ORF-WahlInsgesamt 14 Bewerbungen für Generaldirektorenposten

ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann aussichtsreichster Kandidat für die Wahl am 10. August. Amtsinhaber Wrabetz und ORF 1-Channelmanagerin Totzauer nicht chancenlos.

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Am 10. August fällt die Entscheidung
Am 10. August fällt die Entscheidung © (c) APA/HANS PUNZ
 

Insgesamt 14 Personen haben sich bis zum Ende der Ausschreibungsfrist für den ORF-Generaldirektorenposten beworben. Zu den bereits bekannten Kandidaten gesellte sich eine Reihe von Bewerbern ohne Aussicht auf Stimmen sowie der langjährige ORF-Journalist Julius Kratky. ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann dürfte derzeit die besten Karten auf den ORF-Chefsessel haben. Amtsinhaber Alexander Wrabetz und ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer sind nicht chancenlos.

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger hat am Donnerstag in einer Aussendung folgende Bewerber und Bewerberinnen bekannt gegeben: Monika Bartl-Juschitz, Heinz Charwat, Karlpeter Elis, Sabine Hess, Julius Kratky, Axel Mayrhofer, Günter Ofner, Thomas Prantner, Carl Maria Schulte, Barbara Spitzer, Harald Thoma, Elisabeth Totzauer, Roland Weißmann, Alexander Wrabetz.

Bis Dienstag, 3. August, 12 Uhr haben Mitglieder des Stiftungsrats die Möglichkeit, weitere Personen nachzunominieren. Um zum nicht-öffentlichen Hearing am 10. August und damit dem Tag der Wahl eingeladen zu werden, müssen Bewerber mindestens von einem Stiftungsrat des 35-köpfigen obersten ORF-Gremiums nominiert werden. Diese haben dafür bis 6. August um 12 Uhr Zeit. Die Stiftungsräte wählen den neuen ORF-Chef bzw. die neue Chefin in offener, nicht geheimer Abstimmung. Abgestimmt wird dabei nur über Personen, die auch am offiziellen Hearing teilgenommen haben.

Bei der Wahl wird ein Dreikampf zwischen Amtsinhaber Wrabetz, Weißmann und Totzauer erwartet, wobei Weißmann derzeit die besten Karten haben dürfte. Er gilt als ÖVP-Wunschkandidat, wenngleich er betont, kein Kandidat einer Partei zu sein und sich zu hundert Prozent dem ORF und seinem Publikum verpflichtet zu fühlen. Die Kanzlerpartei kommt mit bürgerlichen und diesen nahestehenden unabhängigen Stiftungsräten auf eine Mehrheit im obersten ORF-Gremium.

Ein mögliches Szenario ist, dass Totzauer im ersten Wahlgang so manche bürgerliche Stimme bekommt und es eines zweiten Wahlgangs bedarf. Amtsinhaber Wrabetz sollte man auch nicht vorzeitig abschreiben. Der Taktiker hat in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt, auch unwahrscheinliche Mehrheiten schmieden zu können. Die Bewerbung von ORF-Technik-Vizedirektor Thomas Prantner dürfte nach Ansicht von Beobachtern vor allem strategische Gründe haben, um sich für die Bestellung der ORF-Direktoren im September in eine gute Position zu bringen.

Die ÖVP-Mehrheit

Noch offen ist, wie die den Grünen nahestehenden Stiftungsräte abstimmen werden. Dem Vernehmen nach könnten die Grünen bei einer Unterstützung des ÖVP-Wunschkandidaten Weißmann mit zwei Direktorenposten rechnen, was Lothar Lockl, der für die drei Räte spricht, jedoch dementierte.

18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Die Mitglieder des Stiftungsrats werden von Regierung (9), Parlamentsparteien (6), Bundesländern (9), ORF-Publikumsrat (6) und Zentralbetriebsrat (5) beschickt und sind - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert.

Seit dem Frühjahr des Vorjahres verfügt die ÖVP mit von ihr entsendeten und türkis-nahen Räten über eine Mehrheit. Die SPÖ ist mit fünf, die FPÖ mit vier und die Grünen mit drei Gremienmitgliedern vertreten. Die NEOS stellen eine Rätin. Der einst von den Freiheitlichen bestellte und später von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängerte Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer gehört keinem "Freundeskreis" an. Komplettiert wird die Runde durch fünf Unabhängige, bestehend aus drei Betriebsräten und zwei von der türkis-grünen Regierung gemeinsam nominierten Personen.

Am 16. September bestellt der Stiftungsrat auf Vorschlag des gewählten Generaldirektors maximal vier zentrale Direktoren sowie neun Landesdirektoren. Am 1. Jänner 2022 beginnt die fünfjährige Amtsperiode des künftigen ORF-Chefs.

Im Vorfeld der ORF-Wahl dürfte es zumindest zu drei Konzeptpräsentationen der Bewerber und Bewerberinnen kommen. Für einen "NEOS Lab Talk" am 5. August haben Wrabetz, Weißmann, Totzauer, Prantner und Kratky zugesagt. Am selben Tag könnte auch der ORF-Zentralbetriebsrat zu einem internen Hearing laden. Eine öffentliche Präsentation auf ORF III ist in Vorbereitung, wobei der 9. August und damit der Tag vor der Wahl zuletzt als Termin kolportiert wurde.

 

Kommentare (6)
4e49ee76994728c6d666ac2c5e590433
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Der Posten wird sicher

in der Familie bestimmt und dann zugeteilt, wie schon gewohnt!

lumpi50
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Türkise

Kampfposter dominieren offenbar auch hier

Vielgut1000
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Das kann doch nicht sein.

Hier sind doch nur linke oder extreme Kampfposter unterwegs. Jedenfalls, ist das mein bisheriger Eindruck. Werde daher in nächster Zeit genauer beobachten.

fon2024
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Andaman

Was macht der alte Steger noch dabei,da kann man auch die Stenzl noch nominieren.

Hintschi
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Politische Freundeskreise

Alleine wenn ich diese Bezeichnung schon lese kommt mir das kotzen. Was hat unabhängiger Journalismus mit politischen Freundeskreisen zu tun? Einfach nur ekelhaft!

Vielgut1000
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Auch Politiker haben das Recht Freunde zu haben.

Freunde zu haben ist etwas sehr Positives.