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Terror im Herzen von Wien 15 Personen festgenommen: Bereits Anklage eingebracht

Nach dem Terroranschlag gehen die Ermittlungen auf Hochtouren weiter. Laut Ersuchen um Festnahmeanordnung klickten für "Syrien-Begleiter" des Attentäters Handschellen - Gegen weiteren Festgenommenen wurde im Anschlagzeitpunkt wegen Terrorverdachts ermittelt.

ANSCHLAG IN WIEN: TATORT IM BEREICH SEITENSTETTENGASSE
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Nach dem Terroranschlag am Montagabend in Wien ist eine 15. Person festgenommen worden. Das sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bei seiner Rede bei der Nationalratssondersitzung am Donnerstag. Das Innenministerium bestätigte, dass es mittlerweile 15 Festnahmen im Zusammenhang mit dem Anschlag in Wien gab. Details dazu sollen bei einer Pressekonferenz am Nachmittag mitgeteilt werden. Wann diese stattfinden wird, war Donnerstagmittag weiterhin offen.

Unter den im Zuge der Hausdurchsuchungen nach dem Terroranschlag in Wien Festgenommenen dürften sich mehrere Personen befinden, gegen die wegen Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt wird bzw. wurde. Im Fall eines 18-Jährigen aus Bangladesch wurde bereits Ende September Anklage eingebracht, der Mann soll noch als Jugendlicher IS-verherrlichendes Material verbreitet haben. Prozesstermin gibt es noch keinen.

Dem jungen Mann wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 278b) und Beteiligung an einer kriminellen Organisation (§278a StGB) vorgeworfen. In sozialen Netzwerken und Chats soll er Beiträge des Islamischen Staats geteilt haben - als er noch ein Jugendlicher und nicht volljährig war, sagte Nina Bussek, Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, der APA.

Am 30. September wurde die Anklage gegen den 18-Jährigen eingebracht. Termin für die Verhandlung gibt es noch keinen.

Nach dem Terroranschlag am Montagabend in Wien befand sich der 18-jährige unter den insgesamt 14 Festgenommenen. Er soll aus dem Umfeld des von der Polizei getöteten Attentäters stammen.

Das Strafgesetzbuch (StGB) sieht für das Delikt der "kriminellen Organisation" (§ 278a) eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vor. Mitglieder einer "terroristischen Vereinigung"(§ 278b) müssen mit Haftstrafen von einem bis zu zehn Jahren rechnen.

Hausdurchsuchungen

Unter den im Zuge der Hausdurchsuchungen nach dem Terroranschlag in Wien Festgenommenen dürften sich mehrere Personen befinden, gegen die wegen Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§278b StGB) ermittelt wird bzw. wurde. Auch ein bereits wegen dieses Verbrechens Verurteilter befindet sich darunter - nämlich jener Mann, mit dem der Attentäter 2018 gemeinsam versucht hatte, nach Syrien auszureisen. Die beiden waren in der Türkei aufgegriffen worden.

Wie aus dem der APA vorliegenden Ersuchen hervorgeht, befindet unter den Festgenommenen auch ein 18-Jähriger aus Bangladesch, gegen den zum Zeitpunkt des Anschlags wegen terroristischer Vereinigung (§ 278b StGB) ermittelt wurde.

Der Attentäter und sein "Reisebegleiter" waren seinerzeit beim Versuch, zur radikalislamitischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) zu gelangen, von den türkischen Behörden festgenommen worden. Nach mehrmonatiger Haft wurden sie nach Österreich überstellt und im April 2019 in Wien wegen terroristischer Vereinigung verurteilt. Der inzwischen 21-jährige "Reisebegleiter" erhielt 21 Monate Haft, der Attentäter 22 Monate.

Die beiden offensichtlichen Gesinnungsgenossen dürften laut APA-Informationen auch gemeinsam jene Moschee in der Hasnerstraße in Wien besucht haben, die bereits mehrmals in Zusammenhang mit der radikal-islamischen Szene genannt wurde. In diesem Objekt sollen sich laut Medienberichten unter anderem der Islamist Mohamed M. sowie der als IS-Terrorist zu neun Jahren Haft verurteilte Lorenz K. regelmäßig aufgehalten haben.

