Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

10. Todesstag Bin LadensInternationaler Truppenabzug aus Afghanistan begonnen

Am 2. Mai jährt sich der Todestag Osama bin Ladens zum zehnten Mal - zugleich begann nun nach 20 Jahren offiziell der Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. Der Abzug ist begleitet von Gewalt in mehreren Provinzen des Landes.

10. Todestag Bin Ladens
10. Todestag Bin Ladens © AFP
 

Begleitet von Gewalt hat nach einem fast 20 Jahre langen Einsatz der offizielle Abzug internationaler Truppen aus Afghanistan begonnen. Er fällt zusammen mit dem 10. Todestag Osama bin Ladens, des Terrorchefs, der für die Anschläge am 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird. Diese waren Auslöser der US-Offensive in Afghanistan.

Aus mehreren Provinzen des Landes wurden Zwischenfälle und Gefechte gemeldet, denen afghanische Zivilisten oder Sicherheitskräfte zum Opfer fielen. Die rund 10.000 NATO-Soldaten der Ausbildungsmission "Resolute Support", darunter 2.500 Soldaten aus den USA und rund 1.100 aus Deutschland, werden bis spätestens September das Land verlassen.

Faktisch hatte der Abzug nach NATO-Angaben und der deutschen Bundeswehr bereits davor begonnen. Schon seit Wochen wird Material aus dem Land gebracht. Von der NATO hieß es, da die Sicherheit der Truppen höchste Priorität habe, würden keine Details zu der Operation mitgeteilt, etwa Truppenzahlen oder Zeitpläne für einzelne Staaten. Zuletzt waren 36 NATO-Staaten und Partnerländer an dem Einsatz beteiligt.

Diese Woche fand in Kundus im Norden des Landes eine symbolische Schlüsselübergabe durch deutsche Soldaten statt. Der von der deutschen Bundeswehr genutzte Teil des Camp Pamir in Kundus sei in die Hände der afghanischen Partner übergegangen, twitterte das deutsche Verteidigungsministerium. Man verlasse Kundus mit Stolz und habe den Auftrag beim 217. Korps der afghanischen Armee erfüllt, hieß es weiter.

Die Tötung Bin Ladens

Der Schießbefehl zur Tötung Bin Ladens von 2011, ausgeführt vermutlich von einem Navy Seal namens Robert O'Neill, ist bis heute umstritten. Die US-Kräfte gingen in ein fremdes Land und töteten einen Mann - ohne jegliche gerichtliche Fundierung. Politiker begrüßten den Schritt damals, Menschenrechtlern war weniger wohl.

Die US-Armee bestattete die Leiche Bin Ladens schließlich auf hoher See, um keinen Pilgerort für seine Anhänger zu schaffen.

Durch die Tötung Bin Ladens gelang es den Amerikanern zwar Al-Kaida in Motivation und Struktur entscheidend zu schwächen. Das von den USA mitausgelöste Chaos im Irak, das Ungleichgewicht in Nahost und auch die undurchsichtige Situation in Afghanistan und Pakistan haben dem Terror jedoch geholfen.

Im Irak konnte der "Islamische Staat" (IS) entstehen - brutaler, entschlossener, menschenfeindlicher noch als Bin Ladens Al-Kaida.

Militärstrategen rechnen mit zusätzlichen Gefahren durch mögliche Angriffe der militant-islamistischen Taliban auch auf Soldaten des Bündnisses. Die US-Armee hält schwere Waffen bereit. Für Deutschland soll das Kommando Spezialkräfte (KSK) den Abzug absichern. Jegliche Taliban-Angriffe während des Rückzugs wolle man mit einer "entschiedenen Reaktion" beantworten, hieß es von der NATO.

Die Taliban erklärten am Samstag, sie hielten sich eine Reaktion auf den verspäteten Abzug offen. Da der Abzug der ausländischer Streitkräfte nicht wie im USA-Taliban-Abkommen zum 1. Mai abgeschlossen worden sei, habe dieser "Verstoß" ihnen "im Prinzip den Weg geebnet, jegliche Gegenmaßnahme" gegen die internationalen Truppen zu ergreifen, die man für angemessen halte, postete der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Samstag auf Twitter. Man warte auf eine Entscheidung der Taliban-Führung diesbezüglich.

