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Das erste Programm von Bogdan RoščićEvolution am Opernring

Zehn Premieren zeigt Wiens Staatsoperndirektor Bogdan Roščić in der ersten Saison. Die bringt keine Revolution, sondern belegt die Evolution, die das Genre szenisch durchlebt.

Elīna Garanča wird in Wagners "Parzifal" singen
Elīna Garanča wird die Kundry in Wagners "Parsifal" singen © APA
 

Mitten in der Coronakrise, während das Haus geschlossen ist, mit der Ungewissheit, ob und wie im September wieder Normalität einkehren kann: Genau in dieser Phase musste der neue Staatsoperndirektor Bogdan Roščić seine erste Spielzeit, Frucht jahrelanger Planungsarbeit, präsentieren. Ein seltsamer Moment, aber eventuell auch der richtige, um die Lebensfähigkeit der Kunst in Erinnerung zu rufen.

Wenn alles nach Plan läuft, wird Roščić seine Ära mit „Madama Butterfly“ beginnen. Asmik Grigorian singt die Titelrolle in einer Inszenierung des 2008 verstorbenen Film- und Theaterregisseurs Anthony Minghella, die 2005 in London Premiere hatte. Dass unter den zehn Premieren der Saison einige solche Übernahmen sind, ist  Roščićs Vorhaben geschuldet, keine Revolution auszurufen und auf Raritäten und Uraufführungen zu setzen, sondern möglichste viele Kernstücke des Repertoires so schnell wie möglich szenisch zu erneuern. Dabei ersetzt mitunter Altes das noch Ältere: Die „Carmen“-Regie von Franco Zeffirelli wird von einer Calixto Bieitos abgelöst, die bereits an 29 Häusern zu sehen war. Aber es gibt spektakulär Neues: wie etwa Wagners „Parsifal“ mit Jonas Kaufmann und Elīna Garanča, inszeniert vom in Hausarrest befindlichen russischen Regimekritiker Kirill Serebrennikov.

Zehn Saisonpremieren sind außergewöhnlich, hatte doch überhaupt erst Vorgänger Dominique Meyer die Anzahl auf sechs erhöht. Ab der Saison 2021/22 wird sich das wieder „normalisieren“, unter Beibehaltung des eingeschlagenen Weges: In den Folgesaisonen inszeniert Barrie Kosky Mozarts Da-Ponte-Trilogie neu, Simon Stone widmet sich „Wozzeck“ und Calixto Bieito „Tristan“.

Wegbegleiter bei der Erneuerung sind Musikdirektor Philippe Jordan, der aus Paris nach Wien kommt, und der Ballettchef Martin Schläpfer. Jordan wird nicht nur drei Premierenproduktionen dirigieren, sondern auch im Repertoirealltag gegenwärtig sein: So studiert er den „Rosenkavalier“ neu ein und steht auch bei den Folgeaufführungen in den nächsten Jahren am Pult. Roščić erklärt, das hauseigene Sängerensemble besonders stark ins Licht rücken zu wollen – obwohl die Opernstars natürlich weiterhin gastieren werden.

Es ist zu erwarten, dass Roščić die Marketingbemühungen stark steigert, dazu gehört auch die Erweiterung des digitalen Angebots. Die Streams aus der Staatsoper werden in Österreich gratis sein. Ein Service für alle Steuerzahler, deren Beiträge die Staatsoper ja entscheidend mitfinanzieren, für die der Weg nach Wien aber vielleicht zu beschwerlich ist oder die Karten einfach zu teuer.

Von den Marketingbemühungen zeugt auch, dass das Programm heute ab 21.30 Uhr in ORF III präsentiert wird. Dabei ist unter anderem Anna Netrebko zu hören, die im leeren Haus eine Arie singt. Bogdan Roščić  sprach im Vorfeld von einem bewegenden Moment.

Die Premieren im Überblick

Madama Butterfly
von Giacomo Puccini
Dirigent: Philippe Jordan
Inszenierung: Anthony Minghella
7. September 2020

Die Entführung aus dem Serail
von Wolfgang Amadé Mozart
Dirigent: Antonello Manacorda
Inszenierung: Hans Neuenfels
12. Oktober 2020

Eugen Onegin
von Pjotr I. Tschaikowski
Dirigent: Tomas Hanus
Inszenierung: Dmitri Tscherniakov
25. Oktober 2020

Das verratene Meer
von Hans Werner Henze
Dirigentin: Simone Young
Inszenierung: Jossi Wieler, Sergio Morabito
13. Dezember 2020

Carmen
von Georges Bizet
Dirigent: Andrés Orozco-Estrada
Inszenierung: Calixto Bieito
6. Februar 2021

La Traviata
von Giuseppe Verdi
Dirigent: Giacomo Sagripanti
Inszenierung: Simon Stone
4. März 2021

Parsifal
von Richard Wagner
Dirigent: Philippe Jordan
Inszenierung: Kirill Serebrennikov
1. April 2021

Faust
von Charles Gounod
Dirigent: Bertrand de Billy
Inszenierung: Frank Castorf
23. April 2021

L'incoronazione di Poppea
von Claudio Monteverdi
Dirigent: Pablo Heras-Casado
Inszenierung: Jan Lauwers
22. Mai 2021

Macbeth
von Giuseppe Verdi
Dirigent: Philippe Jordan
Inszenierung: Barrie Kosky
10. Juni 2021

Wiederaufnahmen:

Elektra
von Richard Strauss
Dirigent: Franz Welser-Möst
Inszenierung: Harry Kupfer
8. September 2020

Don Carlos
von Giuseppe Verdi
Dirigent: Bertrand de Billy
Inszenierung: Peter Konwitschny
27.September 2020

Le Nozze di Figaro
von Wolfang Amadé Mozart
Dirigent: Philippe Jordan
Inszenierung: Jean-Pierre Ponelle
24. Jänner 2021

Ballettpremieren:

Hollands Meister
Choreografie: Leon & Lightfoot, van Manen und Kylian
20. September

Mahler, live
Choreografie: Martin Schläpfer und Hans von Manen
24. November

Ein deutsches Requiem
Choreografie: Martin Schläpfer
30. Jänner 2021

Promethean Fire
Choreografie: Taylor, Schläpfer, Morris
15. Mai 2021

A Suite of Dances
Choreografie: Georges Balanchine, Jerome Robbins
23. Mai 2021

Tänze Bilder Sinfonien
Choreografie: Balanchine, Ratmansky, Schläpfer
26. Juni 2021

www.wiener-staatoper.at

 


 

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Amadeus005
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Kauft Produktionen aus dem Ausland

Macht im Inland Alles zu. Erinnert mich an Ö3 und dem Abdrehen von Austropop. Wieso darf er das schon wieder? Darf die Österreischische Szene für Dekaden ruiniert werden?

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