Attentäter war in der Szene bekannt

Aus dem Ersuchen um Festnahme und Hausdurchsuchung geht auch hervor, dass der Attentäter "seit Jahren als Angehöriger der radikal-islamistischen Szene bekannt" sei. Man habe in den Festgenommenen zwölf teilweise enge Kontaktpersonen des Täters feststellen können: "Alle diese Personen sind ha. (gemeint ist wohl "hausintern", Anm.) aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur radikal-islamistischen Szene bekannt und verkehren auch wiederkehrend an Orten (i. d . R. Moscheen), die ebenfalls der salafistischen Szene zuzuordnen sind."

Auch wird in dem Antrag darauf verwiesen, dass bezüglich des getöteten Attentäters vertrauliche Informationen bestünden, "dass er gemeinsam mit einer weiteren männlichen Person Mitte Juli 2020 in die Slowakei gereist sein soll, um sich dort Munition für ein AK47-Sturmgewehr zu besorgen". Das dabei benutzte Fahrzeug sei auf die Mutter eines der ebenfalls im Antrag auf Festnahme genannten Männer zugelassen gewesen. Der betroffene 21-Jährige sei zwar offenbar nicht der Beifahrer des Attentäters gewesen, es bestehe aber Grund zur Annahme, dass dieser den Beifahrer kennen würde.

Es könne zusammenfassend nicht ausgeschlossen werden, "dass sich unter den genannten Personen Mittäter befinden bzw. genannte Personen zumindest in die Anschlagspläne involviert waren", ist dem behördlichen Schriftverkehr zu entnehmen.

Die aktullen Ererignisse im Rückblick:

23 Uhr: Besuch von Macron wird verschoben

Der französische Präsident Emmanuel Macron kommt am Montagabend doch nicht nach Wien. In einem Arbeitsgespräch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hätten die beiden über gemeinsame europäische Initiativen im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus und den politischen Islam beraten sollen.

19 Uhr: Studentin entging dem Attentat von Wien durch einen glücklichen Zufall

Maya L. zieht vor einem Monat in eine eigene Wohnung am Schwedenplatz. Nur durch einen Überraschungsbesuch ihrer Freundinnen entgeht sie dem Anschlag. In einer Sprachnachricht beschreibt sie ihre Empfindungen in dem Moment, als sie oben am Fenster die Tat verfolgte. Zur Sprachnachricht.

 

17.04 Uhr: Frankreichs Präsident Macron am Montag nach Wien

Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Montagabend zu einem Besuch in Wien erwartet. Das teilte das Bundeskanzleramt am Mittwoch mit. In einem Arbeitsgespräch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) soll demnach über gemeinsame europäische Initiativen im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus und den politischen Islam beraten werden.

Konkret sollen "der Umgang mit Foreign Terrorist Fighters, der ordentliche Schutz der europäischen Außengrenzen sowie der Umgang der EU mit der Türkei" beraten werden. Weiters werde der Opfer des Terrorangriffs von Wien gedacht. Bei dem Attentat in der Innenstadt waren am Montagabend vier Personen getötet und mehr als 20 Menschen verletzt worden.

15.45 Uhr: Mann soll berüchtigte Wiener Moschee besucht haben

Der Attentäter von Wien soll regelmäßiger Besucher jener Moschee gewesen sein, die bereits mehrmals in Zusammenhang mit der radikal-islamischen Szene genannt wurde. Dabei soll es sich um ein Objekt in der Hasnerstraße in Wien-Ottakring handeln, wie am Mittwoch mehrere Medien berichteten. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) distanzierte sich gegenüber der APA von der Moschee, diese stehe nicht unter der Kontrolle der Glaubensgemeinschaft, hieß es.