Die US-Regierung und die Taliban hatten im Vorjahr noch unter Ex-Präsident Donald Trump im Golfemirat Katar ein Abkommen unterzeichnet und einen Abzug aller US- und NATO-Truppen bis 1. Mai vereinbart. Allerdings hat der neue US-Präsident Joe Biden den Abzug verschoben - dieser soll nun bis spätestens 11. September abgeschlossen sein. Dafür setzte Biden den offiziellen Beginn des endgültigen Truppenabzugs auf den 1. Mai. Unmittelbar nach den USA hatte die NATO verkündet, das Bündnis werde den Einsatz vollständig beenden.

Viele in Sorge

Von afghanischen Bürgern wird der Abzug mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Lokale Medien berichteten von Menschen, die sich darüber freuten und einen neuen Unabhängigkeitstag feiern wollen, wenn der letzte Soldat das Land verlassen hat. Bei anderen löst der Abzug blanke Angst aus. Vor allem finanziell gut situierte und liberale Afghanen wollen das Land verlassen. Sie befürchten eine Rückkehr des repressiven Regimes der Taliban oder einen neuen Bürgerkrieg.

"Indirektes Feuer"

Ein Sprecher des US-Militärs twitterte, der Flugplatz Kandahar sei am Nachmittag (Ortszeit) mit "ineffektivem indirektem Feuer" beschossen worden. Dabei sei niemand verletzt worden und es habe auch keine Schäden gegeben. Mörsergranaten etwa zählen als indirektes Feuer. Bisher bekannte sich niemand dazu.

Afghanische Soldaten haben zu Beginn des Abzugs der internationalen Truppen von Unruhe innerhalb der eigenen Reihen berichtet. Man habe "kein sonderlich gutes Gefühl", sagte ein Soldat in Kabul. Lediglich die Spezialkräfte seien wirklich in der Lage, das Land zu verteidigen. Man habe bis zuletzt nicht geglaubt, dass die USA wirklich abzögen. Man wisse aber, man müsse für das Land kämpfen - "sei es jetzt mit oder ohne Amerikaner", sagte der Soldat. Er habe zudem Sorge, dass nun Munitions- und Waffenbestände der Armee zunehmend "verschwinden". Manche Kameraden würden sich offenbar schon auf einen Bürgerkrieg vorbereiten.

Der Nationale Sicherheitsberater Hamdullah Mohib sagte, der Abzug sei kein Grund zur Sorge, denn man sei "nicht mehr sehr" abhängig von den internationalen Truppen gewesen. Die afghanischen Sicherheitskräfte würden 96 Prozent der Operationen unabhängig durchführen, und es gebe ja Zusagen, dass die Sicherheitskräfte weiter finanziell unterstützt würden.

 

Kommentare (3)
Kommentieren
GordonKelz
1
8
Lesenswert?

Dann ist dort auch wieder gänzlich freie....

...Bahn für Terror, der ohnehin nie aufgehört hat! Die armen Menschen und besonders
Mädchen und Frauen, deren ohnehin nicht vorhandenen Rechte extra pulverisiert werden....keine Schule...damit sie niemals den versteinerten Männerköpfen überlegen werden!
Gordon

georgXV
0
4
Lesenswert?

???

und noch viel schlimmer:
tausende Soldaten ausländischer Armeen, die im wesentlichen für die Sicherheit Afghanistans sorgen sollten, haben dort ihr Leben gelassen.
Für was ?
Und die Milliarden $ und €, die diese Mission bis jetzt gekostet hat.
Für wen ?
Damit in wenigen Monaten wieder die Taliban den Staat regieren ...

cremesso
0
0
Lesenswert?

Afghanistan - Österreich

Zieht auch Österreich sein Kontingent an Militär ab ?