184 Millionen Kleidungsstücke, die in den Schränken der Österreicherinnen und Österreicher liegen, werden kaum, also maximal viermal im Jahr, oder gar nicht getragen. Das ergab eine Studie der Arbeiterkammer Wien und Greenpeace, die in einer Online-Umfrage das Modekonsumverhalten des Landes unter die Lupe nahmen. 1506 Personen zwischen 16 und 75 Jahren nahmen im November 2022 an der Umfrage teil. "Diese Millionen Kleidungsstücke machen mehr als ein Viertel der Kleidung aus, die die Menschen besitzen", sagt Greenpeace-Konsumexpertin Lisa Panhuber. "Wahrscheinlich sind es aber am Ende noch um einige mehr."

Durchschnittlich gaben die befragten Personen an, 94 Kleidungsstücke zu besitzen. Handels- und Umsatzstatistiken belegen allerdings, dass die Zahl weitaus höher sein dürfte. "Die Trends von heute sind der Müll von morgen", sagt Panhuber, denn ein Drittel der Kleidung, die produziert wird, werde nie verkauft, schaffe es teils nicht einmal ins Verkaufsregal. Eine Wegwerf-Philosophie, die sich auf den Planeten auswirkt, so die Konsumexpertin. "Die UNO hat festgestellt, dass fünf bis zehn Prozent der gesamten CO₂-Emissionen auf der Welt auf das Konto der Modeindustrie gehen, genauso wie 20 Prozent der Wasserverschmutzung." Während zahlreiche Unternehmen vermehrt mit nachhaltiger Produktion werben, sprechen die Zahlen eine andere Sprache – lediglich drei Prozent der Kleidungsstücke weltweit werden tatsächlich recycelt.

Frauen schränken Käufe durch Teuerung mehr ein

Ein Problem, dessen sich die Konsumentinnen und Konsumenten zwar durchaus bewusst seien, ihre Kaufentscheidungen dahingehend aber nur marginal ändern, wissen die Expertinnen. Denn während 86 Prozent zustimmten, dass die Kleiderüberproduktion die Umwelt massiv belastet und Fast Fashion ein großes Übel sei (81 Prozent), gaben nur 40 Prozent der Befragten an, dass Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion ihre Kaufentscheidung beeinflussen. "Am Ende ist für die meisten der Preis ausschlaggebend", sagt Panhuber.

Ein Faktor, den die Teuerung im letzten Jahr begünstigte. Im zweiten Halbjahr 2022 gaben 40 Prozent weniger Geld für Kleidung aus als zuvor. Im Vergleich dazu veränderten 51 Prozent ihr Kaufverhalten gar nicht. "Vor allem Frauen spüren die Teuerungen stärker und schränken sich in weiterer Folge ein", sagt AK-Konsumforscherin Nina Tröger.

Neuer Zugang zu Kleidung unerlässlich

Unterdessen boomt vor allem bei jungen Menschen das Teilen und Tauschen von Kleidung. Jede zweite Person zwischen 16 und 29 Jahren gab an, 2022 Mode aus zweiter Hand gekauft zu haben. Dennoch habe die jüngere Generation einen höheren Verschleiß an Kleidung, weiß Panhuber. "Vor allem junge Menschen definieren ihre Persönlichkeit stark durch ihren Stil und wechseln aus diesem Grund auch ihre Kleidung häufiger." Nur zwei Jahre tragen circa 20 Prozent aller befragten Personen Teile wie Hosen und kurze Oberteile, bei Schuhen sind es sogar 30 Prozent. Dabei tragen Männer ihre Kleidung weniger lang als Frauen.

Lisa Panhuber ist Konsumexpertin bei Greenpeace
© Greenpeace/Mitja Kobal

In Zukunft brauche es laut Panhuber eine Bewusstseinsänderung bei den Konsumentinnen und Konsumenten. "Ein neuer Zugang zu Kleidung wird unerlässlich sein. Wir können es uns aufgrund der Klimakrise und sozialer Ungleichheit nicht mehr leisten, so verschwenderisch mit unseren Ressourcen umzugehen", sagt sie. Neben Maßnahmen, die Einzelpersonen setzen können, seien auch gesetzliche Änderungen notwendig. So fordern die Arbeiterkammer als auch Greenpeace unter anderem ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichtet, den Weg der Waren transparent offenzulegen. "Menschen tun sich schwer, nachhaltig zu handeln, weil viel Intransparenz bei Gütezeichen und im Herstellungsprozess herrscht. Gesetze könnten das vereinfachen", sagt Tröger.

Gesetz in Planung

Ein Gesetz gegen die Vernichtung von Waren sei unterdessen bereits in Arbeit. "Vor Weihnachten wurde geplant, wir hoffen, dass in den nächsten Wochen ein Gesetzesentwurf von der Regierung vorgelegt wird", so Panhuber. Die Zerstörung neuwertiger und unverkaufter Waren soll dadurch laut Umweltministerin Leonore Gewessler unterbunden werden.