Nach Moscheen-SchließungMachtkampf bei IGGÖ ausgebrochen

Vizepräsident der IGGÖ gibt Präsident Schuld an Moscheenschließungen. Er habe mit einer Anzeige beim Kultusamt den Stein zum Rollen gebracht.

IGGÖ-Präsident Olgun intern unter Beschuss
IGGÖ-Präsident Olgun intern unter Beschuss © APA/AFP/ALEX HALADA
 

Das Vorgehen der Regierung gegen Moscheen und Imame hat in der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) einen offenen Machtkampf ausgelöst. IGGÖ-Vizepräsident Abdi Tasdögen warf Präsident Ibrahim Olgun in einer Stellungnahme vor, die Schließungen von Moscheen initiiert zu haben und forderte Olguns Rücktritt.

Zwei verschiedene türkische Fraktionen

Tasdögen und Olgun gehören jeweils einer anderen türkischen Fraktion innerhalb der IGGÖ an. Olgun gehört zur ATIB-Fraktion. Dieser türkische Moscheenverband genießt derzeit die Vormachtstellung in der Islamischen Glaubensgemeinschaft und gilt als verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet sowie der AKP-Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Tasdögen wiederum soll dem früheren IGGÖ-Präsidenten Fuat Sanac nahe stehen, dem eine Nähe zu den türkischen Nationalisten von Milli Görüs nachgesagt wird. Die Bewegung Milli Görüs ("Nationale Sicht") geht auf den 2011 verstorbenen türkischen Politiker Necmettin Erbakan zurück und ist in Deutschland der größte staatsunabhängige sunnitische Verband.

Schließung initiiert?

Tasdögen hat Olgun immer wieder öffentlich kritisiert, so auch am Montag. In einer schriftlichen Stellungnahme wirft er Olgun vor, die Moscheen-Schließungen mit einer Anzeige beim Kultusamt veranlasst zu haben. Der Weg dorthin sei mit Präsident Olgun und der Regierung abgesprochen gewesen, "die Auflösung der Arabischen Kultusgemeinde sogar bezweckt. Insbesondere ist davon auszugehen, dass erst die Anträge des Präsidenten den Stein zum Rollen gebracht haben", so Tasdögen. Der Oberste Rat der IGGÖ sei in dieser Angelegenheit vom Präsidenten über Monate hin nicht informiert gewesen. In der Sitzung des Obersten Rates am Wochenende sei der Präsident von mehreren Rat-Mitgliedern sowohl schriftlich als auch mündlich aufgefordert, den vom Kultusamt erwähnten Schriftverkehr offenzulegen. "Präsident Olgun verweigerte jegliche Akteneinsicht."

Fragen ausgewichen

Die Arabische Kultusgemeinde, die dem Präsidenten kritisch gegenüber steht, sei aufgelöst und ihre Moscheen geschlossen worden. Tasdögen vermutet, dass Schließungen weiterer Kultusgemeinden folgen könnten. Gleichzeitig sei eine neue Gemeinde, die Olgun nahestehen soll, gegründet worden. Fragen dazu sei der Präsident ausgewichen und habe die Sitzung unterbrochen, so dass weder die Presseaussendung noch der darin bekannt gegebene Drei-Punkte-Plan im Obersten Rat beschlossen worden seien.

"Aufgrund der oben genannten satzungswidrigen Handlungen des Präsidenten, haben Mitglieder des Obersten Rates ihn aufgefordert, vom Amt zurückzutreten und mitgeteilt, den Fall dem Schurarat der IGGÖ zu übertragen", erklärte Tasdögen.

Kommentare (3)

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UHBP
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.. wirft er Olgun vor, die Moscheen-Schließungen mit einer Anzeige beim Kultusamt veranlasst zu haben

Das heißt aber, dass unsere Regierung Olgun (ATIP - verlängerter Arm ... des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan) bei seinen Vorhaben unterstützt.

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Planck
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Die Dringlichkeit, mit der

die Regierungsrepräsentanten reagiert haben (Pressekonferenz um 8 Uhr früh, völliges Abschießen des urwichtigen Anliegens des Autobahnmeisters, die Sommerzeit betreffend, das eigentlich die Debatte verlagern sollte) in Zusammenhang damit, was jetzt an Indizien aufgetaucht ist, deutet schwerstens darauf hin, dass der Messias voller Inbrunst in eine Falle getappt ist *gg*

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selbstdenkerX
2
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Erdogans fünfte Kolonne

Aha, da werden mit dem Feigenblatt "Islamische Glaubensgemeinschaft" / Religionsfreiheit offensichtlich türkische Interessen in (und vor allem gegen) Österreich vertreten.
Mögen doch die beiden türkischen "Fraktionen" weiterhin fest streiten, vielleicht erfährt man über diese "IGGÖ" und ihre wahren Ziele noch ein bißchen mehr.
Und danke an die Redaktion für diesen informativen Artikel.
Sehr aufschlußreich!

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