Wie sind Sie mit den „Geschichten vom Franz“ sozialisiert worden?
URSULA STRAUSS: Ich kenne die „Geschichten vom Franz“ erst, seitdem ich das Drehbuch gelesen habe.


Sie sind gar nie in Berührung damit gekommen?
Nein, ich habe viele andere Bücher von Christine Nöstlinger gelesen wie „Die feuerrote Friederike“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ oder „Rosa Riedl Schutzgespenst“. Die Mädchen-Figuren haben mich mehr angesprochen. Auch, weil ich aus einem Haushalt mit drei Brüdern komme und das Bedürfnis nach weiblichen Identifikationsfiguren hatte. Hätte ich von der Gabi in den „Geschichten vom Franz“ gewusst, hätte ich es gelesen.


Die Bücher wurden neu von Sarah Wassermair adaptiert, sie hat die Rollenbilder aufgebrochen. Der Vater von Franz ist lieber zu Hause und bäckt Kuchen, während Sie als Mutter das Geld heim bringen. All das wird in einer Selbstverständlichkeit gezeigt. Sind das noch Nöstlinger-Figuren?
Das Drehbuch ist wirklich sehr gelungen und ich finde, dass das noch eindeutig Figuren im Sinne Christine Nöstlingers sind – angesiedelt im Heute.


Was begeistert Sie an Nöstlingers Texten und Figuren?
Sie hat Figuren geschaffen, die sie hundertprozentig ernst nimmt. Sie bemitleidet sie nicht. Sie lässt ihre Figuren sehr aus sich heraus erstarken. Es sind immer Außenseiter, die irgendein Problem haben, aber die das eigenständig hinter sich lassen.


Und an ihrer Sprache?
Ihre Sprache ist, sieht man sich die Lyrik in „Iba de gaunz oaman Leit“ an, große Literatur. Sie ehrt die österreichische Sprache und verwendet den Sprachschatz in all seiner Fantasiebegabung und all seiner Härte. Und gleichzeitig steckt die Sprache voller Humor und Tiefe.


Es geht um Mobbing, Solidarität, Zusammenhalt, Selbstvertrauen, Zivilcourage ...
.... um den Umgang mit sozialen Medien und dem Menschsein darin und damit. Mit Leichtigkeit wurden ganz große Themen hineingepackt.


Wie liefen die Dreharbeiten mit dem jungen Ensemble?
Das hat super funktioniert. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen mit Kindern am Set gemacht. Es ist ihre ursprüngliche Art: Wenn sie keine Lust haben, haben sie keine Lust. Und wenn schon, ist es lustig. Das ist so unverfälscht und schön, ganz ohne Filter.


Einmal sagen Sie zu Franz: „Du bist gut so, wie du bist.“ Da steckt so viel drinnen, in einer Zeit, in der immer alle glauben, man müsste sich neu erfinden und optimieren.
Durch soziale Medien sind wir ständig mit einer starken Pseudo-Perfektion konfrontiert, der wir stets hinterherhecheln und uns selber nicht mehr mögen, weil wir nicht so sind wie andere. Diese Vergleichsfalle ist schon ohne soziale Medien nicht gesund. Aber mit ihnen ist es schier unmenschlich, die Vorgaben, wie man zu sein hat, auch zu erfüllen.


Wie halten Sie es denn mit den sozialen Medien?
Ich bin auf Instagram, das macht mir auch Spaß, weil ich dort Fotos und kleine Filmchen machen kann. Ich verwende es aber ausschließlich beruflich. Privat würde ich das niemals tun.

Zum ersten - aber nicht zum letzten - Mal spielen sie ein Ehepaar: Ursula Strauss und Simon Schwarz
© NGF/Wild Bunch Germany


Warum nicht?
Mein Privatleben ist mein Schutzbereich und Rückzugsort. Instagram verwende ich nur, wenn ich Lust dazu habe. Ich lasse mich nicht davon versklaven.


Sie sind erstmals mit Simon Schwarz als Ehepaar zu sehen. Könnte es in der Konstellation eine Fortsetzung geben?
Ja, die gibt es. In einem der ersten Interviews am Set von „Die Geschichten vom Franz“ haben wir gesagt, dass wir uns das wünschen würden. Und so ist das eben manchmal mit den Wünschen ans Universum – irgendwann werden sie erhört. Das ist schnell gegangen. Wir stehen demnächst für eine ORF-Serie wieder gemeinsam als Ehepaar vor der Kamera.


Wie hat sich Ihr Beruf in der langen Karriere verändert?
Ich habe immer das Gefühl, ich hätte gestern angefangen. Aber das stimmt ja gar nicht (lacht).