85 Etappen, 800 Kilometer: Das sind die wichtigsten Eckdaten des Loire-Radwegs, der zu zwei Dritteln am Ufer des Flusses und zu einem Drittel durch schlösserreiches Weltkulturerbe der Unesco führt. Zweifellos eine fantastische Angelegenheit – aber für die meisten Radfahrerinnen und Radfahrer doch eine Nummer zu lang.

Ein alternatives Erlebnis für Pedalritter verbirgt sich in Saumur, ebenfalls an der Loire gelegen, mit einer märchenhaften Altstadt und Schloss versehen. 1851 kauften dort Etienne Bouvet und seine Frau Celestine Ladubay einen acht Kilometer langen, unterirdischen Stollen. In ihm sollten die edlen Tropfen reifen, auf denen sie ihr Unternehmen gegründet haben.

Acht Kilometer lang ist die unterirdische Radtour
© BOUVET LADUBAY

Prickeln und Pedale

Bis heute ist Bouvet Ladubay ein namhafter und gehaltvoller Hersteller von Schaumweinen. Doch kann man dort nicht nur einfach das Weingut und dessen Kellerei besichtigen – sondern mit dem Fahrrad durchfahren. Man setzt eine Stirnlampe auf, schwingt sich in den Sattel schicker Vintage-Fahrräder und taucht in den riesigen Weinkeller ab, fährt vorbei an schweren Eichenfässern und flaschenbestückten Weinregalen und bekommt zwischen den Etappen das Handwerk des Hauses erklärt.

Die unterirdischen Kammern liegen bis zu 40 Meter tief unter der Erde in weißem Kalkstein, wie er im Loiretal für Schlösser und Kirchen verwendet wird. Und plötzlich hat man selbst den Eindruck, sich in einer unterirdischen Kathedrale zu befinden. 2002 wurde der Künstler Philippe Cormand damit beauftragt, Säulen, Kapitelle und Reliefs aus dem Stein zu hauen, um eine Brücke zwischen dem Baumaterial und der Region zu schlagen.

Und da wären ja auch noch die Schaumweine: Verkostet wird nach der acht Kilometer langen Radtour, wenn man die Stirnlampe gegen Tageslicht getauscht hat.