Vor etwas mehr als zwei Monaten ging die Saison von Max Franz beim Training in Copper Mountain zu Ende. Ein Sturz, in dessen Folge er sich beide Unterschenkel brach. Den rechten noch dazu direkt beim Sprunggelenk, den linken knapp innerhalb des Schienbeins, dafür offen. Nach der Erstversorgung in Vail wurde der Kärntner im UKH Steiermark, Standort Graz, von einem ganzen Team mehrfach operiert – nach wie vor sitzt er im Rollstuhl. Im Podcast erzählt er vom Sturz und den Minuten und Stunden danach, vom Erleben der Verletzung. Aber vor allem macht er Mut – zum Beispiel dafür, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Und er erzählt vom großen Ziel für diesen Winter: Eine Skitour.

Max Franz ist Verletzungen "gewöhnt", sie sind, wie er sagt, "Teil des Spiels". Das Spiel, das ist in diesem Fall der Abfahrtssport. Kreuzbandriss, Syndesmoseband-Abriss, Sprung im Fersenbein, ein heftiger Oberschenkelbruch. Der Mann vom Weißensee hat tatsächlich schon viel hinter sich gebracht. Aufgegeben hat er noch nie. "Es hat aber von Verletzung zu Verletzung länger gedauert – aber irgendwann kommt es zurück, dass man da wieder hin will, wo man war. Weil es nichts Besseres gibt."

Im Normalfall, erzählt er, sei die Formel eine einfache: "Da hast du eine Operation, dann wachst du auf und ab dem Moment geht es nur vorwärts, am Tag danach beginnt immer die Reha." Diesmal war das anders. Der Sturz setzte unglaubliche Energie frei – im Podcast erzählt Franz, was genau passiert ist. Und das war durchaus heftig. Die Folge waren mehrere OPs. "Da funktioniert das eben nicht so wie normal. Am Anfang dachte ich in Graz: Noch zwei Operationen, aber nach der ersten waren die Schmerzen sehr groß, da freut man sich nicht mehr so auf die nächste OP. Und vor allem waren die Schmerzen zunächst nur links, aber nach der zweiten OP habe ich beim rechten Fuß auch nicht gewusst, wohin mit den Schmerzen. Aber es wurde von Tag zu Tag besser."

"Wollte nur nicht umkippen"

Franz erzählt von den Schmerzen am Hang, von der Konzentration auf das Wesentliche: "Ich wollte nur nicht wegkippen, weil jede Bewegung hätte alles verschlimmern können. Man muss sich vorstellen: Normalerweise kommt der Knochen bei einem offenen Bruch vorne heraus. Bei mir ging er nach hinten, da waren unglaubliche Kräfte. Und im rechten Fuß hatte ich sozusagen eine Luxation des Sprunggelenks, da ist der Fuß nach vorne gerutscht und der Unterschenkel dann nach unten radiert und hat alles zerbrochen."

Doch der Wille, zurück auf Ski zu kommen, war bald wieder da: "Ich mache das, seit ich eineinhalb Jahre alt bin. Ich will zurück auf Ski, das Rennfahren ist so geil, das will man probieren." Was er dazu erwähnt: "Es ist nicht schön, wenn man gezwungen wird, aufzuhören. Wenn man selber entscheiden kann, dass es genug ist, dann ist das das Schönste, was einem als Sportler passieren kann."

Max Franz – auf das Rad darf er nach acht Wochen, im Alltag geht es nur im Rollstuhl. Was man aber sieht: Die "Skifahrer-Oberschenkel", die sind weg ...
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Kurz vor Weihnachten durfte Franz nach Hause, ins Tennengau nahe Golling. Dort hat er ein ganzes Team, zusammen mit den Ärzten und Therapeuten gibt es eine eigene WhatsApp-Gruppe. Übertitel: "Maximum Recreation" ("Maximale Regeneration"). Franz: "Allein am Namen der Gruppe sieht man, wie motiviert jeder ist." In der Zwischenzeit, mehr als acht Wochen nach dem Sturz, darf Franz schon wieder aufs Rad, probiert(e) sich im Wasser. "Das Gehen lernen ist schwierig. Das verstehst du nicht, weil du das ja immer selbstverständlich gemacht hast, das ja funktionieren muss. Aber die Muskeln sind weg, da bandelt es dich schon im Wasser schön nach vor und zurück."

Die Fortschritte sind sichtbar: "Jürgen Mandl ist sehr zufrieden", sagt er zum letzten Besuch des Grazer Unfallchirurgen. Ende Jänner geht es dann ins Rehazentrum nach Tobelbad. "Man hat mir gesagt, dass es zwei Monate dauern wird, bis ich wieder gehen kann. Ich will es in einem schaffen", sagt er optimistisch. Was ihn antreibt, ist der Traum, zurückzukommen. Was ihm hilft, ist die Fähigkeit, sich zu adaptieren, sich einzustellen. Kleine Ziele zu verfolgen, das große aber nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht zu jammern, sondern vorwärts zu denken, zu kämpfen. "Wie weit es dann geht, muss man sehen. Aber du musst dir Ziele setzen und diese verfolgen. Du darfst nicht nachgeben." Eben nicht aufhören, zu kämpfen.

Ein großes Ziel gibt es aber: Die Ärzte – Mandl operierte im Team mit Michael Plecko und Christian Kammerlander – haben einen "Brauch": Kann ein Patient nach OPs und erfolgreicher Reha "entlassen" werden, gibt es eine gemeinsame Radtour. "Ja, die ist für Sommer ins Auge gefasst. Ich will aber was anderes, das früher: Mein Ziel ist es, diesen Winter noch eine Skitour zu gehen. Auch wenn ich nur im Garten einmal ums Haus gehe. Das ist das große Ziel."