Die Omikron-Welle baut sich auf, in den kommenden Wochen werden sich viele Menschen mit Sars-CoV-2 infizieren. Aber vor allem für dreifachgeimpfte Personen wird die Covid-19-Infektion verhältnismäßig mild verlaufen, Vorhersagen zufolge werden weniger als 1 Prozent der Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Im Umkehrschluss bedeutet das, die meisten Menschen werden die Krankheit zu Hause auskurieren. Bernhard Haas, Infektionsspezialist der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (Kages) gibt Auskunft, worauf zu achten ist.

  1. Schätzen Sie Ihr eigenes Risiko ein. Zwei Fragen sind wichtig, für sich zu beantworten, wenn ein positiver Test vorliegt. Gehöre ich einer Risikogruppe an? Und: Lebe ich mit einer Risikoperson im gleichen Haushalt? Risikofaktoren für eine schwere Covid-Erkrankung sind: höheres Alter, starkes Übergewicht, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, Krebsleiden, Diabetes oder die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken. „Als Erkrankter sollte man Kontakte zu Mitbewohnern meiden, wohnt man mit einem Menschen zusammen, der zur Risikogruppe gehört, gilt das umso mehr“, sagt Haas.

  2. Führen Sie ein Symptom-Tagebuch. Bei der Omikron-Variante gestalten sich die Symptome etwas anders als bei der Delta-Variante. Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn kommt seltener vor, im Gegenzug stellt sich Fatigue, ein genereller Erschöpfungszustand, häufiger ein. Aus England kommen auch Meldungen mit neuen Symptomen wie Körperschmerzen, Nachtschweiß und Appetitlosigkeit. „Ein Symptom-Tagebuch hilft nicht nur dabei, den eigenen Zustand im Auge zu behalten, sondern gibt dem Quarantäneleben Struktur“, sagt Haas.

    Dazu gehört, dass bereits vor dem Aufstehen, noch im Bett liegend, Atemfrequenz – wie oft atme ich pro Minute ein und aus? – und Körpertemperatur gemessen werden. „Die normale Atemfrequenz liegt bei 12 bis 18 Atemzügen pro Minute“, sagt Haas. Beide Werte plus Ausprägung der Symptome in das Tagebuch eintragen. Man kann die Intensität von Husten, Hals- oder Körperschmerzen anhand einer Skala von 0 bis 10 bewerten und so den Verlauf der Erkrankung dokumentieren. Die Messungen am späten Nachmittag oder abends wiederholen.


    Bernhard Haas, Infektiologe Kages
    Bernhard Haas, Infektiologe Kages
    © kk



  3. Schonen Sie sich. Für Covid-19 gilt dasselbe wie für andere Virusinfektionen: Der Körper ist damit beschäftigt, das Virus zu bekämpfen, dafür braucht er Ruhe und Schonung. Gleichzeitig ist es aber gerade bei Covid-19 wichtig, Thrombosen zu verhindern – daher wird empfohlen, regelmäßig aus dem Bett aufzustehen und sich etwas zu bewegen, etwa einige Schritte im Zimmer auf und ab zu gehen

  4. Trinken Sie ausreichend. Flüssigkeitszufuhr ist bei Infektionen sehr wichtig: Trinken Sie ausreichend Wasser und Kräutertee (ungesüßt!). „Man sollte sich von jemandem aus der Apotheke Kräutertees gegen Husten oder Halsschmerzen bringen lassen“, sagt Haas. Auch ein fiebersenkendes Mittel sollte man für den Bedarfsfall zu Hause haben.