In der besagten Moschee sollen sich unter anderem der Islamist Mohamed M. sowie der als IS-Terrorist zu neun Jahren Haft verurteilte Lorenz K. regelmäßig aufgehalten haben. Ob der Attentäter von Wien jemals Kontakt mit den beiden hatte, ist derzeit noch nicht bekannt. In der IGGÖ soll die besagte Moschee jedenfalls nicht registriert sein, teilte man dort auf APA-Anfrage mit. Dort spricht man von einer typischen "Hinterhofmoschee".

15.44 Uhr: Videos ausgewertet - Ein-Täter-Theorie bestätigt 

Der Wiener Terroranschlag dürfte tatsächlich nur durch den einen - erschossenen - Täter erfolgt sein. Die mehr als 20.000 der Polizei übermittelten Videos seien fertig ausgewertet, die Ein-Täter-Theorie habe sich dadurch bestätigt, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) Mittwoch in einer Pressekonferenz. Die erhöhte Sicherheitsstufe für Wien bleibt dennoch aufrecht, erfuhr die APA im Innenministerium.

Die Polizei hatte mehr als ein Terabyte an Daten von dem Anschlag in der Wiener Innenstadt am Montagabend auszuwerten. Für die Übermittelung der Videos war ein eigener Upload eingerichtet worden.

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14:30 Uhr: Derad weist "unrichtige Aussagen" Nehammers zurück

Der Verein Derad, der den Wiener Attentäter betreut hat, hat Mittwoch Kritik von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) als "unrichtig" zurückgewiesen. Es sei unrichtig, dass der Täter vorzeitig entlassen worden sei, weil Justiz und Prävention versagt hätten. Er sei nie als "deradikalisiert" dargestellt worden. Der Verein plädierte für bessere Zusammenarbeit statt Schuldzuweisungen. Denn Gerichte und Derad hätten nicht die Möglichkeiten, die der Verfassungsschutz hat.Weder Bewährungshilfe noch Derad noch ein Gericht könnten Personen überwachen oder Telefone abhören - wie es der Bundesverfassungsschutz könnte.

14:20 Uhr: Lehrer sollen mit Schülern auch über Gefühle reden

Die Berichte von unerwarteter Gewalt in ihrer unmittelbaren Nähe und von Menschen in Panik könnten auch bei Kindern und Jugendlichen, die nicht direkt vom Anschlag in Wien betroffen waren, zu traumatischen Erfahrungen führen. Die Wiener Schulpsychologie empfiehlt Lehrern und Eltern deshalb, Schüler altersgemäß über die Geschehnisse zu informieren und auch über ihre Gefühle zu sprechen, damit diese nicht "'unterirdisch weiterarbeiten'".

Traumatische Erfahrungen könnten abhängig von der persönlichen Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen weitreichende Folgen haben - von Konzentrations- und Schlafstörungen bis zu vegetativen Störungen, heißt es auf der Homepage der Schulpsychologie. Dort wird aber gleichzeitig betont, dass Belastungen nach einer medial vermittelten Katastrophe nicht an jene nach einer direkt erlebten Katastrophe heranreichen. "Es gilt daher, die Belastungssituation nicht zu unterschätzen, aber auch nicht aufzuheizen."

14:00 Uhr: Ministerrat bekam Lage-Update

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat die Bundesregierung bei einer virtuellen Ministerratsitzung am Mittwoch über den aktuellsten Stand nach dem Terror-Anschlag in Wien informiert. Die Öffentlichkeit erfährt davon in einer Pressekonferenz um 14.30 Uhr. Nachgeholt hat die Regierung formal den Beschluss des Bundesheer-Assistenzeinsatzes beim Objektschutz, der bereits seit Montagabend läuft.

13:50 Uhr: Verhaftete Schweizer seit 2018 unter Verdacht

Nach der Verhaftung von zwei Schweizer Staatsbürgern in Zusammenhang mit dem Anschlag von Wien hat die Oberstaatsanwaltschaft Zürich bestätigt, dass der 18- und 24-jährige in Terror-Verfahren involviert sind. Diese Strafverfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) wurden 2018 und 2019 im Bereich Terrorismus eröffnet und sind zurzeit noch am Laufen, erklärte Mediensprecher Christian Philipp am Mittwoch auf APA-Anfrage.

