Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Überraschungen bei BerlinaleGoldener Bär geht an rumänischen Film "Bad Luck Banging or Loony Porn"

Die Bären in Berlin sind vergeben, verliehen werden die Preise erst bei Teil zwei des Filmfestivals im Juni. Die Berlinale-Jury traf einige überraschende Entscheidungen. Mehr in Kürze.

Drehbuchautor und Regisseur Radu Judes ("Bad Luck Banging or Loony Porn") bei der Berlinale 2015
Drehbuchautor und Regisseur Radu Judes ("Bad Luck Banging or Loony Porn") bei der Berlinale 2015 © AFP
 

Knapp und bündig via Videokonferenz gab die Berlinale die Gewinnerinnen und Gewinner der 71. digitalen ersten Festivalhälfte in kurzen, aber wenig aussagekräftigen Begründungen bekannt. Und die Jury, bestehend aus den Preisträgerinnen und Preisträgern vergangener Jahre, traf einige überraschende Entscheidungen. Sowohl Dominik Graf als auch Celine Sciamma und ihre favorisierten Filme gehen leer aus. So geht der Goldene Bär der heurigen Festivalausgabe an den rumänischen Film "Bad Luck Banging or Loony Porn" von Drehbuchautor und Regisseur Radu Judes. Die Jury begründete ihre Wahl so: „Der Goldene Bär geht an einen Film, der die seltenen und grundlegenden Eigenschaften eines beständigen Kunstwerks besitzt. Es fängt auf der Leinwand den eigentlichen Gehalt, die Quintessenz, Geist und Körper, die Wertvorstellungen und das nackte Fleisch unseres gegenwärtigen Augenblicks ein. Genau dieses Augenblicks menschlichen Daseins. Er tut das, indem er den Zeitgeist heraufbeschwört, ihn ohrfeigt, zum Duell herausfordert."

Weitere Preisträgerinnen und Preisträger

Über einen Silbernen Bären und dem Großen Preis der Jury darf sich der Episodenfilm "Wheel of Fortune and Fantasy" des japanischen Filmemachers Ryusuke Hamaguch freuen, über den Jury-Preis und einen Silbernen Bären Maria Speth für ihre Doku "Herr Bachmann und seine Klasse". Und als bester Regisseur wurde indes der Ungar Denes Nagy für sein Debüt "Natural Light" mit einem Silbernen Bären für sein düsteres, aber furios fotografiertes Kriegsdrama geehrt.

Die Filmkritik von Marian Wilhelm

Mit dem Titel „Bad Luck Banging or Loony Porn“ verspricht Radu Jude als Gewinner eines Silbernen Bären 2015 heuer mehr Unterhaltung als er dann wirklich liefern will. Eine dreiminütige Hardcore-Sexszene als Einstieg in den Film hätte im vollbesetzten Berlinale-Kino vor 1000 Fachbeuschern vielleicht noch zur künstlichen Provokation getaugt. Die restlichen gut 100 Filmminuten voller beliebiger Alltags-Szenen, absurder Bilder, anekdotischer Texte und banaler Gespräche sind aber eher eine unzusammenhängende Videoclip-Kompilation plus Kurzfilm als ein wirklicher konsistenter Spielfilm. Einige politisch-kritische Kommentare über das verkommene Rumänien des Jahres 2021 mischen sich darunter. Am Ende heißt es immerhin selbstironisch „The film was but a joke and here it ends.“ Und zumindest tragen die Leute im Film schon Masken - ein Corona-sicherer Wettbewerbsfilm.

kino.liebe - jeden Donnerstag neu

Wir versorgen Sie auch im Lockdown mit ausgewählten Filmtipps - abonnieren Sie jetzt unseren Film-Newsletter.

Mit den Darstellerpreisen betrat die heurige Ausgabe Neuland: Erstmals verzichtet man auf die Geschlechtertrennung bei den Schauspielehrungen. Vergeben wurden je ein Preis für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. Und über diese Auszeichnung darf sich Maren Eggert als kluge, smarte, aber auch von der Liebe enttäuschte Wissenschaftlerin in Maria Schraders Sci-Fi-Liebesfilm "Ich bin dein Mensch" freuen, die drei Wochen lang einen humanoiden Roboter testet - und ihm näherkommt.

Und der Preis für die beste schauspielerische Performance in einer Nebenrolle geht an Lilla Kizlinger in "Forest – I See You Everywhere".

Neben den Trophäen für den eigentlichen Wettbewerb wurden am Freitag auch die Sieger in der Sparte "Encounters" verkündet. Hier ging die dazugehörige Goldene-Bär-Plakette für den besten Film an die französische Produktion "Nous" von Alice Diop. Der große Preis der Jury wurde indes Le Baos durchchoreografiertem Werk "Taste" zugesprochen. Der Regiepreis wurde gesplittet und ex aequo Ramon und Silvan Zürcher für die Schweizer Produktion "Das Mädchen und die Spinne" sowie Denis Cote für "Social Hygiene" verliehen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren