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Das kritisieren und wünschen sich Menschen in der Südoststeiermark

Die Initiative Frauenkraft im Steirischen Vulkanland fand im Zuge einer Umfrage heraus, warum Menschen in die Südoststeiermark ziehen, sie verlassen oder ihr treu bleiben. Spannend: Frauen zeigten sich zufriedener als Männer.

Franz Fartek, Lisa Mittischek und Tamara Schober bei der Projektpräsentation „Bleibefaktoren“ im Genusshotel Riegersburg
© KLZ / Julia Schuster
Franz Fartek, Lisa Mittischek und Tamara Schober bei der Projektpräsentation „Bleibefaktoren“ im Genusshotel Riegersburg
Julia Schuster
Teamleiterin Regionalredaktion Feldbach

In vielen Bereichen sei die Südoststeiermark bereits eine Vorzeigeregion, ist sich Franz Fartek, Vorsitzender des Regionalmanagements Steirisches Vulkanland und Obmann der Landentwicklung Steiermark sicher. Er möchte der Region aber „den Spiegel vorhalten“. Damit spielt er auf die Umfrage zu den Bleibefaktoren an, die die Initiative Frauenkraft gemeinsam mit der Sozialwissenschafterin Lisa Mittischek durchgeführt hat. Initiiert haben das Projekt Tamara Schober und Bianca Lamprecht.

Frauen zufriedener als Männer

Die Online-Umfrage widmete sich also Ursachen, warum Menschen in die Südoststeiermark ziehen, sie verlassen oder ihr treu bleiben. 323 Personen (249 Frauen, 72 Männer, 2 diverse Personen) füllten den Fragebogen zu „Bleibefaktoren für die Region Südoststeiermark“ aus. Die meisten von ihnen kommen aus den Gemeinden Gnas, Feldbach, Bad Gleichenberg und Bad Radkersburg.

Die Auswertung lieferte spannende Ergebnisse: Alle Bereiche, zu denen Befragungen durchgeführt wurden, wie Bildung, Beruf, Infrastruktur, Landleben und Hausarbeit, erschienen Frauen wichtiger als Männer. Außerdem: Sie bewerteten den Ist-Stand auch besser als Männer, zeigten sich also zufriedener. Auffallend ist, dass das Urteil über das Angebot in der Südoststeiermark gut ausfällt, aber etwa bei der Weiterbildung von Erwachsenen gibt es noch viel Luft nach oben. Was Schober anmerkt: „Im Bereich der Weiterbildung sind wir schon breit aufgestellt. Das bedeutet für uns, dass wir diese Angebote besser sichtbar machen müssen.“

Wer zurückzieht, ist weniger zufrieden

Menschen, die wieder nach Hause in die Region kommen, haben häufig einen Universitätsabschluss, müssen öfter pendeln und sind weniger zufrieden. Gründe, warum die Menschen zurück in die Südoststeiermark ziehen, sind Beziehungen, Arbeit oder die Leistbarkeit des Wohnens. Wer zuzieht, sucht sich eher einen Job in der Region und orientiert sich an den örtlichen Gegebenheiten.

Apropos Arbeit: Besonders zufrieden sind Berufstätige im Handel, Tourismus und Gastgewerbe sowie in der Politik. Unzufriedenheit, vor allem bei den Männern, herrscht in der Industrie, der Wissenschaft und etwa in der IT – diese pendeln auch öfter aus dem Bezirk aus als Frauen.

Lisa Mittischek präsentierte als Projektverantwortliche die Ergebnisse aus der Online-Studie
© KLZ / Julia Schuster
Lisa Mittischek präsentierte als Projektverantwortliche die Ergebnisse aus der Online-Studie

Öffentlicher Verkehr als Kritikpunkt

Was auffällt: Junge Menschen sind unzufriedener, weil es laut der Ergebnisse zu wenige Angebote für sie gibt. Außerdem empfinden sie Druck, sich an Rollenerwartungen anzupassen. Junge behaupten von allen Gruppen am häufigsten, dass Menschen am Land konservativer sind als in der Stadt. Diese Meinung teilen Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen.

Am häufigsten kritisieren die Teilnehmer der Studie den öffentlichen Verkehr in der Südoststeiermark. Besonders wertgeschätzt wird hingegen die Natur. Ähnliche Studien aus anderen Regionen – mit denen man die Ergebnisse wiederum vergleichen könne – gebe es nicht, so Mittischek.

Mehr (Job-)Angebote für junge Menschen

„Regionen sterben aus, wenn Frauen wegziehen“, erklärt Mittischek. Deshalb hat man aus den Ergebnissen Bleibe- beziehungsweise Rückkehrfaktoren für Frauen definiert: Die Einbindung junger Frauen soll verstärkt werden und es braucht mehr Angebote in den Bereichen Kultur, Freizeit oder Sport sowie mehr berufliche Möglichkeiten für Menschen mit akademischen Bildungsabschlüssen.

Regionen sterben aus, wenn Frauen wegziehen

— Lisa Mittischek, Projektverantwortliche

Für Fartek und Schober sind die Ergebnisse aus der Studie jedenfalls „ein klarer Auftrag“. Im Zuge von Netzwerktreffen will man die Schlüsse weiter diskutieren und die Menschen „einladen, ihren Lebensmittelpunkt hier zu finden“.

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