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Minutenlanger ApplausNur ein einsames Buh: "Meistersinger" begeistern Bayreuth

"Die Meistersinger von Nürnberg" entwickeln sich zum Dauerbrenner bei den Bayreuther Festspielen. Auch in ihrem dritten Jahr ist die Produktion von Regisseur Barrie Kosky bei der Wiederaufnahme am Samstagabend vom Publikum bejubelt worden.

Bayreuther Festspiele 2019: Die Meistersinger von Nürnberg
Bayreuther Festspiele 2019: Die Meistersinger von Nürnberg © (c) APA/Enrico Nawrath (Enrico Nawrath)
 

Es ist eine der Schlüsselszenen in Barrie Koskys Version der "Meistersinger von Nürnberg": "Wacht auf!" schmettern die Sänger auf der Bühne dem Publikum entgegen. Auf einer Uhr im Hintergrund ist es Viertel vor zwölf. Die Zeit wird knapp. Richard Wagners einzige komische Oper bleibt bei den Bayreuth Festspielen hochpolitisch - und entwickelt sich zu seiner Art Dauerbrenner.

Auch in ihrem dritten Jahr wird die Produktion des ersten jüdischen Regisseurs auf dem Grünen Hügel bei der Wiederaufnahme am Samstagabend vom Publikum bejubelt. Minutenlangen Applaus gibt es nach der Aufführung - und nur ein einsames Buh, als am Ende der zweiten Aktes das überdimensionale, aus dem Nazi-Hassblatt "Stürmer" stammende Zerrbild eines Juden aufgeblasen wird. Es ist eine weitere Schlüsselszene in dieser beklemmenden, nachdenklich stimmenden Interpretation der Lieblings-Oper des langjährigen Festspiel-Leiters und Wagner-Enkels Wolfgang Wagner.

Bei Kosky ist Wagner mit seinem Alter Ego Hans Sachs (Michael Volle) aus den "Meistersängern" identisch. Er gießt auch den jüdischen Kapellmeister Hermann Levi und den Beckmesser aus der Oper in eine Figur - ebenso die weibliche Hauptfigur Eva und Richard Wagners Ehefrau Cosima. Die Inszenierung beginnt im Haus Wahnfried, wo Wagner seine kleinen Macken (Hunde-Begeisterung, eine Vorliebe für zweifelhaft riechende Parfüms) zelebriert und mit ebensolcher Vorliebe auf dem Juden Levi herumhackt - und endet im Saal der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.

Dort wird der Jude Levi zu Beckmesser (Johannes Martin Kränzle), dem Juror im Sängerwettstreit. Für Kosky ist er die zentrale Figur in der Oper. Als Beckmesser nach zahllosen Sticheleien von Sachs schließlich von einer Menschenmenge attackiert und verprügelt wird, verpasst Kosky ihm die Maske eines Juden-Zerrbildes - und bläst es nochmal groß auf. Kosky stellt auch dem Publikum die unangenehme Frage: Wie umgehen mit diesem Gegensatz? Und wie - gerade in Zeiten wie diesen - umgehen mit dem Werk eines Antisemiten?

Bayreuth: Die Maus und Frau Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Stammgast bei den Bayreuther Festspielen. Heuer kam sie ohne ihren Ehemann Joachim Sauer.

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Frau Merkel kam im grünen Kleid. Dass sie ohne ihren Mann erschien war nicht außergewöhnlich. Merkel reiste schon öfter solo an. Hier mit am roten Teppich: Bayreuths Bürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und deren Mann Thomas Erbe.

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Auch am roten Teppich: Die Maus.

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Die Maus aus "Die Sendung mit der Maus" weilte für Dreharbeiten in Bayreuth. Klingt lustig. Ist aber so.

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Gedreht wird ein Beitrag darüber, wie eine Aufführung der Bayreuther Festspiele funktioniert. Die Maus kam in Begleitung von Armin Maiwald, langjähriger Sprecher der Sendung, zur Premiere.