Der ältere der beiden Verhafteten sei Beschuldigter in einem dieser Strafverfahren. Im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag in Wien hat die Bundesanwaltschaft "derzeit kein Strafverfahren" eröffnet, betonte Staatsanwalt Philipp weiter. Ob Untersuchungshaft beantragt wird, sei noch offen. Über weitere Details und auch über die konkreten Verbindungen will die Schweizer Justiz vorerst keine Angaben machen.

13:10 Uhr: Neue Informationen angekündigt

Innenminister Karl Nehammer, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, sowie der Wiener Polizeipräsident, Gerhard Pürstl, informieren ab 14:30 Uhr über Ermittlungen und die aktuelle Lage zum Anschlag in Wien.

13:00 Uhr: Zwei Ausländer unter den Todesopfern

Insgesamt vier Menschen hat der 20-Jährige Attentäter bei seinem Anschlag am Montagabend in Wien erschossen. Dabei handelt es sich um einen 39-jährigen Österreicher sowie eine 44-jährige Österreicherin und zwei ausländische Staatsbürger - eine 24-jährige Deutsche und einen 21-jährigen Mazedonier. Insgesamt 13 weitere Opfer im Alter zwischen 21 und 43 Jahren erlitten Schussverletzungen, sagte Manfred Reinthaler, Vorstand der Pressestelle der Wiener Polizei am Mittwoch der APA. Der Großteil der Verletzten sind Österreicher, aber auch Staatsbürger aus Deutschland, der Slowakei, Luxemburg, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina befinden sich unter ihnen.

Wie die Angewandte auf Facebook bekanntgab, ist unter den Todesopfer eine Studentin der Universität, ein Student wurde verletzt, ist aber nach einer Notoperation außer Lebensgefahr.

Bei der 24-jährigen handelte es sich um eine Kellnerin, sie wurde vor einem Lokal am Ruprechtsplatz erschossen. Der 21-jährige Mazedonier wurde an der Ecke Fleischmarkt/Bauernmarkt erschossen, der 39-jährige Österreicher vor einem Fast-Food-Lokal am Schwedenplatz. Außerdem erlag eine 44-jährige Frau ihren Schussverletzungen im Spital.

12:10 Uhr: Politiker fordern Aufklärung über Munitionskauf

Der stv. SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried und Sicherheitssprecher Reinhold Einwallner zeigen sich fassungslos darüber, dass das Innenministerium über den versuchten Munitionskauf des späteren Attentäters in der Slowakei informiert war und erwarten sich volle und rasche Aufklärung, was mit diesen Informationen passiert ist. „Was ist mit diesen Informationen dann passiert? Wie kann es sein, dass der Innenminister dann nicht sofort tätig wurde? Drauf erwarten wir im heutigen Nationalen Sicherheitsrat eine Antwort von Innenminister Nehammer“, so Leichtfried.

Thema heute Nachmittag werde auch der Informationsaustausch zwischen Justiz und Innenministerium bzw. Verfassungsschutz nach der Haftentlassung sein. „In welcher Form ist das BVT involviert bzw. wie läuft der Informationsaustausch ab, wenn sich ein entlassener Täter in einem Deradikalisierungsprogramm befindet? Auch dazu erwarten wir uns von Innenminister Nehammer und Justizministerin Zadic Antworten“, so Einwallner.

12:00 Uhr: Italien verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Nach dem Terroranschlag in Wien hat die italienische Polizei die Kontrollen rund um Bahnhöfe, Flughäfen, Botschaften, Monumente und Basiliken verschärft. Laut den Behörden gäbe es zwar keine Hinweise auf drohende fundamentalistische Anschläge in Italien, es sei aber wichtig, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen.

