Zucker-FastenWelchen Effekt eine Zucker-Pause auf die Gesundheit hat

Natürlich essen wir zu viel Süßes. Doch wir haben hier einen schönen Vorgeschmack, damit der (vorübergehende) Verzicht auf Zucker leichter wird. Ein süßes Experiment als Auftakt zum Start unserer neuen Serie "2022 nehme ich mir vor ..."

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Zucker-Verzicht, Zucker-Pause
Keine leichte Übung: süße Pausen auslassen © Kleine Zeitung
 

Klar, Weihnachtskekse schmecken vor Weihnachten am besten, aber nur weil wir jetzt im neuen Jahr sind, heißt das nicht, dass wir nicht trotzdem Süßes wollen – sind es halt keine Kekse mehr, sondern Marzipanschweinchen. Aber was wäre, wenn man sich dennoch ein kleines Experiment zum Jahresstart genehmigen würde. Motto: Das ist kein Verzicht, wir wollen nur unsere Neugierde stillen.

Der Mensch braucht Zucker zum Leben, was er aber nicht braucht, ist jener Zucker, der uns langfristig krank macht. „Wir müssen dem Körper gar keinen Haushaltszucker geben, denn er kann vom Stoffwechsel her komplett ohne Zucker auskommen. Die nötige Glukose holt sich unser Körper aus den Kohlehydraten“, sagt Anita Eberl. Sie ist Chemikerin am Joanneum Research Graz und hat die Zusammenhänge zwischen Zucker und der Fettproduktion der Leber erforscht. Wir haben sie in unserem „Ist das noch gesund“-Podcast gefragt, was passiert, wenn man Zucker einfach ein paar Tage weglässt.

Mehr Energie, besserer Atem

Und das sind die positiven Ergebnisse: Erst einmal: mehr Energie. Wenn wir keine Schoko-Pausen mehr machen, dann verändert sich unser Blutzuckerspiegel. „Der Blutzucker wird stabiler und das führt dazu, dass man tagsüber mehr Energie hat“, so Eberl. Zu dieser Einschätzung passt eine große Meta-Analyse der University of Warwick. Dort hat man insgesamt 31 Studien ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass das oft zitierte Zucker-Hoch ein Mythos ist. „Die Analyse stammt aus 2019, ist also recht neu, und dort hat man sich ganz konkret angesehen, welchen Einfluss Zucker auf verschiedene Stimmungen hat, also auf die Laune. Das Ergebnis war, dass Zucker eben keinen positiven Effekt auf die Stimmung hat. Wichtig dabei ist, dass der Energieschub, den Zucker natürlich schon bewirkt, einfach sehr schnell wieder absinkt und die Teilnehmer sich danach müde und unkonzentriert gefühlt haben“, so Eberl. Wer also Zuckerpause macht, darf sich auf eine bessere Konzentration freuen und auf ein stabileres Energielevel.

Die nächste gute Nachricht: Der Atem wird frischer. Grund dafür ist, dass Zucker auch bei Bakterien sehr beliebt ist. Können diese sich nicht mehr so gut im Mund vermehren, weil ihnen die zuckrige Umgebung fehlt, riecht die Atemluft besser. Wer zumindest eine Woche auf zugesetzten Zucker verzichtet, bemerkt auch andere feine Auswirkungen des entlasteten Stoffwechsels und stabilen Blutzuckers. Der Schlaf wird tiefer und fester, auch Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten können sich legen. Und es wird auch langsam ein Gewichtsverlust bemerkbar, „die Jeans sitzt plötzlich etwas lockerer“, beschreibt es Eberl salopp.

Dennoch: Es ist nicht so leicht, auf Zucker zu verzichten, denn die süße Droge regt unser Belohnungszentrum an und so rebelliert unsere Psyche, wenn wir aufhören, Süßes nachzuliefern. In den ersten drei Tagen sehen die Entzugserscheinungen etwa so aus: Gereiztheit, Kopfweh, Müdigkeit. In der ersten sensiblen Phase sollte man deswegen versuchen, aus Routinen auszubrechen und die Naschlade auszuräumen. Statt der üblichen Nachspeise zu Mittag einen kleinen Spaziergang mit einer Freundin vereinbaren und am Abend zum Fernsehen an einem Stück Obst herumkauen. Klingt langweilig, ist es auch, aber es lenkt ab. In diesen ersten Tagen wird sich noch etwas verändern. Die Haut kann zuerst talgig und pickelig werden, dann jedoch wird sich das Hautbild zum Besseren verändern – noch ein gutes Ergebnis des Zucker-Fastens.

Zu viel Zucker, und das jeden Tag

Aber warum sollten wir denn überhaupt ein solches Experiment machen? Weil wir einfach zu viel Zucker zu uns nehmen, nämlich 91 Gramm pro Tag und nicht, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorschlägt, 25 bis 50 Gramm. Was daraus folgt? Die Österreicherinnen und Österreicher sind zu dick, denn die Mischung aus zu viel Zucker und zu viel Fett macht krank. Aber werden wir als Folge von zu viel Zucker automatisch zu Diabetikern? „Nicht unbedingt, Zucker hat zwar Kalorien und bewirkt, dass man zunimmt, aber man kann nicht sagen, dass man vom Zuckerkonsum Diabetiker wird. Diabetes heißt zwar Zuckerkrankheit, aber das ist dadurch bedingt, dass der Blutzucker zu hoch ist. Der Hauptauslöser für den Altersdiabetes, also den Typ-2-Diabetes, ist das Übergewicht, also falsche Ernährung und zu wenig Bewegung“, sagt Bernhard Ludvik. Er ist Facharzt für innere Medizin, für Endokrinologie und Diabetologie und ist Primarius an der Klinik Landstraße in Wien.

Es gibt also viele gute Gründe, um zumindest für ein paar Tage das Zucker-Leben pausieren zu lassen, aber wir haben auch noch einen kleinen Tipp für all jene, die sich so ein radikales Experiment gar nicht vorstellen mögen. Versuchen Sie einfach, keinen Zucker zu trinken. Also keine Softdrinks und auch keine dieser gerade so trendigen Smoothies. Alternative: Einfach Wasser trinken.

So gut geht es Ihnen ohne Zucker

Unser Körper braucht keinen Zucker. Denn er kann sich die Glukose aus den Kohlehydraten holen.

  • Gewicht: Weniger Kalorien fördern Gewichtsverlust.
  • Energie: Ohne Zucker bleibt die Energie auch tagsüber stabil, es fehlen die Zucker-Hochs und damit auch die Tiefs.
  • Atem: Ohne Zucker können sich Bakterien im Mund nicht gut vermehren – frischerer Atem ist die Folge.

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Danke für Ihr Verständnis.

dude
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Lesenswert?

Super Artikel!

Weiter so! Gesundheitsvorsorge ist ein extrem wichtiges Thema!
Vielleicht motiviert es den einen oder anderen einen "Zucker-Pausen-Selbstversuch" zu starten, und eventuell auch dabei zu bleiben!
Und schreibt unbedingt auch dazu, dass ein zuckersparendes oder gar zuckerfreies Leben mittelfristig zu weniger Übergewicht, zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu weniger Diabetes führt! Und somit auch zu einer viel stärkeren Resilienz gegenüber dem Corona-Virus! Die Chance für einen milden oder gar symptomlosen Verlauf steigt um ein Vielfaches!