CoronavirusImpfungen ab Jänner: Jeder kann, (fast) keiner muss

Die Regierung verspricht, dass es ausreichend Impfstoff für alle gibt: Wer als Erstes drankommt, wer sich auch ohne Impfpflicht stechen lassen muss und was Verweigerern droht.

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Mit den Älteren beginnt es, im Mai sollen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sein
Mit den Älteren beginnt es, im Mai sollen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sein © APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
 

Impfstoffe sind im Moment die Hoffnungsträger in der Pandemie. Viel schneller als das selbst die Optimisten unter den Experten erwartet haben, kommen gleich mehrere Impfstoffe auf den Markt. Im Ministerrat beschließt die Regierung heute ihre Impfstrategie. Bis zum Sommer sollen alle geimpft werden, die es wollen.

Die drängendsten Fragen und Antworten vorab:

1. Ab wann wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen?

Möglicherweise wird der erste Impfstoff noch vor Weihnachten zugelassen, eher aber kurz danach. Aus heutiger Sicht geht man davon aus, dass es mit den Impfungen im Jänner losgehen kann.

2. Wer wird als erstes geimpft werden?

In den Alten- und Pflegeheimen wird begonnen, weil es hier die meisten Toten gab. Menschen ab 65 und das Pflegepersonal wird als erstes geimpft. Gleichzeitig kommen Hochrisikogruppen mit definierten Vorerkrankungen dran, sowie das Pflege- und Gesundheitspersonal in den Spitälern. Auch auf Ordinationen, Rettungsorganisationen und soziale Dienste geht man gleich in dieser ersten Phase, im Jänner und im Februar, zu.

3. Warum können sich nicht gleich alle, die das möchten, impfen lassen?

Zum einen, weil man die besonders gefährdeten Personen als erstes immunisieren möchte, und nicht gleich alle Impfdosen auf einmal zur Verfügung stehen werden. Zum anderen deshalb, weil der erste Impfstoff, der vermutlich zur Verfügung steht, der RNA-Impfstoff von Biontech, bei minus 80 Grad gelagert werden muss. Der Pharmagroßhandel, auf den man dabei angewiesen ist, kann das nur an acht zentralen Standorten gewährleisten.

4. Kann dieser Impfstoff dann überhaupt transportiert werden?

Nur eingeschränkt.

5. Wer kommt nach den Älteren und dem Pflegepersonal dran?

In Phase 2, ab März, wird auch von den niedergelassenen Ärzten geimpft werden. Hier wird man wiederum einen Schwerpunkt auf Ältere, insbesondere auf Personen, die gepflegt werden müssen, sowie auf die Personen, die sie betreuen, legen, außerdem auf Personen mit „Systemrisiko“, also Beschäftigte in Polizei Justiz, Bildungswesen und Kindergärten.

6. Und wann gibt es dann die Impfung für jedermann?

Ab Phase 3, im April. Im Mai könnten alle durchgeimpft sein, die das wollen, man hofft auf eine Rate von mehr als 50 Prozent.

7. Wird es eine Impfpflicht geben?

Die Politik sagt Nein. Möglicherweise entsteht aber ein Druck dadurch, dass bestimmte Aktivitäten Menschen vorbehalten sind, die sich impfen haben lassen. Die europäischen Fluglinien stellen solche Absichten noch in Abrede, aber die australische Quantas hat bereits angekündigt, dass sie auf Interkontinentalflügen nur noch geimpfte Personen befördern will, sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht. China schlug beim G20-Gipfel vor, global QR-Codes einzuführen, über die Gesundheitszertifikate schnell abgefragt werden können, um „den geordneten Personenverkehr zu erleichtern“.

8. Kann mich mein Arbeitgeber zu einer Impfung verpflichten?

Grundsätzlich nein. Bei einem Bewerbungsgespräch kann Sie der Arbeitgeber in einem sensiblen Bereich allerdings fragen, ob Sie geimpft sind, etwa wenn es ein Spitalserhalter ist. Und wenn Sie schon in diesem Spital arbeiten und die Impfung verweigern, können Sie versetzt werden.

9. Werden alle mit dem gleichen Impfstoff geimpft werden?

Nein. Es werden unterschiedliche Produkte zur Anwendung kommen. Die Verteilung wird europaweit organisiert, einer der zwei Chefs der Steuerungskommission ist ein Österreicher, Clemens Auer, Sonderbeauftragter des Gesundheitsministeriums.

Umfrage in Klagenfurt: Würden Sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen?
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Kommentare (34)
Stony8762
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hutchi

Wenigstens kannst du deinen Basti-Wahn ausleben!

Elli123
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Warum...

kann man nicht gleich den Beipackzettel veröffentlichen. Oder sind Nebenwirkungen ausgeschlossen? Wäre dann wohl das erste Medikament ohne Nebenwirkungen.....ja, und bitte keine Impfnadeln zeigen. Man könnte sonst glauben, dass man bei der Impfung gestochen wird:-)

erstdenkendannsprechen
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wird dann eh so sein (wie bei den meisten impfstoffen) dass sie diese informationen kriegen.

nur erfolgen diese dinge nach dem rolling review.
eine notzulassung wie in den usa gibt es in europa nicht. deswegen muss zb. beim biontech-pfizer impfstoff 4-6 wochen nach gabe der zweiten impfdosis bei den kanditaten abgewartet werden. die zweite impfdosis kriegten sie im november. der unterschied ist, dass das rolling review bereits läuft, die daten aber erst im laufe eintrudeln (dh bis ende dezember) und dann nachgereicht werden. vorher wird es keine zulassung für diesen impfstoff geben können. und vorher wird es auch keinen "beipackzettel" geben können.

Mein Graz
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@Elli123

Beipackzettel zu sich am Markt befindenden Medikamenten bzw. Impfungen kann man jederzeit im Internet abrufen, also sind sie "veröffentlicht".

Und bitte auch gleich einen Beipackzettel zu Zucker, Salz, Schokolade usw. einfordern, ebenso wie zu schlechten Matratzen, Bekleidung, Baumaterialien, giftigen Pflanzen usw.
Der Hausverstand reicht bei manchen ja nicht.

feringo
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😬 Impfnadel

Frau Gigler, noch mehr Abschreckung? Unangenehmes wird weggeschoben!

Die überhäufte Darstellung von Impfnadeln und Nasenstochern bewirkt eine Aversion gegen diese Maßnahmen. Sie erschrecken und niemand wird dadurch zu Impfung oder Testung motiviert.
Warum machen Sie es dem ORF nach?

Mein Graz
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@feringo

Mich persönlich schreckt eine Impfnadel nicht.
Natürlich ist es nicht angenehm, gestochen zu werden. Der Anblick einer Nadel wird mich allerdings von der Impfung nicht abhalten.

feringo
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@Mein Graz : positive Werbung

Ich denke dabei an psychologische Erkenntnisse. Diese belegen, dass Unangenehmes ins Nichtbewusste verschoben wird und dort wirkt. Warum wohl verwendet die Wirtschaftswerbung nicht das Negative?

Mein Graz
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@feringo

Generell hast du selbstverständlich recht!

Ich persönlich verdränge halt den Anblick der Nadel und sehe als Optimist, dass sich mein Leben zum Positiven verändern wird.

feringo
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@Mein Graz : .. zum Positiven ...

Freue mich auch über Impfmöglichkeiten und die letzte Grippeimpfung vor 14-Tagen hat überhaupt nicht weh getan; war ein guter Stich vom Arzt und ich habe meine Schmerzleitung durch gleichzeitiges Beobachten eines Radfahrers ausgetrickst.

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