11:00 Uhr: Stadtsenat gedachte in Sondersitzung der Opfern

Der Wiener Stadtsenat hat am Mittwoch in einer Sondersitzung im Rathaus den Opfern des Terroranschlags am Montagabend gedacht. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betonte, dass sein Mitgefühl den Angehören der getöteten Menschen sowie den Verletzen gelte. "Wir werden deutlich machen, dass wir uns von diesem Terrorakt nicht in die Knie zwingen lassen", versicherte er.

Viele in der Stadt seien davon überzeugt gewesen, dass ein derartiger Akt in Wien nicht stattfinden werde. "Diese Hoffnung ist an diesem Abend zerstört worden", sagte Ludwig. Aber den Feinden der humanistischen Werte werde man "keinen Millimeter" einräumen, versprach er. An der Gedenkveranstaltung nahmen neben dem Bürgermeister die amtsführenden und nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte, die Klubobleute, die Präsidenten des Landtags und die Vorsitzenden des Gemeinderats teil.

10:35 Uhr: Slowakei warnte Österreich

Der Attentäter von Wien hat im Sommer versucht, in der Slowakei Munition zu kaufen. Nach Informationen von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR scheiterte der Kauf an einem fehlenden Waffenschein. Die slowakische Polizei bestätigte den Kaufversuch am Mittwoch in einem Facebook-Posting. Demnach wurden auch die österreichischen Behörden über den Fall informiert.

Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, Munition zu kaufen. Es sei ihnen aber nicht gelungen, etwas zu erwerben, schrieb die Behörde auf Facebook. Sofort sei die österreichische Polizei informiert worden. Weitere Kommentare seitens der slowakischen Behörden werde es nicht geben, um die Ermittlungen in Österreich nicht zu gefährden.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte bereits am Dienstagabend gegenüber der SZ, dass die heimischen Behörden informiert worden waren.

10:20 Uhr: Regierung beschließt dreitägige Staatstrauer

Die Regierung hat in ihrer Sondersitzung nach dem Terroranschlag in Wien eine dreitägige "Staatstrauer" beschlossen. Bis inklusive Donnerstag werden die öffentlichen Gebäude mit Trauerbeflaggung versehen. Außerdem soll es am Dienstag um 12 Uhr eine Schweigeminute geben. Auch die Schulen sollen zu Unterrichtsbeginn am Mittwoch der Todesopfer gedenken, geht aus dem Ministerratsvortrag hervor.

"Die Republik Österreich war, ist und wird immer eine Nation der Vielfalt, des Dialoges und des Respektes füreinander sein, umso mehr haben die Ereignisse vom 2. November 2020 unser Land schwer erschüttert und betroffen gemacht", heißt es in dem Regierungsbeschluss. Mit der Staatstrauer werden die Flaggen an Bundesgebäuden auf halbmast gesetzt und die Landeshauptleute aufgefordert, dies auch in ihrem Bereich zu veranlassen.

10:00 Uhr: Polizei gibt Entwarnung

Von der Landespolizeidirektion gibt es bereits eine  "Entwarnung". Der Auslöser des Einsatzes blieb zunächst unklar.

09:50 Uhr: Größerer Polizeieinsatz im Bereich Wiener Messe

Ein größerer Polizeieinsatz hat Mittwochvormittag im Bereich der Messe Wien in der Leopoldstadt stattgefunden. Zahlreiche Funkwagen fuhren mit Folgetonhornsignalen und Blaulicht vor. "Es gibt einen größeren Einsatz, die Hintergründe sind noch völlig unklar", sagte Polizeisprecher Daniel Fürst auf APA-Anfrage. Die LKP ermittle, ob ein Zusammenhang mit dem Terroranschlag besteht ist derzeit noch unklar.

