Jeff Bezos schreibt Geschichte und Geschichten. Der erste bemannte Testflug der Bezos-Rakete „New Shepard“ markiert heute, Dienstag, einerseits den Start des kommerziellen Weltraumtourismus, andererseits zeugt die Besatzung von Bezos Gefühl für Vermarktung. Mit an Bord sind nämlich nicht nur Bruder Mark, sondern auch die jüngste und die älteste Person, die je ins Weltall flogen. Für die 82-jährige Wally Funk geht damit zugleich ein 60-jähriger Lebenstraum in Erfüllung.

1961 nämlich – stilsicher in jenem Jahr, in dem Juri Gagarin als erster Mensch die Erde umrundet – beginnt auch für Funk das Abenteuer Weltall. „Woman in Space“ nennt sich ein von der US-Amerikanerin absolviertes Trainingsprogramm, stundenlange Isolation und Schwindeltests meistert die 21-Jährige par excellence. Dennoch: Abgehoben ist keine der Frauen im Programm.

Vielmehr entscheidet sich die NASA zwei Jahre später überhaupt dagegen, Frauen ins Weltall zu schicken. „Kriege und Flugzeuge“ seien Männersache, befindet der Astronaut John Glenn. Erst 1976 beginnt die US-Weltraumbehörde das Dogma aufzulösen und bildet wieder Astronautinnen aus.

Erste Fluglehrerin, erste Prüferin

„Wally, du bist eine Frau, du kannst das nicht tun!“, hätte sie in den letzten Jahrzehnten dennoch gebetsmühlenartig zu hören bekommen, sagt Funk. Beeindrucken lässt sich die Pilotin mit dem selbstbewussten Lächeln davon nie, männliche Domänen bricht sie einfach anderswo. So wird sie erste Fluglehrerin der Flugbehörde FAA und gilt als erste Frau, die bei der US-Verkehrsbehörde NTSB als Prüferin für Flugsicherheit arbeitet. 3000 Menschen lehrte sie die Fliegerei, „19.600 Flugstunden“ habe sie bereits am Buckel, sagt Funk.

Heute kommen zehn Minuten dazu. Was das Erste sei, das sie nach der Landung sagen werde, will Jeff Bezos im Vorfeld von Wally Funk wissen. Diese streckt die Arme aus und antwortet: „Ich würde sagen: ,Schätzchen, das ist das Beste, was mir je passiert ist!‘“ Heute soll diesbezüglich die Bestätigung folgen.

Die Pilotin Wally Funk
Die Pilotin Wally Funk
© AFP