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Neurowissenschaftlerin erklärt "Geschmack entsteht bereits im Mutterleib"

Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia erklärt in ihrem neuen Buch, wie der richtige Speiseplan für ein fittes Hirn aussieht, warum Gehirn und Darm einander so beeinflussen und wie unser Geschmack schon als Embryo programmiert wird.

Fresh vegetables in woman head symbolizing health nutrition
© Prostock-studio - stock.adobe.co
 

Sprüche wie „Du bist, was du isst“ zeigen, welchen Einfluss Ernährung auf uns hat. Wie groß ist der Einfluss der Nahrung, wenn es um die geistige Fitness geht?
Manuela Macedonia: Dass Ernährung mit unseren geistigen Fähigkeiten und auch unserer psychischen Gesundheit bereits ab dem Mutterleib im Zusammenhang stehen, wissen leider noch wenige. Industriell verarbeitete Lebensmittel, wie Pommes, Croutons, Tiefkühlpizza, die Transfette enthalten, können Entzündungen im Körper und somit auch im Gehirn verursachen. Es handelt sich nicht um akute Entzündungen, mit Schmerz, Schwellungen oder Symptomen. Es sind leise Entzündungen, sie verändern aber das Gehirngewebe mit der Zeit und dadurch auch unsere Fähigkeit zu lernen, zu entscheiden, zu planen. Sie steigern aber auch das Risiko, psychisch zu erkranken – zum Beispiel an Depression.


Sie haben Ihr Buch Ihrer „Mamma“ gewidmet. Sie waren ein Frühchen und schreiben, dass Sie unter anderem wegen Ihrer italienischen Küche überlebten, weil sie Ihr Hirn stärkte. Warum ist sie so gesund?
Die mediterrane Küche enthält sehr viel Gemüse und Obst. Sie sind wichtige Lieferanten von Ballaststoffen und Pflanzenpolyphenolen. Zum einen sind die Ballaststoffe für unseren Darm wichtig, der im Zusammenhang mit vielen Gehirnfunktionen steht, zum anderen halten die Polyphenole die Zellwände des Gehirns elastisch und vital.

Polyphenole

Diese Aromastoffe kommen in Pflanzen vor und befinden sich in den Randschichten von Obst,
Gemüse und Getreide. Sie senken unter anderem das Risiko für bestimmte Krebsarten, stärken das
Immunsystem und helfen gegen Entzündungen.

Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia Foto © (c) Sabine Kneidinger

Person und Buch

Manuela Macedonia ist Neurowissenschaftlerin, sie forscht am Max-Planck-Institut Leipzig und lehrt an der Linzer Johannes-Kepler-Universität.
www.macedonia.at
In ihrem neuen Buch erklärt sie, welchen Einfluss die Ernährung auf die Leistung unseres Gehirns hat.
Iss dich klug! Dein Gehirn freut sich. Ecowin, 200 Seiten, 24 Euro.


Inwiefern beeinflussen sich Gehirn und Darm gegenseitig?
Das Gehirn beeinflusst die Darmfunktionen, ob wir zum Beispiel durch Stress das Reizdarmsyndrom oder Verstopfung bekommen. Da wir aber auch Neuronen im Darm haben, die Botenstoffe wie Serotonin ausschütten, beeinflusst der Darm das Gehirn und somit unsere psychischen Funktionen.

Darm-Mikrobiom

Es ist das komplexeste und größte Mikrobiom des Körpers und hat daher enormen Einfluss auf Gesundheit und Psyche. Die Ernährung beeinflusst seine Zusammensetzung. Sie sollte faser- und ballaststoffreich sein, mit einem hohen Anteil von Vollkorn, Gemüse und Obst.



Worauf sollte man bei seiner Ernährung also achten, um körperlich und geistig fit zu bleiben?
Wir sollten uns bewusst werden, dass minderwertige Ernährung unserem Gehirn, dadurch unseren geistigen Fähigkeiten und unserer Psyche, maßgeblich schadet – und das schon im Mutterleib. Wichtig ist auch zu wissen, dass nicht alle dasselbe essen sollen oder müssen. Die Verträglichkeit und Verwertbarkeit von Lebensmitteln ist unter anderem genetisch bedingt. Es gibt leider kein Rezept für alle. Man sollte sich aber möglichst „bunt“ ernähren, also viel frisches Gemüse und Obst und von allem ein bisschen essen: Nur so sind wir auf der sicheren Seite.

Kommentare (1)
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Analyst_009
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Geschmack

entsteht im Mutterleib - wo denn auch sonst als dort, wo der Embryo sich entwickelt. Guter Geschmack jedoch kommt sicherlich woanders her.