09:20 Uhr: Laut Medienexperte sind Karikaturen legitim

Nachdem das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" ihre bekannten Mohammed-Karikaturen im September erneut veröffentlicht hatte, gab es in Europa mehrere islamistische Terroranschläge, zuletzt am Montagabend in Wien. Ob die Karikaturen tatsächlich der Auslöser für das aktuelle Attentat war, das sei derzeit nicht wirklich zu beurteilen, so der Medienexperte Fritz Hausjell. Klar ist für ihn aber, dass die Veröffentlichung solcher Karikaturen legitim und notwendig ist.

"Ich plädiere dafür, hier nicht zurückzuweichen", sagte er im APA-Gespräch am Dienstagabend. Es sei fatal für eine demokratische Gesellschaft, sich hier den Mund verbieten zu lassen und die Freiheit des Wortes einzuschränken. Dass einzelne Vertreter innerhalb des Islams glauben würden, mit Terror antworten zu dürfen und zu müssen, sei ein entsetzlicher Zustand.

08:40 Uhr: Ermittlungen in Schweiz gehen weiter

Die beiden am Dienstagnachmittag in Winterthur verhafteten Schweizer dürften eng mit dem Attentäter von Wien in Kontakt gestanden sein. Wie Justizministerin Karin Keller-Sutter am Abend bei einem Podiumsgespräch des "St. Galler Tagblatts" sagte, handelt es sich bei den Verhafteten um "Kollegen" des Attentäters. "Die drei Männer haben sich auch physisch getroffen", ließ sie sich in der Online-Ausgabe des Blatts zitieren.

Das Bundesamt für Polizei teilte am Abend auf Twitter mit, die beiden Verhafteten seien den Behörden aus Terrorismusverfahren der Bundesanwaltschaft bekannt. Der Informationsaustausch mit den österreichischen Behörden und allen nationalen Partnern laufe auf Hochtouren.

08:30 Uhr: Tajani fordert europäisches FBI 

Nach dem Anschlag in Wien forderte der ehemalige EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani die Einrichtung eines europäischen FBI. "Europa wird angegriffen, die Anschläge in Nizza und in Wien zeigen, dass der islamische Terrorismus das Herz der europäischen und westlichen Zivilisation treffen will", so der EU-Parlamentarier und Spitzenpolitischer der rechtskonservativen Forza Italia von Ex-Premier Silvio Berlusconi in einem Video.

07:35 Uhr: Polizist über seine schlimmsten Stunden

Beim Anschlag am Montagabend in der Wiener Innenstadt hat der 20-jährige Attentäter vier Menschen getötet und 22 teils schwer verletzt, ehe er selbst von der Polizei erschossen wurde. "Das waren zwischenmenschliche Tragödien, die ich niemals vergessen werde", sagte ein Polizist, der am Einsatz beteiligt war, der APA. "Immer wieder fielen Schüsse. Wir haben Verletzte geborgen und wussten nicht recht, wohin. Weil wir nicht wussten, wo dieses Arschloch genau ist", schilderte er.

06:00 Uhr: Schallenberg spricht zu Europarat

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) wendet sich am Mittwoch beim 130. Ministerkomitee des Europarates, das virtuell abgehalten wird, an seine Ministerkollegen. Ursprünglich habe er über die "hohe Belastung, die die globale Covid-19-Pandemie für uns alle" darstelle, "mit Reisewarnungen, Lockdown-Maßnahmen und den negativen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen" sprechen wollen, sagt der Außenminister. "Am Montagabend hat uns jedoch ein anderes, globales Virus heimgesucht."

22:55 Uhr: Extremismusforscher: Haftentlassene großes Problem

Der Wiener Attentäter ist ein Beispiel für eine Gruppe von Dschihadisten, auf sich die europäischen Länder besser vorbereiten sollten - nämlich in den 2010er-Jahren zu Strafen Verurteilte, die jetzt wieder freigelassen werden. Um zu verhindern, dass sie Terroranschläge begehen, wären umfassende Präventionsprogramme vom ersten Tag der Haft an nötig gewesen - und bei akuter Gewaltgefahr auch die Möglichkeit der Sicherheitsverwahrung, meint der Extremismusforscher Peter Neumann in der ZiB2.

