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EM-Jahr 2020Foda über Arnautovic: "Er ist alt und erfahren genug"

In einer Woche nominiert Österreichs Fußball-Teamchef Franco Foda seinen ersten Kader des EM-Jahres 2020. Im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur sprach der 53-jährige Deutsche über die aktuelle Situation seiner Stars David Alaba und Marko Arnautovic, seine möglicherweise bevorstehende Vertragsverlängerung und die Ausbreitung des Coronavirus.

Franco Foda
Franco Foda © GEPA pictures
 

Es ist der Start ins EURO-Jahr. Was sind Ihre wichtigsten Ziele bis zum Turnierauftakt in drei Monaten?

Foda: "Das Wichtigste ist der nächste Lehrgang. Gegen Wales und die Türkei wollen wir uns gut präsentieren. Wir wollen eine Euphorie entstehen lassen, dementsprechend müssen wir auftreten. Wir wollen auch den Charakter stärken. Deswegen habe ich zwei Testgegner ausgewählt, die hohe Qualität haben. Dann kommt die EM-Vorbereitung ab 24. Mai. Ich hoffe, dass dann alle Spieler gesund und topfit sind, dass alle in ihren Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommen. Das ist für uns von großer Bedeutung."

Vor der vergangenen EM war die Euphorie größer, fast ein bisschen überbordend. Welche Lehren kann man daraus ziehen?

Foda: "Das ist normal, wenn du dich nach langer Zeit das erste Mal aus eigener Kraft qualifizierst. Das war ein besonderer Moment. Die Euphorie war da. Ich denke, alle haben etwas daraus gelernt. Wir waren im Herbst schon stolz, dass wir uns qualifiziert haben. Die Spieler haben aber gesagt, es ist ein Teilziel erreicht. Man hat einen gewissen Reifeprozess innerhalb der Mannschaft gemerkt. Wir haben noch ein ganz großes Ziel vor Augen, das ist die EM - und da wollen wir auf jeden Fall besser abschneiden als 2016."

Was ist das konkreteste Ziel, das man sich für die EM gesetzt hat?

Foda: "Damals hatte man ja das Gefühl, Österreich könnte Europameister werden. Gerade im Erfolg macht man aber oft die meisten Fehler. Es ist wichtig, dass man ruhig bleibt, dass man gezielt weiterarbeitet. Die Niederlande sind der Topfavorit in der Gruppe. Aber wenn wir bereit sind, in jedem Spiel ans Limit zu gehen, können wir den zweiten Platz belegen - oder vielleicht sogar den ersten. Es geht auch um die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Du kannst mit vier Punkten Dritter werden und nicht ins Achtelfinale kommen. Wir müssen gierig und hungrig sein. So eine EM hat eine eigene Geschichte."

David Alaba spielt bei Bayern München mittlerweile fast ausschließlich Innenverteidiger. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Überlegungen mit ihm im Nationalteam?

Foda: "David kann auf mehreren Positionen spielen, das hat er bei mir auch getan. Er ist ein Spieler, der sehr intelligent ist, der Spiele gut lesen kann, der technisch versiert ist und auf engen Räumen agieren kann. Auf welcher Position er dann spielen wird, werde ich in Ruhe mit ihm besprechen, so wie wir das immer gehandhabt haben. Als Trainer ist es schön zu wissen, dass ein David Alaba auch Innenverteidiger spielen kann - wobei ich das schon vorher gewusst habe. Es ist für mich jetzt keine große Überraschung."

Wenn man sich den Kader ansieht, der Ihnen zur Verfügung steht, dann gibt es aber auch viele andere, sehr gute Innenverteidiger.

Foda: "Wobei sich der Nationaltrainer da schon auch Gedanken machen muss: Dragovic spielt im Moment gar nicht mehr, Posch unregelmäßig, Lienhart erst seit kurzem wieder. Die einzige Komponente, die immer spielt, ist Martin Hinteregger. Man muss sich schon überlegen, wie man das angeht. Aber ein Trainer ist dazu da, Lösungen zu finden."

Eine Lösung müssen Sie auch für Marko Arnautovic finden, der wegen der Ligapause in China derzeit gar nicht spielt. Wie viele Spiele braucht er, um für die EURO fit zu sein?

Foda: "Das ist auch ein Problem. Man benötigt Spiele, um in Wettbewerbsspielen auf Topniveau zu sein. Ich habe gerade wieder mit ihm gesprochen. Sie sind in Dubai und wissen nicht, wann die Meisterschaft startet. Nichtsdestotrotz: Marko ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Wir werden auch da Maßnahmen treffen und Lösungen finden, dass er fit sein wird. Klar, der Spielrhythmus fehlt. Aber er ist alt genug und erfahren genug, dass er solche Situationen eher kompensieren kann als ein jüngerer Spieler."

