Die Auswirkungen von Corona fallen in fast jedem Land anders aus, dazu kommen noch grobe Unschärfen in der Statistik – wie viel wurde wo getestet, welche Fallzahlen gibt es, wie werden Todesfolgen berechnet usw. Auch die geografische Situation spielt eine wichtige Rolle. 44 Staaten in der europäischen Region seien mit teilweisen oder vollständigen Bewegungsbeschränkungen gegen die Pandemie vorgegangen, sagte der Direktor des WHO-Regionalbüros Europa, Hans Kluge, am Donnerstag. 21 davon hätten mittlerweile begonnen, einige diese Maßnahmen in unterschiedlichem Maße wieder zu lockern. Elf weitere planten dies in den kommenden Tagen. Zurücklehnen dürfe man sich im Kampf gegen die Covid-19-Erkrankung aber nicht, warnte Kluge. Hier der Versuch eines Überblicks:

Frankreich

    Das Land gehört zu jenen, die am stärksten betroffen sind. Nach Angaben von Frankreichs Premierminister Edouard Philippe soll es in Geschäften ab dem 11. Mai keine Maskenpflicht geben. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird dagegen zumindest das Tragen einer Stoffmaske vorgeschrieben. Zudem soll die Zahl der Corona-Tests deutlich ausgeweitet werden und eine Handy-App mit dem Namen "StopCovid" kommen. Restaurants sowie Hotels und Strände bleiben noch bis mindestens Anfang Juni geschlossen. Selbst die Reisefreiheit innerhalb des Landes ist für sie Sommermonate noch unklar.

    Deutschland

      Beschränkungen werden mindestens um eine Woche bis zum 10. Mai verlängert. Bis dahin solle das "wesentliche Paket" in Kraft bleiben, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). Über weitere Öffnungsschritte wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten erst am 6. Mai entscheiden. Ob Deutsche im Sommer ins Ausland reisen können (bzw. umgekehrt) ist fraglich – Urlaub im eigenen Land gilt derzeit als am wahrscheinlichsten.

      Italien

        Ab Montag soll die Ausgangssperre gelockert werden. Die italienischen Regionen sind unterschiedlich stark betroffen, entsprechend unterschiedlich werden auch die Maßnahmen gehandhabt, etwa was die Öffnung und den Zugang zu Strandbädern betrifft. Restaurants und Bars sollen am 1. Juni öffnen dürfen.

        Spanien

          In Madrid sagte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, im "besten Fall" werde die Rückkehr zur "neuen Normalität" zwischen sechs und acht Wochen dauern. Ab Samstag sollen für die Bürger erstmals Spaziergänge und Sport im Freien wieder erlaubt sein. Danach sollen voraussichtlich ab dem 11. Mai kleine Läden, Restaurants, Hotels und Kirchen unter strengen Auflagen wieder öffnen.

          Griechenland

            Griechenland kündigte eine Aufhebung erster Einschränkungen ab dem Montag kommender Woche an. Dann soll ein Teil der Geschäfte wieder öffnen, darunter Buch- und Elektronikläden, wie Regierungschef Kyriakos Mitsotakis sagte. Eine Maskenpflicht soll es in Griechenland auch beim Frisör geben. Viele Restaurants und Hotels sollen am 1. Juni wieder aufmachen, um die Tourismus-Saison zu retten. Die Reisefreiheit im Land soll aber auch für die Griechen zunächst noch regional begrenzt bleiben.

            Portugal

              In Portugal soll der nationale Notstand am Samstag um Mitternacht enden. Regierungschef António Costa wird voraussichtlich heute noch mitteilen, welche Geschäfte und Unternehmen ab Montag wieder den Betrieb aufnehmen dürfen.

              Türkei

                Auch hier das gleiche Bild: Das Land setzt zunächst einmal auf heimische Urlauber, angedacht ist laut jüngsten Meldungen, für die Sommermonate Beschränkungen für auswärtige Urlauber aufzuheben. Details dazu fehlen noch

                Kroatien, Slowenien

                  Kroatien sucht weiterhin nach Lösungen, um die diesjährige Tourismussaison trotz der Coronakrise zu retten. Zusätzlich zum Reiseprotokoll auf EU-Ebene werden laut dem Tourismusminister Gari Cappelli bilaterale Vereinbarungen angestrebt. Dazu gibt es bereits Gespräche mit einigen Ländern, darunter auch Österreich. Die Grenze zum Nachbarland Slowenien könnte so bis Ende Mai geöffnet werden. Der slowenische Wirtschaftsminister Zdravko Pocivalsek bestätigte, dass man Gespräche über ein Protokoll zur Grenzöffnung führte - in erster Linie für jene slowenischen Bürger, die in Kroatien Ferienhäuser besitzen. "Das gemeinsame Ziel ist es, dies spätestens bis Ende Mai zu ermöglichen, freilich unter der Voraussetzung, dass die epidemiologische Lage weiterhin gut bleibt", so der slowenischen Minister. Ähnliche bilaterale Protokolle für Urlauber sollen laut Cappelli auch mit anderen Ländern vereinbart werden. Wie der Minister im Fernsehen hinzufügte, hat der kroatische Regierungschef Andrej Plankovic dazu bereits mit seinen Amtskollegen aus Österreich und Ungarn gesprochen, seit Tagen werden Gespräche auch mit Tschechien geführt.

                  Großbritannien

                    Wie vieles andere, sind auch die weiteren Entwicklungen bei den Corona-Maßnahmen unklar. Premierminister Boris Johnson erteilte einer vorzeitigen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Großbritannien zunächst aber eine eindeutige Absage. Eine zweite Erkrankungswelle müsse verhindert werden. Hotels und Pubs sind geschlossen, auch der Inlandstourismus ist quasi zum Erliegen gekommen – möglich ist, dass das Land, das sehr spät und unzureichend reagiert hat, die Maßnahmen in den nächsten Wochen sogar noch verstärken muss.

                    USA

                      In den USA ziehen nach ersten umstrittenen Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen im US-Bundesstaat Georgia diese Woche weitere Staaten nach. In Tennessee sollen am Montag Restaurants unter bestimmten Bedingungen für Gäste öffnen, am Mittwoch soll es Bewegung im Einzelhandel geben. Zudem soll am Donnerstag in Texas die Anordnung, dass Bürger weitgehend zu Hause bleiben müssen, auslaufen, wie US-Medien berichteten. Allerdings sei noch lange nicht an Normalität zu denken, heißt es. Nach wie vor besteht ein Einreiseverbot aus Europa

                      Neuseeland

                        In Neuseeland gab es keine weitverbreitete, unerkannte Übertragung des Virus mehr, erklärte unterdessen die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. "Wir haben diesen Kampf gewonnen." Nach knapp fünf Wochen an Einschränkungen auf der höchsten Stufe vier sollten diese ab Montagabend (Ortszeit) auf Stufe drei herabgesetzt werden. Damit dürfen neben notwendigen Diensten auch einige Geschäfte, Restaurants mit Essen zum Mitnehmen und Schulen wieder öffnen.