Retten, was zu retten ist Jetzt steigt Merkel für Laschet in den Ring

Die gemeinsamen Auftritte seien "für Spätentscheider nochmal ein wichtiges Zeichen", sagt der Parteienforscher Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Angela Merkel und ihr bislang eher glückloser Nachfolger
Angela Merkel und ihr bislang eher glückloser Nachfolger © (c) AFP (JOHN MACDOUGALL)
 

Kein Gegner hat es je geschafft, sie in Bundestagswahlen zu bezwingen. Vier Wahlen, vier Siege für Angela Merkel. Die Wahlkampf-Maschinerie der Merkel-CDU ließ gegnerische Angriffe ins Leere laufen und ihre Herausforderer verzweifeln. Lange - manche in der CDU seufzen: zu lange - hat sich Merkel weitgehend aus dem aktuellen Wahlkampf herausgehalten. Angesichts des drohenden Machtverlusts steigt die Kanzlerin nun in den Ring für den angeschlagenen Kandidaten Armin Laschet.

Die Devise: Retten, was zu retten ist. Merkel und die CDU - das war zuletzt auch die Geschichte einer langsamen Entfremdung. Seit ihrem Rücktritt vom Parteivorsitz 2018 hielt sich die Kanzlerin sehr damit zurück, ihre nach wie vor bestehende Popularität in den Dienst ihrer Partei zu stellen. Kaum Wahlkampfauftritte, wenig offene Unterstützung für ihre glücklosen Nachfolger Annegret Kramp-Karrenbauer und Laschet. Am Dienstag nun tritt Merkel mit Laschet in ihrem Wahlkreis in Stralsund auf. Es folgen gemeinsame Veranstaltungen am Freitag in München und am Samstag in Aachen.

Die gemeinsamen Auftritte seien "für Spätentscheider nochmal ein wichtiges Zeichen", sagt der Parteienforscher Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg der Nachrichtenagentur AFP. Korte glaubt, dass Laschet vom Wahlkampf-Engagement der Kanzlerin profitiert. "Das war bei Wahlen in den vergangenen Jahren erkennbar: Jeder, der sich am dichtesten hinter Merkel gestellt hat, konnte davon profitieren." Voraussetzung sei aber, dass Merkel in ihrer Rede in Stralsund "herausarbeitet, warum Laschet absolut ideal ist aus ihrer Sicht".

Kann der bisher eher glanzlose Kandidat Laschet also hoffen, dass etwas vom Glanz der populären Kanzlerin auf ihn abfällt? Politikprofessor Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin sieht dabei das Risiko, dass Merkel ihn im Direktvergleich überstrahlen könnte. "Merkel ist immer noch die beliebteste Politikerin", sagt Niedermayer. "In gemeinsamen Auftritten mit Laschet kann das ein Problem sein. Es kann passieren, dass das nach hinten losgeht, weil die Leute darauf gestoßen werden, dass Merkel halt doch geeigneter wäre als Laschet."

Die Wahlkampfplaner in der CDU-Zentrale sind freilich überzeugt, dass Merkels Auftritte dem strauchelnden Kanzlerkandidaten helfen werden. Sie wären durchaus noch bereit gewesen, weitere Veranstaltungen mit ihr anzusetzen, heißt es aus Parteikreisen.

Die Erleichterung in den Reihen der CDU war jedenfalls riesengroß, als die Kanzlerin kürzlich im Bundestagsplenum ihre Zurückhaltung aufgab und einen flammenden Appell zugunsten Laschets abgab. "Merkel on fire", hieß es damals erfreut aus der CDU-Führung - in etwa: "Merkel ist Feuer und Flamme".

Bleibt freilich das Problem, dass Merkel ihr Feuer erst sehr spät entzündet hat. Parteienforscher Korte ist überzeugt, dass es Laschet geholfen hätte, wenn sich die Kanzlerin früher für ihn ins Zeug gelegt hätte. "Merkel wirkte über lange Strecken resigniert", sagt der Professor. "Sie ist jetzt sehr spät von einer eher resignativen Phase in eine aktive Phase gewechselt."

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!