22.30 Uhr: Täter soll Munition in der Slowakei gekauft haben

Laut Berichten deutscher Zeitungen reiste der islamistische Attentäter mit einem weiteren Mann im Sommer in die Slowakei. Demnach wären mehrere Personen an der Planung des Attentats beteiligt gewesen. 

Wie es heißt, reiste der Attentäter im Juli 2020 in die benachbarte Slowakei, um Munition für das Sturmgewehr AK-47 zu kaufen. Mit einer Waffe dieses Typs hatte der 20-Jährige am Montagabend um sich geschossen.

Das österreichische Innenministerium bestätigte bereits, dass der spätere Attentäter ins Nachbarland gefahren und dort aufgefallen war. Die slowakischen Behörden ermittelten deshalb aber nicht.

22.20 Uhr: Schweizer offenbar eng in Kontakt mit Attentäter

Die beiden am Dienstagnachmittag in Winterthur verhafteten Schweizer dürften eng mit dem Attentäter von Wien in Kontakt gestanden sein. Wie Justizministerin Karin Keller-Sutter am Abend bei einem Podiumsgespräch des "St. Galler Tagblatts" sagte, handelt es sich bei den Verhafteten um "Kollegen" des Attentäters. "Die drei Männer haben sich auch physisch getroffen", ließ sie sich in der Online-Ausgabe des Blatts zitieren.

Das Bundesamt für Polizei teilte am Abend auf Twitter mit, die beiden Verhafteten seien den Behörden aus Terrorismusverfahren der Bundesanwaltschaft bekannt. Der Informationsaustausch mit den österreichischen Behörden und allen nationalen Partnern laufe auf Hochtouren.

21.00 Uhr: Kurz: Vorzeitige Entlassung "definitiv falsch"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Dienstag scharfe Kritik an der vorzeitigen Entlassung des Wiener Terror-Attentäters geübt. Diese Entscheidung sei mit dem heutigen Wissensstand "definitiv falsch" gewesen, sagte er in der Sonder-ZiB, "wäre er nicht aus der Haft entlassen worden, hätte der Terroranschlag so nicht stattfinden können". Auch plädierte Kurz für einen verstärkten Kampf gegen den politischen Islam auf europäischer Ebene.

Der erschossene Täter war - mit Auflagen - nach zwei Dritteln der Haft im Dezember 2019 statt im heurigen Juli bedingt entlassen worden. Man müsse sich, meinte Kurz, die Frage stellen, warum diese Entscheidung vom Gericht so getroffen wurde. "Schuld" für den "barbarischen, feigen islamistischen Terroranschlag" sah der Kanzler allerdings nur bei einem: "Es gibt genau einen Schuldigen - und das ist der Attentäter."

19.50: Terror wird Schwerpunktthema

Die islamistischen Terroranschläge in Wien und Nizza sollen der inhaltliche Schwerpunkt des nächsten Treffens der EU-Innenminister sein. Das verabredete der deutsche Innenminister Horst Seehofer am Dienstag mit seinem österreichischen Amtskollegen Karl Nehammer. Ursprünglich sollte es bei dem Treffen am 13. November vor allem um die Reform der gemeinsamen europäischen Asyl- und Migrationspolitik gehen.

Seehofer sagte, er habe Nehammer für die Aufklärung der Hintergründe des Terroranschlags in Wien jede Unterstützung zugesagt. "Wir stehen fest an der Seite unserer österreichischen Freunde", betonte Seehofer. "Ich verurteile diesen barbarischen Terrorakt auf das Schärfste", fügte er hinzu.

Die Europäer könnten den Terroristen und ihren Hintermännern nur gemeinsam das Handwerk legen. Noch am Abend wollte Seehofer die aktuelle Sicherheitslage in Deutschland mit den Innenministern der Bundesländer besprechen.

