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Britische VirusvarianteExperte warnt vor frühzeitiger Lockdown-Lockerung

MedUni-Experte sieht die Möglichkeit zur Lockerung des Lockdowns erst bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von 25 und im europäischen Gleichklang.

© APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
 

Der Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner hat vor einer frühzeitigen Lockdown-Lockerung gewarnt. Zum einen sei mit der wesentlich infektiöseren britischen Variante des Coronavirus eine neue Variable ins Spiel gekommen, zum anderen brauche es statt Alleingängen einen Gleichklang bei den Maßnahmen in Europa, sonst drohe ein "Pingpong-Effekt", führte Wagner im Gespräch mit der APA aus.

Beispielsweise würden viele europäische Nachbarländer wie etwa Deutschland oder Tschechien gerade den Lockdown verlängern und nicht lockern. Daher wäre es aus seiner Sicht "gefährlich", wenn Österreich in die andere Richtung ginge und womöglich die "Quelle neuer Infektionen" darstelle, so Wagner, der in diesem Zusammenhang auf die Initiative "Contain Covid-19" verwies.

Diese wurde von der Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann angestoßen und werde von zahlreichen europäischen Experten und Wissenschaftern unterstützt, die ein synchronisiertes Vorgehen aller europäischen Länder fordern, um das Virus einzudämmen bzw. ein immer neues Einschleppen ("Pingpong-Effekt") zu vermeiden.

Britische Mutation in Österreich angekommen

Auch gebe es eine Reihe von Indizien, dass sich die britische Variante des Virus bereits stärker ausgebreitet haben dürfte als bisher angenommen. Labor-Hinweise legten nahe, dass es deutlich mehr Fälle der B.1.1.7.-Variante gebe, was aus Wagners Sicht auch nicht verwunderlich wäre, wurden doch etwa im Nachbarland Slowakei bei 15 Prozent der Infizierten die britische Variante nachgewiesen.

APA
MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner © APA

Bis Mitte kommender Woche werde es dauern, bis die heute bei einer Stichprobe entdeckten Verdachtsfälle im Zentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften sequenziert und bestätigt sind. Sollte sich der Verbreitungsgrad in Österreich tatsächlich ähnlich wie in der Slowakei verhalten, dann sei es "eine Frage von zwei Wochen", bis sich die britische Variante hierzulande durchgesetzt habe.

Sollte die britische Variante tatsächlich schon weiter fortgeschritten sein, dann müsse die Sieben-Tages-Inzidenz durch einen massiven Lockdown von derzeit rund 150 auf "deutlich" unter 50, am besten auf 20 bis 25 gedrückt werden, bevor an Lockerungsschritte gedacht werden kann.

Dass sich diese derzeit auf dem Niveau von 150 eingependelt habe und nicht weiter sinke, könne verschiedene Gründe haben. Etwa, dass sich die Bevölkerung nicht mehr so strikt an die Maßnahmen halte, oder das Virus wurde infektiöser. Letzteres könnte auch daraufhin deuten, dass sich die britische Variante bereits stark verbreitet habe.

Öffnung nur mit strikten Maßnahmen

Öffnungsschritte kann sich Wagner - sollte es die Sieben-Tages-Inzidenz erlauben - nur mit strikten Maßnahmen vorstellen. Etwa einer FFP2-Masken-Pflicht in geschlossenen Räumen, wenn sich mehr als eine Person darin aufhält. Die Abstandsregel müsse auf zwei Meter ausgedehnt werden und die Bevölkerung müsse wöchentlich mit Schnelltests durchgetestet werden, so Oswald Wagner: "Investitionen in Schnelltests und FFP2-Masken sind billiger als jeder weitere Tag Lockdown."

Er sei ein "massiver Verfechter der Eradikations-Strategie", also des Versuchs der kompletten Auslöschung des Virus: "Mit dem Virus leben lernen" habe als Strategie nicht nur aus medizinischer, sondern auch wirtschaftlicher Sicht katastrophal versagt. Das zeige auch ein Vergleich der ökonomischen Entwicklung mit asiatischen Ländern und Australien.

Lichtblick sei die "völlig sichere und erstaunlich effektive Impfung", denn damit könnten in den nächsten Monaten vulnerable Gruppen und à la longue alle jene, die sich impfen lassen, komplett geschützt werden.

