Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Fünf Millionen Euro mit Fußball-Wetten ergaunert

Das Match Austria Klagenfurt gegen Stadl-Paura war nicht das einzige, bei dem betrogen worden ist. Staatsanwaltschaft geht schon von mehr als fünf Millionen Euro Schaden aus. Derzeit vier Beschuldigte.

Die Austria-Spieler jubelten, für die Kicker von Stadl-Paura war das Match zum Vergessen - aus mehreren Gründen
© Gepa
Die Austria-Spieler jubelten, für die Kicker von Stadl-Paura war das Match zum Vergessen - aus mehreren Gründen
Jochen Habich
Redakteur Kärnten-Ressort

Es war ein warmer Sommerabend, als die Austria Klagenfurt am 28. August 2020 Stadl-Paura mit 7:1 aus dem Wörthersee Stadion schoss. Doch schon einen Monat nach dem Match und einer anonymen Anzeige sind Gewitterwolken aufgezogen. Die Staatsanwaltschaft (StA) Klagenfurt begann zu ermitteln. Wegen Verdachts des schweren Betrugs gegen drei Personen aus dem (damaligen) Umfeld des oberösterreichischen Regionalligisten. Und die Wolken werden dunkler und dichter.

Wie es aussieht, war das Spiel gegen Klagenfurt nicht das einzige mit ungutem Beigeschmack. Darauf deutet die von der Staatsanwaltschaft angenommene Schadenssumme von mehr als fünf Millionen (!) Euro. Das soll aus Kontenöffnungen und -bewegungen sowie aus Gutachten von Wettbetrugsexperten hervorgehen. Die Ermittlungen wurden ausgeweitet, mittlerweile besteht außerdem der Verdacht auf Geldwäsche und der Geldfälschung. Ermittelt wird jetzt gegen vier namentlich bekannte Personen und gegen unbekannte Täter.

Mehr als ein Dutzend Spiele?

Nicht nur die Schadenssumme dürfte "explodiert" sein, sondern auch die Anzahl der betroffenen Matches. Gerüchten zufolge soll mehr als ein Dutzend Spiele in der Regionalliga manipuliert worden sein. Zahlen, die Markus Kitz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, derzeit nicht bestätigen kann. Aber: "Es gab zumindest bei einem weiteren Spiel offenbar Unregelmäßigkeiten", sagt Kitz. An diesem war, wie bei den meisten anderen, Stadl-Paura beteiligt.

Mehr zum Thema

Die StA Klagenfurt trat den Fall an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ab, doch von dort kam er wieder retour. "Also werden wir weiter ermitteln", sagt Kitz. Wie lange, sei unklar, so der Behördensprecher. Man sei eher am Beginn dieses Falles. Tatsache ist: "Nur" mit zwei manipulierten Spielen lässt sich eine Schadenssumme von mehr als fünf Millionen Euro nicht erklären.

Drei Tore binnen zehn Minuten

Begonnen hat der Betrugsskandal – zumindest für Öffentlichkeit und Ermittler – einen Monat nach dem Spiel mit einer anonymen Anzeige. Vorwurf: Stadl-Paura hätte nicht zufällig so viele Tore – auch nicht in so kurzer Zeit – bekommen. Tatsächlich fielen drei der sieben Tore gegen die Oberösterreicher in den letzten zehn Spielminuten. Ein Beschuldigter, damals Mitglied im Stadl-Paura-Vorstand, soll Spieler zu schlechten Leistungen angestiftet haben.

Dessen Obmann Hans Stöttinger hat nach Bekanntwerden der Ermittlungen jede Schuld von sich gewiesen. "Der Funktionär hat beteuert, dass es von unserem damaligen koreanischen Sponsor ausgegangen ist. Der Verein ist absolut schuldlos." Er, Stöttinger, habe den besagten Funktionär abgesetzt, nachdem die Staatsanwaltschaft ihn informiert hat.

Die Austria Klagenfurt hatte mit möglichen Unregelmäßigkeiten nichts zu tun. Sie war – ohne ihr Wissen – Opfer und Statist in einem abgekarteten Spiel.

Enorme Einsätze in Asien

Besonders in Asien hat das Match Stadl-Paura gegen Austria Klagenfurt besondere Aufmerksamkeit hervorgerufen. Laut Ralf Koschel, Gründer und Produktentwickler der Firma "Asianmonitor", habe es  bei diesem Spiel im asiatischen Raum auffallend hohe Wetteinsätze darauf gegeben hat, dass insgesamt mehr als fünf Tore erzielt werden. Die Software von "Asianmonitor" überwacht und analysiert für die Kunden – darunter beinahe alle führenden heimischen Wettanbieter – den asiatischen Wettmarkt, und ist Spezialist für Frühwarnsysteme gegen Wettmanipulation.

Laut Insidern dürfte das Zehnfache gesetzt worden sein, als bei solchen Cupspielen üblich. Insgesamt könnten rund 300.000 Euro nur auf das Cup-Match gewettet worden sein.

Es gilt die Unschuldsvermutung.