen, die es nicht einmal schätzen. Ich gebe zu, daß ich verhungern würde, müßte ich mir alles selbst anbauen, um zu überleben.
Wieviel Arbeit dahintersteckt und wie wenig Verdienst dabei herauskommt, dafür würden viele nicht arbeiten. Hingegen wird für Chemiesäfte und Naschzeug
jede Menge Geld verbraucht.

anda20
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Extreme Entwicklungen

sind laut dem Bericht also zuerst fallende Preise um die 20% mit einer folgenden Preissteigerung von über 2 Prozent.

Die Schweine und anderen Tiere freuen sich, würden sich allerdings eine Verdoppelung des Preises wünschen um weniger gefressen zu werden.

Vielen Dank

Captain Einsicht
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...

Das tägliche Schnitzel wird teurer

kukuro05
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Gut so!

Wurde auch Zeit!!!