Wieso Fehringer Handwerker auf künstliche Intelligenz setzen sollen
Die Handwerksregion Fairing will generative KI auch kleinen Betrieben schmackhaft machen. Bei AT&S nutzt man und profitiert man von ihr bereits. Auch Lutterschmied Bau steht der Digitalisierung gegenüber offen.
„In den vergangenen zehn Jahren wurden hier 700 neue Jobs geschaffen. Heute arbeiten 5000 Menschen in der Region und das bei grob 10.000 Einwohnern“, schwärmt Franz Fartek von der Handwerksregion Fairing bestehend aus den Gemeinden Kapfenstein, Unterlamm und Fehring. Damit die Region auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt, will man nun gemeinsam das nächste große Thema angehen: Künstliche Intelligenz.
Künstliche Intelligenz in Industrie und Handwerk
Tatsächlich sind KI-Systeme in Fehrings Unternehmen längst im Einsatz. Spätestens seit ChatGPT die Text-Generierung einer breiten Masse zugänglich gemacht hat, wird in vielen Büros auf die Programme gesetzt. Aber auch in der Industrie, wie etwa bei AT&S in Fehring, beschäftigt man sich seit geraumer Zeit mit den Vorteilen und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz.
Wir sehen die KI für Fehring als Wachstumstreiber
— Christopher Hermann, Director of Operations bei AT&S in Fehring
Beispiele für den Einsatz seien die Produktkontrolle, die Mitarbeiterausbildung oder aber auch die „Preventive Maintenance“ zu Deutsch „vorbeugende Instandhaltung“, so Christopher Hermann, Director of Operations am Fehringer Standort des Leiterplattenherstellers. Durch die Neuausrichtung in den vergangenen Jahren auf die Bereiche Medizin, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung profitiere man auch von der zunehmenden Anwendung von KI auf Kundenseite. „Wir sehen die KI für Fehring als Wachstumstreiber und Chance“, erklärt Hermann. Der Konzern will in den nächsten zwei Jahren 15 Millionen Euro in den Standort investieren.
Zunehmend werde generative KI also auch bei der Errichtung von Einfamilienhäusern oder beim Tischler im Nachbarort ankommen, ist sich Regionsexperte und Wissenschaftler Christian Krotschek sicher. „Bei uns im Büro ist Künstliche Intelligenz schon in Verwendung oder auch am Bau teilweise. Sie unterstützt uns etwa bei der Visualisierung von Bauprojekten“, schildert Ernst Lutterschmied, Geschäftsführer von Lutterschmied Bau, den Stand in seinem Unternehmen.
Vortrag von KI-Experte Christoph Holz in Brunn
Damit alle in der Region auf KI vorbereitet sind und etwas davon haben, organisiert die Handwerksregion Fairing in Brunn (Gemeinde Fehring) am 20. November einen Vortrag mit Christoph Holz, Digitalisierungs- und KI-Experte. Gerade durch Effizienzsteigerung, Unterstützung in Logistik, Erstellung von 3D-Modellen, in der Buchhaltung oder auf den vielen mehrsprachigen Baustellen soll KI in der Südoststeiermark auch kleinen Handwerksbetrieben helfen, sagt Krotschek.
Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz
Ein effizienteres und besseres Arbeiten versprechen sich auch Fartek (Sprecher der Handwerksregion) und die drei Bürgermeister Ferdinand Groß (Kapfenstein), Robert Hammer (Unterlamm) und Johann Winkelmaier (Fehring). Die Risiken seien gering, ist man sich einig. Dabei sind die Vorteile, die generative KI in der modernen Arbeitswelt bringt, durchaus umstritten.
Aber auch die potenziellen Gefahren sind nicht gering zu schätzen. Neben der Voreingenommenheit (Bias), die KI durch das Training mit Daten erhält, macht sie auch Fehler und noch schlimmer, versucht das zu vertuschen: „Generative KI-Tools sind nicht darauf ausgelegt, Genauigkeit zu garantieren und sie verbergen Fehler, indem sie diese überzeugend präsentieren“, betont Professor Keyvan Vakili, Innovations-Experte an der London Business School.
Hausverstand vs. KI
Bei AT&S spielt dann vor allem auch noch die Frage nach der Datensicherheit eine Rolle. „Bei uns werden deshalb viele Ressourcen in die IT-Abteilung gesteckt. Die Systeme werden aber zentral geprüft, das betrifft uns in Fehring weniger“, so Hermann. Bei Lutterschmied hingegen setzt man auf den Hausverstand: „Fehler können auch Statiker machen, deshalb verlange ich von meinen Lehrlingen einen Plausibilitätscheck. Sich einfach kurz die Frage zu stellen, ob das, was ich vor mir habe, stimmen kann, ist bei unseren Projekten, die alle individuell sind, einfach notwendig.“






