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Eishockey

Kapfenberg Steelers: "Es funktioniert nichts"

Vor dem ersten Play-off-Heimspiel der INL gegen Feldkirch, heute Dienstag (19 Uhr), lässt Trainer Stefan Mikes tiefe Einblicke in das Vereinsleben bei Zweitligaklub Kapfenberg Steelers zu.

Stefan Mikes leidet unter der Situation in Kapfenberg
© Gepa
 

Stefan Mikes hat einen dauerhaft grimmigen Blick. Er schaut aus wie einer, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Er bezeichnet sich selbst auch als „harter Trainer“. Bis zum Ende des Interviews soll aber auch er seine weiche Seite zeigen. "Bitte versuchen Sie, diplomatisch zu formulieren", sagt der 49-jährige Slowake und blickt fast treuherzig. "Wir haben wenige, aber gute Fans. Sie haben es sich verdient." Versprochen. Aber an der Wucht seiner Worte wird das wenig ändern.

Wie zufrieden sind Sie bis heute mit der Entwicklung der Mannschaft?
STEFAN MIKES: Die Mannschaft war zu Beginn sehr jung, vielleicht zu jung. Wir hatten keinen Mittelbau von 23- bis 28-Jährigen. Da waren nur die beiden Winzig-Brüder und Markus Pirmann, die schon auf höherem Niveau gespielt haben. Auch ich kannte die Liga nicht. Ich habe Experten gefragt, wie sie unser Team einschätzen. Sie haben gesagt, mit dieser Truppe seid ihr chancenlos gegen die Top-Teams. Unsere Klubführung hatte trotzdem unrealistisch hohe Ziele.

Und Sie selbst?
MIKES: Ich bin sehr zufrieden. Es ist unglaublich, wie sich einige Spieler in diesen wenigen Monaten entwickelt haben, läuferisch, technisch, bei den taktischen Fähigkeiten. Wenn ich sie mir im Sommer und jetzt anschaue, sind das andere Spieler geworden. Für das erste Jahr eines Vereines ist das sehr positiv, sehr erfolgreich. Das Wichtigste für mich ist die Perspektive: Wo stehen diese Spieler in zwei Jahren? Wo in fünf? Das hat mich an der Aufgabe in Kapfenberg gereizt. Ich mag es, etwas Neues aufzubauen. Bei dieser Aufgabe musste ich im Vorjahr nicht lange überlegen. Ich habe zugesagt, obwohl ich viele Angebote hatte und Kapfenberg das finanziell schlechteste war. Aber Geld ist mir nicht so wichtig wie Perspektive. Dass vieles gelogen war, habe ich nicht gewusst.

Welche Perspektiven hat das Team?
MIKES: Ich sehe viele, die das Zeug für die Bundesliga haben. In erster Linie sind es unsere Jungen, die es schaffen können. Daniel Natter zum Beispiel hatte eine unglaubliche Entwicklung bei uns. Er ist jede Woche besser geworden. Seine Entscheidung, wieder zu den Graz 99ers zurückzugehen, war zu 100 Prozent falsch! Jetzt sitzt er wieder auf der Bank, spielt seit zwei Monaten nicht. Die Entwicklung bei euch in Österreich ist völlig falsch. Die Jungen sitzen in den vierten Linien und bekommen kaum Eiszeit. Auch Pirmann jetzt in Linz. Das sind von der Typologie her echte Scorer-Typen, die gehören in keine vierte Linie, sie müssen erste und zweite Linie spielen. Dass wir mit Natter und Pirmann zwei Spieler wieder in die EBEL gebracht haben, zeigt übrigens, dass wir nicht so schlecht arbeiten. Aber ich bin nicht hier, um zu sagen, was ihr in Österreich alles falsch macht. Pirmanns Entscheidung war schon richtig, es ist ein super Kerl, hat perfekt gearbeitet und mit den Winzigs unser Spiel getragen. Diese Leistungsträger haben sich toll entwickelt. Die Kabine funktioniert, die Winzigs und Pirmann waren mit Vollgas bei jedem Training. Sie sind echte Vorbilder für die Jungen.

Wer von den Jungen hat Perspektiven?
MIKES: Eine tolle Entwicklung machen etwa Adrian Stühlinger und Stefan Trost. Wenn sie es nicht in die EBEL schaffen, sind sie selber schuld oder zu faul. Auch Lucas Loibnegger oder Filip Orsagh haben Potenzial. Wenn sie so weitertrainieren, können sie es schaffen.

Die Klubführung hat hochklassige Legionäre angepriesen. Tatsächlich waren sie zu Beginn aber viel zu schwach, oder?
MIKES: Ja, die Legionäre waren zu schwach. Deshalb haben wir Miroslav Jachym und Matyas Hlozek wieder nach Hause geschickt. Ondrej Zosiak und Lukas Finsterle sind jetzt schon andere Kaliber. Und bei Richard Sabol und Jan Polata kann man sehr zufrieden sein. In Relation zum Geld, das sie kriegen, sind sie sogar super. (Lacht) Wie jeder bei uns.

Polata ist als Verteidiger mit 1,67 Meter fast schon Publikumsliebling. . .
MIKES: Er ist eisläuferisch und technisch stark. Kleine Spieler sind wichtig, weil sie automatisch von den Schiedsrichtern etwas geschützt werden. Beim Ellbogen des Stürmers ist Polatas Kopf. Foul – und schon wieder Powerplay für uns.

Stichwort Powerplay. Kapfenberg ist das beste Powerplay-Team der Liga. Wie kommt es zu diesem überraschendem Spitzenwert, besser als alle Topklubs?
MIKES: Unsere Jungs passen typologisch perfekt zusammen. Mit Philipp Winzig haben wir den Organisator, den Leader, er entscheidet auf dem Eis. Dazu kamen dann Polata, Pirmann und Titze oder Diethard Winzig. Dass unser Powerplay so gut funktioniert, war auch eine der erfreulichen Entwicklungen in dieser Saison.

Im Training soll es zu Beginn wenig zu lachen gegeben haben. Stimmt das?
MIKES: Wir haben das Training ab der ersten Einheit mit Vollgas durchgezogen und drei Mal am Tag trainiert. Ja, da waren auch Strafläufe dabei. Die ersten zwei Wochen waren wirklich hart und viele Spieler haben damit Probleme gehabt.

Sind Sie so ein harter Knochen?
MIKES (lächelt kurz): Ich bin hart. Ich lache wenig. Ich bin überzeugt von harter Arbeit und eiserner Disziplin als Garanten für Erfolg. Es gibt im Eishockey keine Wunder und Zauberei, ich bin nicht Copperfield. Alle, die hart gearbeitet haben, haben es nach oben geschafft. Wayne Gretzky war täglich fünf Stunden am Eis, hatte hinter dem Haus noch eine Eisfläche und spielte jedes Wochenende zwei Mal. Ich habe viel gesehen. In Russland trainieren die Jungen nach dem Saisonende noch zwei Monate auf Eis weiter. Jedes Jahr. Nach vier Jahren haben sie so schon eine Saison mehr in den Beinen als die Jungen in anderen Ländern.

Unvermeidbar müssen wir auch über die Riesenprobleme der Steelers bei den Finanzen sprechen. Inwiefern beeinträchtigt das Ihre Arbeit als Trainer?
MIKES: Es funktioniert nichts bei diesem Verein. Es ist ein Wunder, dass die Mannschaft noch funktioniert. Ich verstehe jeden, der davongegangen ist, als kein Geld mehr gezahlt wurde. Auch Co-Trainer Robert Slavik, er wollte sich nicht mehr für dumm verkaufen lassen. Ich verstehe das. Einer junger Spieler ging weg, weil auch seine Mutter für die Benzinkosten nicht mehr aufkommen konnte oder wollte.