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Nicht so drollig, aber auch prominent: Gesundheitsminister Jens Spahn (2. von rechts) mit seinem Ehemann Daniel Funke (rechts), vor der Premiere mit der Staatssekretärin für Kultur, Monika Gruetters (links) und der CSU-Politikerin Dagmar Woehrl.

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Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Soeder und Gattin Karin warfen sich in Schale und schwitzten bei fast 40 Grad.

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"Tatort"-Kommisar Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer am roten Teppich. Der Starauflauf fand in der ärgsten Hitze statt: Die Premiere von Tannhäuser begann um 16 Uhr.

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Auch der deutsche Schauspieler Günther Maria Halmer zwängte sich in einen Smoking. Ehefrau Claudia behalf sich mit einem Fächer.

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Gerhard Schröders Ehefrau Schröder-Kim So-yeon in einer prächtigen Robe. Der deutsche Altkanzler zählt zu den Stammgästen der Bayreuther Festspiele.

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Die Ex-Skiasse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther wollten sich Wagner "Tannhäuser" nicht entgehen lassen.

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Und noch ein "Tatort"-Kommissar: Udo Wachtveitl und Lebensgefährtin Lila Schulz.

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Auch Wirtschaftsbosse kommen nach Bayreuth: Erich Sixt und Ehefrau Regine Sixt.

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Putzig: Die Maus bei der Ankunft am roten Teppich.

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Die Soeders mit Festspielchefin Katharina Wagner. Die Flucht in den Schatten bringt übrigens nicht viel. Im historischen Festspielhaus gibt es keine Klimaanlage, der Publikumssaal ist sehr heiß.

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Bei der Besetzung der ganz großen Rollen in dem Stück hat sich seit der Premiere 2017 - mit Ausnahme der Eva (Camilly Nylund ist schon die dritte) - kaum etwas geändert. Das spricht für die Stimmigkeit dieser Inszenierung, die Richard Wagners vielzitierten und kritisierten Antisemitismus ins Zentrum der Betrachtung stellt.

Regisseur Kosky und sein Team zeigen sich in diesem Jahr zwar nicht auf der Bühne - so bleibt Sängern, Chor und Orchester um Dirigent Philippe Jordan mehr Zeit, sich beklatschen zu lassen. Im Publikum sitzen auch am Samstag wieder die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer - dieses Mal trägt sie ein knallbuntes Cape.

Vor allem die Herren in dem Stück glänzen - allen voran wieder einmal Volle als Richard Wagner/Hans Sachs, dessen Bühnenpräsenz nur von seiner stimmlichen übertroffen wird. Auch brillant - aber eben nicht ganz so wie Volle: Kränzle als Beckmesser und Klaus Florian Vogt als Stolzing, der nahezu alles singen kann in Bayreuth - und das auch macht. Neben den "Meistersingern" ist er in diesem Jahr auch noch in einigen Aufführungen als "Lohengrin" zu sehen. Dafür hat Vogt seine "Parsifal"-Titelrolle an Andreas Schager abgegeben.

Nach den "Meistersingern" gibt es auf dem Grünen Hügel eine kleine Verschnaufpause. Am Sonntag und Montag standen die zweiten Aufführungen des bei seiner Premiere gefeierten und ausgebuhten "Tannhäuser" von Regisseur Tobias Kratzer und des "Lohengrin" mit einem Bühnenbild von Neo Rauch auf dem Programm. Am Dienstag (30. Juli) wird dann der "Parsifal" von Regisseur Uwe-Eric Laufenberg wieder aufgenommen, am Donnerstag (1. August) folgt "Tristan und Isolde" von Festspiel-Chefin Katharina Wagner. Beide Inszenierungen sind in diesem Jahr zum letzten Mal zu sehen und machen 2020 Platz für den neuen "Ring des Nibelungen", den der junge Österreicher Valentin Schwarz dann auf die Bühne bringen soll.

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