Sie haben vor einem Jahr in einem Gastkommentar geschrieben, die Wissenschaft hat geliefert, wir haben die Evidenz und wissen, welche Maßnahmen in dieser Pandemie wirkungsvoll sind. Welche Maßnahmen sind das nun, im Herbst 2022?
HANS-PETER HUTTER: Wir haben in den letzten drei Jahren viel gelernt, über 300.000 wissenschaftliche Arbeiten wurden veröffentlicht. Die Erkenntnisse wurden der Politik und auch der Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Seit fast zwei Jahren wissen wir, was wir zu tun haben. Und das ist: den Immunschutz der Bevölkerung über möglichst hohe Durchimpfungsrate zu erreichen. Und durch die sogenannten nicht pharmakologischen Maßnahmen: Maske tragen, Hände waschen, Abstand halten – um das Risiko zu reduzieren, sich über Tröpfchen oder Aerosole anzustecken. Das ist alles nicht neu. Neu ist, dass es immer mehr Evidenz zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen gibt. Doch durch die sogenannte "Infodemie" in sozialen Medien werden viele nützliche Erkenntnisse, die dem Gesundheitsschutz dienen, in Zweifel gezogen.
Umweltmediziner Hutter
Haben es kaum geschafft, eine Balance zwischen Lockdown und "Alles laufen lassen" zu halten
Mit dem Coronavirus leben zu lernen, bedeutet nicht, dass es keine Maßnahmen mehr braucht, sagt Umweltmediziner Hans Peter Hutter. Ein Gespräch über die fehlende Lernfähigkeit unserer Gesellschaft und der Politik.
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