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19-Jährige in Wien gestorben

Warum Meningokokken so gefährlich sind

Nach dem Tod einer Italienerin in Wien: Welche Auslöser zur Hirnhautentzündung führen können und warum die Blutvergiftung noch viel gefährlicher ist, erklärt der Experte.

Impfung schützt
Impfung schützt © (c) pix4U - Fotolia (Photographer: Andreas Chorobaww)
 

Auf einen Blick: Das ist passiert

Eine junge Römerin, die an den Weltjugendtagen in Krakau teilgenommen hatte, ist an Meningitis erkrankt und am Montag in einem Krankenhaus in Wien gestorben. Die 19-Jährige gehörte einer 20-köpfigen Pilgergruppe aus einer Pfarre im südlichen Rom an, die sich auf dem Rückweg von dem katholischen Jugendtreffen in Polen befand.

Nun wächst die Sorge in Italien: 480 junge italienische Pilger auf der Heimreise von Krakau haben sich bereits in Krankenhäusern in der Region Venetien gemeldet, um sich vorsorglich untersuchen zu lassen – bisher gab es aber noch keine weiteren Verdachtsfälle.

Die Meningitis, zu deutsch Gehirnhautentzündung, kann durch verschiedene Viren und Bakterien ausgelöst werden. Im vorliegenden Fall wurde nicht bekannt gegeben, was der Auslöser war und an welcher Verlaufsform die junge Italienerin verstorben ist.

Fakt ist jedoch: Zu den gefährlichsten Auslösern einer solchen Erkrankung zählen die Meningokokken: Diese Bakterien können in seltenen Fällen innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Was genau passiert und wie man sich schützt, erklärt der Spezialist Werner Zenz von der LKH-Unikinderklinik in Graz.

Wodurch wird eine Meninigitis ausgelöst?
WERNER ZENZ: Wir müssen zwischen der bakteriellen und der viralen Meningitis unterscheiden. Die Hirnhautentzündung durch Viren ist zwar sehr schmerzhaft, heilt aber normalerweise aus. Gefährlich ist jene, die durch Bakterien ausgelöst wird. Die gefährlichsten Bakterien sind dabei die Meningokokken.

Werner Zenz, LKH-Kinderklinik Graz
Werner Zenz, LKH-Kinderklinik Graz Foto © Bauer

Warum sind diese Bakterien so gefährlich?
ZENZ: Es kann zu zwei Verlaufsformen kommen: Auf der einen Seite gibt es die Gehirnhautentzündung (Meningitis), die eine Sterblichkeit von etwa ein Prozent hat. Auf der anderen Seite können Meningokokken auch zu einer Vergiftung (Sepsis) führen, die den ganzen Körper betrifft: Dieser Verlauf kann zu einem plötzlichen Tod führen, die Sterblichkeit liegt bei 30 Prozent. In diesen Fällen kommt die ganze Rettungskette zu spät, Betroffene können innerhalb weniger Stunden versterben.

Was passiert dabei im Körper?
ZENZ: Wahrscheinlich ist es so, dass jeder, der so eine fatale Sepsis entwickelt, einen seltenen, angeborenen Defekt im Immunsystem hat. Die Bakterien vermehren sich explosionsartig und überwuchern den Organismus. Innerhalb weniger Stunden entsteht dadurch so viel Bakterien-Gift, dass der Mensch stirbt. Die Häufigkeit dieser fatalen Fällen liegt bei etwa 1 pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

Das heißt, eine solche Sepsis ist sehr selten?
ZENZ: Ja, sie ist sehr selten, aber wenn sie auftritt, ist sie sehr gefährlich.

Der Mensch ist mit diesen Bakterien besiedelt. 

Werner Zenz

Wo kommen diese Bakterien vor?
ZENZ: Studien haben gezeigt, dass 15 bis 25 Prozent der Jugendlichen diese Bakterien im Rachen tragen, das heißt: Der Mensch ist mit diesen Bakterien besiedelt. Daher ist die Frage: Warum entwickelt einer in 100.000 so eine gefährliche Sepsis? Die Erklärung ist wohl diese angeborene Immunschwäche, die wir gerade erforschen.

Wie verläuft die Ansteckung?
ZENZ: Die Ansteckung passiert durch sehr engen Kontakt. Es gibt zwei Lebensabschnitte, in denen Meningokokken-Infektionen am häufigsten auftreten: bei kleinen Babys und in der Pubertät. Bei Jugendlichen werden die Bakterien meist durchs Küssen übertragen, ein Risikofaktor ist der Discobesuch. Aber: Die Bakterien können nicht so leicht übertragen werden wie zum Beispiel Grippeviren, es braucht sehr engen Kontakt.

Was sind die typischen Symptome einer Meningokokken-Infektion?
ZENZ: Typisch für die Hirnhautentzündung ist ein steifes Genick, hohes Fieber und Kopfschmerzen. Bei der zweiten Verlaufsform, der Sepsis, sind die Symptome am Beginn nicht von einer Grippe zu unterscheiden, das ist das große Problem. Daher kann es passieren, dass solche Kinder wieder nach Hause geschickt werden – das ist ein schicksalhafter Verlauf.

Es gibt eine Impfung gegen Meningokokken: Wer sollte sich impfen lassen?
ZENZ: Ich finde, jedes Kind sollte gegen alle Meningokokken-Stämme geimpft sein. Kinder können ab dem 3. Lebensmonat geimpft werden. Das Dilemma ist leider: Wir müssen viele Tausend Kinder impfen, damit wir eines retten.

Meningokokken-Impfung

Es gibt verschiedene Bakterien-Stämme, der häufigste ist der B-Stamm. In Österreich gibt es einen Kombi-Impfstoff im Schulimpfprogramm, der vier Stämme enthält – allerdings nicht den B-Stamm. Seit einem Jahr gibt es einen neuen Impfstoff gegen den B-Stamm, der allen Kindern und Jugendlichen empfohlen wird, aber selbst bezahlt werden muss.

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