Bekommen Sie Ihr Gehalt?
MIKES: Nein.

Warum sind Sie noch da?
MIKES: Ich fühle mich gut mit der Mannschaft. Wir ziehen das durch.

Was sind die Probleme?
MIKES: Vom Vorstand redet keiner mit mir. Ich kriege nur SMS. Wo gibt es denn sowas? Das ist mir schon im August aufgefallen. Da sind Dinge passiert! Ich habe zu Robert (Anm: Co-Trainer) gesagt, ich schreibe jeden Tag 30 Minuten mit und mache ein Buch daraus. Das wird sicher ein Bestseller.

Bitte um erste Kostproben...?
MIKES: Wir haben, wie gesagt, drei Mal am Tag trainiert. Dazwischen haben sich die Spieler aber nicht zu Hause ausgeruht, sondern waren auf der Liegewiese nebenan im Freibad. Erst nach zwei Wochen habe ich erfahren, dass sie vom Verein noch keine Wohnungen haben. Dann kamen keine Möbel. Der Tormann hatte kein Bett und deswegen ständig Rückenschmerzen. Jetzt bekommen sie Vorladungen, weil die Mieten nicht bezahlt sind. Ich bekam trotz Nachfragen keinen Schreibtisch, also haben wir selbst etwas abmontiert. Schon im September haben wir tolle Winterjacken bestellt. Leider sind sie immer noch nicht da. Beim Training gab es keine Sportgetränke, im Bus kein Mineralwasser. Jetzt haben wir fast keine Schläger mehr. Vom Gehalt haben wir bis Weihnachten etwa die Hälfte bekommen, dann wurde es richtig schlimm. Wir werden nur vertröstet und angelogen. Es ist unglaublich.

Glauben Sie an die Zukunft der Kapfenberg Steelers?
MIKES: Vielleicht habe ich schlechte Stimmung, aber ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels.

Hätten Sie einem Boykott des Play-offs zugestimmt?
MIKES: Ich wollte immer spielen, weil wir Charakter haben. Aber wenn die Mannschaft nicht spielt, hätte es sich der Vorstand verdient. Niemand soll den Fehler bei den Jungs suchen.

Die Chancen gegen Feldkirch?
MIKES: Wir haben unsere Möglichkeiten. In dieser Truppe steckt viel mentale Kraft. Genau das, was man im Play-off braucht.

CHRISTOPH HEIGL

ZUR PERSON

Stefan Mikes, geboren am 28. März 1965 in der Slowakei

Stationen: u. a. Grizzly Adams Wolfsburg (GER, Aufstieg von der 3. in die 1. Liga), Dresdner Eislöwen, U20-Nationalteam Slowakei, Slovan Bratislava, KH Sanok (Polen)



Kommentare (3)

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Hat dieser Verein überhaupt einen Vorstand???

Traurig und sehr schmutzig was da scheinbar abgegangen ist. Solch Leute wie dieser nicht „Vor sondern Zustand“ sollten sofort die Bühne verlassen! Es gibt auch nur Gründungsmitglieder und scheinbar keinen Vorstand (lt.Vereinsregister) Unglaublich!!!!!!!!! Wo ist die Finanz und prüft diesen Verein? Hallllllloooooooo!!!!!!!

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sjhlz5z251vfajwh4sfaliu9mm81uprx
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aufpassen!
ist wieder so einer aus dem osten! der hat noch die Methoden von damals drauf - liest man ja auch!
so an typen hatten wir beim kac heuer - sloutkal, und der hat alles kaputt gemacht!
ich glaube ihm nicht alles was der im interviewe sagt!

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vondaweitnschauizua
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super interview, etwas traurig aber auch lustig. der author hat anscheinend die grammatikalischen versprecher drinnen gelassen, fand ich gut. hoffentlich bekommt der trainer und die spieler das geld das ihnen zusteht.

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