Die Sorgenfalten rund um die österreichische Bauwirtschaft, insbesondere im Hoch- und Wohnungsneubau, werden tiefer. Baugewerkschafter Josef Muchitsch spricht von einer „alarmierenden Lage“ und rechnete zuletzt vor, dass seit Frühjahr 2023 rund 10.000 Beschäftigte weniger am Bau tätig sind. Zwei Drittel davon hätten die Branche gewechselt. Am Donnerstag veröffentlichte nun das Marktforschungsinstitut „Branchenradar“ eine aktuelle Analyse zur Lage am Bau. Demnach erhöhte sich der Bauproduktionswert im Vorjahr nominal noch um 1,5 Prozent im Vergleich zum Jahr davor – auf rund 57,9 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 werde die Bauleistung jedoch erstmals seit 2010 schrumpfen. „In Anbetracht des massiven Rückgangs der Baubeginne im Hochbau bei gleichzeitigem Ausdünnen laufender Bauprojekte ist mit einem Erlösminus um 4,3 Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 55,4 Milliarden Euro zu rechnen. Infolge sind rund 16.000 Arbeitsplätze gefährdet“, so Studienautor Andreas Kreutzer.

Im Wohnungsneubau komme die negative Entwicklung nicht überraschend. 2023 wurden laut Analyse um fast 27 Prozent weniger Wohnungen bewilligt als im Jahr davor. „Gestützt von den Baugenehmigungen der Jahre davor, reduzieren sich folglich im laufenden Jahr – im Vergleich zu 2023 – die Baubeginne insgesamt um rund 18 Prozent, bei Einfamilienhäusern sogar um nahezu 20 Prozent.“ Alles in allem werde heuer „vermutlich nur noch mit dem Bau von rund 39.600 Wohnungen begonnen. Weniger gab es die letzten 13 Jahre nicht“. 

Die Hauptgründe: „Die Verantwortung für die im Wohnbau deutlich rückläufige Neubautätigkeit sehen einige in den verschärften Vergaberichtlinien für private Wohnbaukredite, Stichwort KIM-Verordnung“. Laut Branchenradar seien aber wohl „die zuletzt substanziell angehobenen Finanzierungszinsen maßgeblicher dafür“. Wurde für private Wohnbaudarlehen im Jahr 2021 noch ein Effektivzinssatz von 1,57 Prozent (Jahresdurchschnitt) verrechnet, waren es zuletzt im Mittel 4,21 Prozent. „Zudem war die Schaffung von neuem Wohnraum in Relation zur allgemeinen Preislage noch nie so teuer wie heute“, wird betont. 

„Ohne staatliche Wachstumsimpulse droht im Jahr 2025 im Wohnungsneubau ein nochmaliger Rückgang der Bauproduktion um 8,6 Prozent gegenüber Vorjahr, in der Bauwirtschaft insgesamt um 3,3 Prozent. Das träfe dann nochmals rund 12.000 Beschäftigte.“ Wie berichtet, wird seitens der Bundesregierung derzeit über ein Maßnahmenpaket für die Bauwirtschaft verhandelt.

„Die Stimmung am Bau verschlechterte sich zu Jahresbeginn“

Ins Gesamtbild passt auch die aktuelle Konjunktureinschätzung der Bank Austria. Zu Beginn des Jahres hat sich die heimische Konjunktur demnach wieder leicht verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist zu Jahresbeginn auf minus 3,2 Punkte gestiegen. Das war der vierte Anstieg in Folge auf den besten Wert seit Mai vorigen Jahres“, so UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Die Rezession dürfte damit überwunden sein, mit einer stärkeren Aufhellung rechnet der Ökonom jedoch erst im Sommer. Denn der Indikator sei zwar gestiegen, liege aber weiterhin klar unter dem langjährigen Mittel. „Impulse, die für den unmittelbaren Beginn einer spürbaren Erholung der österreichischen Wirtschaft sprechen, sind nicht auszumachen“, so Bruckbauer. Vor allem im Bau- und Immobilienbereich überwiege weiterhin der Pessimismus. „Die Stimmung am Bau verschlechterte sich zu Jahresbeginn, was auf Auftragsrückgänge im Hochbau und bei den Nebengewerben zurückzuführen war.“