  5. Senken Sie Fieber nicht sofort. „Eine mäßig erhöhte Körpertemperatur bis etwa 38,5 Grad sollte man – wenn keine Vorerkrankungen vorliegen – nicht sofort mit einem fiebersenkenden Mittel behandeln“, sagt Haas – das gelte nicht nur für Covid-19, sondern für die meisten Infekte. Denn: Durch eine erhöhte Körpertemperatur werden die Immunabwehrprozesse im Körper beschleunigt, Fieber unterstützt das Immunsystem also in der Krankheitsabwehr. „Fieber ist eine gewollte Unterstützung und sollte erst gesenkt werden, wenn es zu belastend wird“, so der Infektiologe.

  6. Machen Sie Atemübungen. Bernhard Haas rät all seinen Covid-Patienten dazu, regelmäßig Atemgymnastik zu machen - auch wenn sich Omikron weniger gut in der Lunge auszubreiten scheint als andere Varianten. Warum? „Dadurch dehnt sich der Brustkorb, die Atemluft gelangt tiefer in die Lunge und damit werden alle Teile der Lunge gut belüftet“, sagt Haas. Eine Minderbelüftung von Lungenteilen soll verhindert werden, da diese zusätzliche Infektionen durch Bakterien begünstigt. Wichtig ist dabei stets durch die Nase einzuatmen, bei Schmerzen oder starkem Hustenreiz sollte man diese Übungen stoppen. Zwei Beispiele sind hier angeführt:
    • Der „Halbmond“: Diese Übung kann im Stehen oder im Liegen gemacht werden. Man streckt den rechten Arm nach oben über den Kopf und dehnt sich nach links auf, sodass der Körper ein angedeutetes „C“ bildet. Dabei weiter tief atmen und die Dehnung für 15 Sekunden halten. Dann die Seite wechseln.
    • Durch einen aufgerichteten Oberkörper haben Lunge und Zwerchfell mehr Freiraum zum Atmen. Setzen Sie sich auf einen Hocker oder Stuhl ohne Lehne, lassen Sie die Arme neben dem Körper hängen. Drehen Sie beim Einatmen die Handinnenflächen nach außen, ziehen Sie die Arme leicht hinter den Körper und bringen Sie die Schulterblätter zusammen. Dadurch entsteht eine aufrechte Haltung. Beim Ausatmen die Bewegung in die umgekehrte Richtung ausführen, den Rücken leicht runden. Bei der Übung bewusst tief ein- und ausatmen, die Übung 15 Mal wiederholen.

  7. Achten Sie auf Zeichen der Verschlechterung. Für die gesamte Erkrankungsdauer gilt, dass man seinen Zustand und den Symptomverlauf genau beobachten soll. „Erkrankte sollten sich schon vorab durchdenken, wen sie bei Verschlechterung kontaktieren“, sagt Haas – erste Anlaufstelle ist der Hausarzt und das Gesundheitstelefon 1450, kommt man dort allerdings nicht durch und verschlechtert sich der Zustand dramatisch, sollte man keine Scheu haben, die Rettung unter 144 zu rufen. Was sind nun Anzeichen einer Verschlechterung?
    • Jegliche Anzeichen von Atemnot und Schwierigkeiten beim Atmen: Gefühle wie, ich bekomme keine Luft oder nach dem Einatmen habe ich zu wenig Luft im Körper, sind Alarmzeichen. Auch Druck oder Schmerzen in der Brust sollte man ernst nehmen.
    • Neurologische Symptome: Ist der Erkrankte verwirrt, hat Probleme, wachzubleiben, leidet an einer anfallsartigen Müdigkeit, können das Anzeichen einer Verschlechterung sein. „Oft sind das Anzeichen, die zuerst den Angehörigen auffallen“, sagt Haas.

  8. Kontrolle nach sieben bis zehn Tagen. Nach sieben bis zehn Tagen sollte der Zustand des Patienten von einem Arzt kontrolliert werden, wenn noch immer Symptome vorliegen. Haben sich die Symptome nicht verbessert oder gar verschlechtert, sollte der Arzt über eine Einweisung ins Spital entscheiden, vor allem dann, wenn noch immer Fieber oder Atemprobleme vorliegen.