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Die Hoffnung der Literaten: „Kampfgeist“ oder gleich den Titel

Valerie Fritsch und Franzobel schreiben auch bei dieser Euro für die Kleine Zeitung. Das meinen die beiden Spitzenliteraten vor dem Anpfiff zum Fußball-Großereignis.

Valerie Fritsch und Franzobel sind auch bei dieser Euro für die Kleine Zeitung im Fußball-Einsatz
© Montage/KLZ
Valerie Fritsch und Franzobel sind auch bei dieser Euro für die Kleine Zeitung im Fußball-Einsatz
Michael Schuen
Ressortleiter Sport

1Hand aufs Herz: Freuen Sie sich auf die Euro?

Valerie Fritsch: Ich bin bereit, mich spontan begeistern zu lassen, wenn es dann so weit ist.

Franzobel: Und ob! Ich liebe solche Turniere.

Zur Person

Franzobel, eigentlich
Franz Stefan Griebl, geboren 1967 in Vöcklabruck.

Beruf: Schriftsteller,
Dramatiker, Kolumnist.

Auszeichnungen: u. a.
Bachmann-Preis 1995,
Schnitzler-Preis 2002.

Aktuelles Werk: „Einwürfe – die besten Sportkolumnen“.
Ritter Verlag, 208 Seiten,
23 Euro.

2 Wie werden Sie die Euro denn verfolgen?

Valerie Fritsch: Ich werde tatsächlich einen Großteil der Zeit mit dem Auto durch die Landschaften Sambias und Simbabwes fahren und herausfinden, ob sich der europäische Fußball auch in Afrika finden lässt.

Franzobel: Ich bin gerade in Deutschland und hoffe noch die eine oder andere Karte zu ergattern. Sonst in Biergärten, beim Spanier, Italiener, Türken . . .

Zur Person

Valerie Fritsch, geboren 1989 in Graz.

Beruf: Schriftstellerin, Fotokünstlerin.

Auszeihnungen: u. a.
Brüder-Grimm-Preis 2020, Peter-Rosegger-Literaturpreis 2015.

Aktuelles Werk: „Zitronen“.
Suhrkamp Verlag,
186 Seiten, 24 Euro.

3 Die Lieblingsfrage: Was erwarten Sie sich von den Österreichern?

Valerie Fritsch: Kampfgeist, der den großen Hoffnungen verpflichtet ist.

Franzobel: Den Titel. Aber wenn sie gut spielen, bin ich auch mit dem Halbfinale zufrieden.

4 Über den Fußball hinaus: Kann die EM in Deutschland ein ähnliches „Sommermärchen“ werden wie die WM 2006 samt folgendem Aufschwung?

Valerie Fritsch: Das lässt sich nicht voraussagen.

Franzobel: Regelmäßige Zugverspätungen, Warteschlangen auf den Flughäfen, verstopfte Autobahnen, eine überbordende Bürokratie, vieles liegt im Argen ... Das Land würde tatsächlich einen positiven Kickstart benötigen.

5 Turnierdirektor Philipp Lahm erhofft sich „Zusammenrücken, Einigkeit, Stärkung der Demokratie“. Realistisch?

Valerie Fritsch: IIch denke, man sollte es nicht übertreiben mit der Erwartungen. Aber in Zeiten wie diesen zwischen Kriegsbildern und globale Schreckensszenarien kann man gemeinsame Begeisterung und Freude gewiss brauchen.

Franzobel: Überhaupt nicht. Oft folgt auf einen großen Titel der wirtschaftliche Niedergang, und dann wird irgendwann noch Korrupion aufgedeckt, folgt die postkoitale Depression

6 Die logische Frage: Wer wird Europameister? Und wem schauen Sie besonders gerne zu?

Valerie Fritsch: Ich tippe spontan auf die Spanier, aber schaue gerne den Portugiesen zu.

Franzobel: Frankreich, weil sie die stärksten Spieler haben. Und den Deutschen schaue ich gerne zu. Ich mag sie, aber ein bisschen freut es mich noch immer, wenn sie verlieren.

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