Am 2. Juni müssen Sie ihren endgültigen EM-Kader nominieren. Was wird für Sie dann eine zentralere Rolle spielen: die grundsätzliche Qualität der Spieler oder ihre aktuelle Form?

Foda: "Es gibt mehrere Faktoren. Es geht um aktuelle Leistung, um Qualität, es geht aber auch um Charakter, um Mentalität. Wenn man länger zusammen ist, ist es wichtig, dass die Mannschaft funktioniert, dass du Spieler auswählst, die zueinander passen, die miteinander harmonieren - Spieler mit starkem Charakter, die aber auch anderen etwas gönnen. Wir wissen, welche Gegner wir in der Gruppe haben, welches System wir spielen wollen. Dementsprechend werde ich den Kader auswählen."

Ein anderes Thema ist Ihre Vertragssituation. Es ist noch nicht geklärt, wie es nach der EM weitergeht. Viele im ÖFB, auch Sportdirektor Peter Schöttel, würden es begrüßen, wenn Klarheit herrschen würde. Wie stehen Sie selbst dazu?

Foda: "Wir haben schon Gespräche geführt und werden das intern abhandeln. Das war immer der richtige Weg, auch in schwierigen Situationen - etwa nach den ersten zwei Niederlagen in der Qualifikation. Da waren wir immer klar in unseren Analysen, haben immer in eine Richtung gedacht. Ich glaube, dass das auch jetzt der Fall ist. Wenn es dann etwas zu vermelden gibt, werden wir das tun. Fakt ist, dass wir es auf jeden Fall rechtzeitig tun werden."

Was ist rechtzeitig?

Foda: "Gespräche brauchen einfach ihre Zeit und auch, bis ein Vertrag fertiggestellt ist. Es wird definitiv vor der Europameisterschaft Klarheit herrschen - ob so oder so."

Warum hat es bisher noch keinen Abschluss gegeben?

Foda: "Wir haben viel zu tun gehabt. Nach der Winterpause waren wir pausenlos unterwegs. Wir haben Spieler beobachtet, das EM-Quartier und die Vorbereitung geplant und organisiert. Da haben wir sehr viel Zeit investieren müssen. Es gibt also keinen besonderen Grund. Es ist alles auf Schiene. Es gibt nichts, das nicht auf Schiene wäre - ich glaube, von beiden Seiten."

Eine WM-Teilnahme ist ungleich schwieriger als eine EM-Teilnahme. Wie groß ist der Reiz, den das auf Sie ausüben würde?

Foda: "Für mich ist alles eine Herausforderung, auch die Nations League. Wenn wir da vielleicht mal Erster werden sollten in der Gruppe, wäre das auch etwas Unglaubliches. Dann wären wir in Liga A bei den Topnationen. Genauso wäre die Weltmeisterschaft etwas Außergewöhnliches. Es ist noch keinem Trainer in Österreich gelungen, sich für EM und WM zu qualifizieren. Das wäre schon eine reizvolle Aufgabe für mich - mit dem Wissen, dass es viel, viel schwieriger wird. Man muss aber immer wieder Träume haben. Wenn man keine Träume hat, wird man sie sowieso nie erreichen."

Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?

Foda: "Du musst immer den Glauben haben, dass du noch etwas bewegen kannst. Ich glaube, dass unser Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Wir haben einmal einen großen Umbruch vollzogen nach den Abtritten (2017) und dann auch in der EM-Quali. Da hatten wir durch Verletzungsprobleme noch einen Umbruch im Umbruch. Wir haben es trotzdem geschafft. Ich bin megastolz, dass wir das erreicht haben. Ich bin aber immer noch hungrig und gerne Nationaltrainer."

Wegen des Coronavirus sind bereits zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt worden. Inwieweit spielt das in Ihren Vorbereitungen auf die EM eine Rolle?

Foda: "Wir planen ganz normal, wie wir das bisher auch getan haben. Wir halten uns an die Vorgaben der Behörden. In den Planungen gibt es keine großen Unterschiede. Klar, wir halten Augen und Ohren offen. Wir sind auch im ständigen Austausch mit den zuständigen Stellen. Sollte sich kurzfristig etwas ändern, werden wir den Empfehlungen nachkommen. Basishygiene ist aber ein wichtiger Punkt."

Wie bewerten Sie, wie die Öffentlichkeit und die Behörden bisher mit der Situation umgegangen sind?

Foda: "Es ist für mich schwer einzuschätzen, aber ich fühle mich in Österreich sehr sicher. Ich bin kein Mediziner, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Virus eindämmen können. Fakt ist, dass auch viele Menschen Grippe haben. Derzeit sterben mehr Menschen an der Grippe als am Coronavirus. Da gibt es allerdings eine Impfung. Klar darf man die Situation nicht unterschätzen. Aber man darf auch nicht den Fehler machen, in Panik zu verfallen. Ich glaube, dass wir hier in Österreich und in Europa sehr gut vorbereitet sind."

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