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ArbeitspsychologinSo macht sich Homeoffice für beide Seiten bezahlt

Arbeitspsychologin Michaela Höfer weiß wie Arbeitnehmer sowie Firmen profitieren können.

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Female student at home studying.
© Getty Images
 

Ist Homeoffice für jeden etwas?
Michaela Höfer: Nein, es gibt Menschen für die das gut passt. Vor allem jüngere Arbeitnehmer freuen sich, wenn sie von zu Hause aus arbeiten können. Für sie ist es auch ein großer Benefit. Aber erst, wenn man es einmal ausprobiert hat und merkt wie es einem dabei geht – dann erst kann ich entscheiden, ob das der richtige Weg für mich ist.

Studien zufolge arbeiten Menschen zu Hause ja mehr als im Büro.
Das sehe ich kritisch. Freiheit ist immer etwas Schönes, aber man muss auch lernen, mit ihr umzugehen. Im Homeoffice muss man lernen, Grenzen zu setzen. Wann beginnt und endet die Arbeit? Man sollte für sich selbst Zeiten formulieren. Man sollte die Arbeit mit einem klaren Beginn- und Endpunkt festsetzen – auch mithilfe von Ritualen wie Computer auf- und abbauen oder Handy ein- oder ausschalten. Dann kann die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit gelingen. Man muss auch mit dem Arbeitgeber vereinbaren, wann man erreichbar ist. Man sollte gemeinsam einen Weg finden, der für den Menschen, das Unternehmen, aber auch fürs Team gut passt.

Effizienz

In Österreich gibt es keinen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Es besteht aber die Möglichkeit, diese zu vereinbaren, wenn sie von beiden Seiten gewünscht ist. In diesem Fall muss sie in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. 
Das deutsche Arbeitsministerium will weg von der „Präsenzkultur“ und plant einen Rechtsanspruch von Arbeitnehmern auf Homeoffice. Ein Gesetzentwurf für das Anrecht auf Homeoffice soll bis zum Jahresende vorliegen.
13,5 Prozent effizienter waren Studienteilnehmer, die im Homeoffice arbeiteten.
Sie waren auch seltener krank– die Ausfallrate war 50 Prozent niedriger.


Gibt es Dinge auf die man als Ausgleich achten muss?
Durchaus, es ist für Menschen wichtig, dass sie einmal rauskommen. Wenn man alle Dinge von zu Hause aus macht, stellt sich die Frage: Wie viel Licht und frische Luft bekomme ich? Wie viel bin ich in Bewegung? Das alles sind zentrale Faktoren für die Gesundheit von Menschen. Und der Weg in die Arbeit bietet viele dieser Faktoren. Gerade im Homeoffice muss ich aufpassen, dass ich auch ansonsten ein ausgeglichenes Leben habe.

Inwiefern spielt die Technik eine Rolle?
Sie ist zentral. Wir hören oft, dass sich Arbeitnehmer mühsam in firmeninterne Netze einloggen müssen, was die meiste Zeit nicht funktioniert. Dadurch entsteht Ärger und man wird ineffizient und bringt nicht die Leistung, die man sich selbst und das Unternehmen wünscht.

Wie wichtig ist Kleidung im Homeoffice?
Mit dem Pyjama zu arbeiten, ist Geschmackssache. Für viele Menschen ist es etwas Schönes, wenn sie sich morgens ein bisschen herrichten. Das kann daheim verloren gehen. Wir empfehlen, dass man sich für die Arbeit schon etwas anderes anzieht als den Pyjama.

Wie sieht es im sozialem Bereich aus?
Wir wissen aus vielen Studien, dass das Gemeinschaftsgefühl etwas ganz Wichtiges für Menschen in der Arbeit ist. Für kreative Arbeiten ist es also gut, wenn man sich zuhause verkriecht, aber dann sollte man schon auch mit dem Team zusammenkommen. Es geht ja auch darum, dass gesehen wird, was man leistet. Und: Man ist von Klatsch und Tratsch ausgeschlossen, informelle Informationen gehen verloren.

Wie sollte man als Unternehmen mit Homeoffice umgehen?
Es sollte eine generelle Regelung geben. Wenn nur einige aus der Abteilung Homeoffice machen dürfen und andere nicht, dann kommt das Gerechtigkeitserleben innerhalb des Unternehmens extrem durcheinander und das ist sehr schädlich fürs Team. Das erleben wir leider sehr oft.