Kommentare (13)
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helmutmayr
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Man wird

sich wohl auch die Impfstrategie überlegen müssen. Besser wäre es wohl meine Kinder zu impfen damit im Ernstfall nicht meine Enkel zu Waisen oder Halbwaisen werden. Wenn es mich, sprich den Opa erwischt, dann wars Pech. Ich habe mein Leben gelebt. Die Kinder und Enkel haben es noch vor sich.
Bis dato haben wir gelernt die Jugend ist unsere Zukunft. Warum es jetzt plötzlich ich sein soll ?????

Ba.Ge.
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Weil Corona

bislang (nicht nur aber) eher bei älteren Menschen einen schweren Verlauf aufwies, so dass (intensiv)medizinische Ressourcen benötigt wurden.
Also wird mit ihnen begonnen - so hätte zumindest ich es verstanden

Franzzz
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Der "Baby Elefant" wird das Problem nicht lösen

Wenn sich Menschen in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen aufhalten, dann freut sich SARS-COV2....so einfach ist das - durch Abstand und Maske (nur FFP2 schützt auch vor Aerosolen) reduziert sich das Risiko etwas, Händewaschen wird überschätzt. Das ist Konsens aller seriöser Wissenschaftler. Leider Ich sehe ich auch im Lockdown derzeit viele Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen einfach nicht daran halten. Solange privat gefeiert wird und beruflich die sonst verbotenen sozialen Kontakte ausgelebt werden, werden sich die Zahlen nicht nachhaltig senken. Wir haben keinen harten Lockdown, aber die Gastronomie. Handel und Tourismus werden durch die lange Dauer massiv geschädigt. Mit der Mutante B.1.1.7 ist mit den aktuellen Maßnahmen keine nachhaltige Besserung der Lage ersichtlich. Ein massiver Lockdown wie im Frühjahr würde von Menschen nicht mehr mitgetragen. Tausende Tote in Österreich in den nächsten 2-3 Monaten werden die Folge sein.

Ba.Ge.
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Dieser Elefant ist mittlerweile kein Baby mehr!

Ist ja mittlerweile fast ein Jahr alt und schon gewachsen 🤗😅

pregwerner
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Die Experten machen das ja nur...

...damit wir sicher Leben können!

Die Experten können sich gleich auch Gedanken darüber machen, wovon wir den? leben sollen, wenn keiner mehr einen Job haben wird.

lucie24
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Stopp

dem Expertenwahnsinn!

hermannsteinacher
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ExpertInnenwahnsinn

(laut SprachidiotInnen)

helmutmayr
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So nach dem Motto:

CORONA überstanden. Wirtschaft verreckt, Menschen verarmt, soziale Unruhen.
Politische Spannungen, Suizide und die geimpften Alten zwischenzeitig auch verstorben.
Amazon, Google, MS etc. beherrschen mit ihren Vermögen die Welt.
China hat die westlichen Länder eingepackt und sind der unumstritte politische Hegemon.

ARadkohl
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Bin zu 100 Prozent ihrer Meinung.

Ich behaupte immer wieder, mit richtigen Verhalten wäre soviel möglich. Würde Abstand halten, Maske tragen und und und... Hauptsache jeden Lockdown vermeiden. Wenn die Wirtschaft ruiniert ist, sind wir alle ruiniert.

MM1995
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Schmerzlos Experte

25 als Inzidenz ... So ein Mensch kann kein Experte sein. Es war immer 100 als Obergrenze. Wie soll man im Winter 25 schaffen? Völlig unnötige Artikel des hundertsten Experten!

Hapi67
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Die wahre Gefahr

Sind diese angeblichen Experten.
Seine Forderungen bedeuten monatelangen Lockdown bzw. einsperren.
Und das bei einer geringeren Übersterlichkeit wie bei einer starken Grippesaison.
Gegen welchen Pfosten sind diese Experten gerannt.

gonzolo
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Gegen welchen Pfosten …?

Na ja – hängt davon ab, ob du mal in deren Nähe warst …

Und ansonsten - verzapf hier keine Unwahrheiten …

Lamax2
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Experten...

...gibt es offensichtlich wie Sand am Meer. Können Experten gar nicht irren? Welchem soll ich glauben? Welcher hat die Wahrheit gepachtet? Ja- keinem-keiner. Man muss sich also nach Mehrheitsentscheidungen richten. Es haben also auch diese Mehrheitsentscheider das Recht, alle zu verteufeln, die nicht dieser Meinung sind- oder?