Polizei-Großeinsatz: Terroranschlag in der Wiener City

Die Menschen in der Innenstadt werden auch von der Polizei aufgerufen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, in Lokalen zu bleiben und den öffentlichen Verkehrsmitteln fernbleiben - der U-Bahn-Verkehr wurde teilweise still gelegt.

APA/Georg Hochmuth

Die Polizei appelliert außerdem an die Bevölkerung, KEINE Videos und Fotos zu posten, solange der Einsatz läuft.

APA / Georg Hochmuth
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Der erschossene Täter dürfte laut Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen haben. Dies wird noch untersucht. Er war mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgestattet - war also "sehr umfassend vorbereitet", wie Ludwig erklärte. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Dennoch kursierten mehrere Videos, die bewaffnete Männer in der Innenstadtstadt zeigen, die wild um sich schießen. Auf einem Video sieht man sogar, wie ein Getroffener - möglicherweise ein Polizist - auf dem Schwedenplatz zu Boden fällt. Ein Mann mit einer Kalaschnikow-ähnlichen Waffe läuft durch eine gepflasterte Gasse und schießt.

5 Uhr: Tat auf Instagram angekündigt?

Über die Herkunft und das Motiv der Täter wurde offiziell noch nichts bekannt gegeben, ausländische Medien berichten, dass es sich um IS-Anhänger handle. Die deutsche "Bild"-Zeitung berichtete - mit einem verpixelten Foto -, dass der wahrscheinliche Haupttäter ein IS-Anhänger sei. Er habe die Tat am Montag auf Instagram angekündigt. Das könne man vorerst nicht bestätigen, man sei aber "dran" und könne hoffentlich bei der für 6 Uhr früh angekündigten Pressekonferenz Auskunft geben, sagte Innenministeriums-Sprecher Harald Sörös der APA.

Der Großeinsatz der Exekutive lief in der Nacht weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen. Weitere Schäden müssen hintangehalten werden, sagte Gerhard Pürstl, Landespolizeipräsident in Wien.

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Auch das Bundesheer wurde aktiviert. Soldaten übernahmen den gesamten Objektschutz in der Bundeshauptstadt, um die Polizei zu entlasten und Teile des Jagdkommandos wurden zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung bereitgestellt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bestätigte im ORF, dass es sich bei der Attacke "definitiv um einen Terroranschlag" gehandelt habe. Dieser sei "sehr professionell" vorbereitet worden. Die Täter seien auch sehr gut mit Waffen ausgerüstet gewesen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sprach vom "schwersten Tag für Österreich seit sehr vielen Jahren".

Die Polizei appellierte wegen der anhaltenden Gefahrenlage an die Bevölkerung: "Wenn Sie zuhause sind, bleiben Sie zuhause!" Wer unterwegs ist, solle sichere Räume nicht verlassen bzw. versuchen, einen sicheren Raum aufzusuchen, wurde dringend geraten. Die Wiener City war großräumig abgesperrt, öffentliche Verkehrsmittel hielten nicht in der Innenstadt.

Warum wir den Namen des Täters tilgen

Ein junger islamistischer Terrorist schießt sich im Herzen Wiens seinen Hass gegen die westliche Gesellschaft vom Leib. Jene Gesellschaft, die ihm, dem Inhaftierten, vorzeitig und fahrlässig die Freiheit zurückgegeben hatte. Was preisgeben von so einem? Das Antlitz? Den Namen? Wir rangen um eine Antwort und entschieden uns mehrheitlich für ein Nein. Wo der Name digital vorkam, löschten wir ihn. Wir erinnerten uns in der Diskussion an Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern, die dem Attentäter von Christchurch seinerzeit nachgerufen hatte: "Er will Ruhm. Kriegt er nicht. Nichts wird ihm Neuseeland mehr geben, nicht einmal mehr seinen Namen." Diesem Wort folgen auch wir. Nicht aus abwegigem Schutz, sondern als äußerste Form der Ächtung. Im Gedächtnis bleiben sollen nur die Opfer.

Hubert Patterer 

Hier finden Sie psychologische Hilfe in dieser belastenden Situation:

 

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