Bubikopf, dunkel geschminkte Lippen, angriffslustiger Blick: So prangte Ingeborg Bachmann am 18. August 1954 am Cover des deutschen Magazins „Der Spiegel“. Sie war damals 28, galt dank ihres Gedichtbandes „Die gestundete Zeit“ (1953) bereits als Starautorin einer jungen Nachkriegsgeneration. Die von Kerstin Putz und Michael Handel kuratierte Ausstellung „Ingeborg Bachmann – Eine Hommage“ würdigt die Dichterin im Vorfeld ihres 50. Todestages in zehn Kapiteln. Wenig bekannte Fotos auf ihrer Terrasse in Rom 1967/68, ihre Olympia, Manuskripte, Typoskripte, Briefe an Ärzte, Zigarettenpackungen, vollgekritzelte Bücher wie „Mein Name sei Gantenbein“, laut Bachmann ihr „Blutbuch“, von Max Frisch sind in Holzschränken arrangiert und geben Einblicke in ihr Leben und ihre Schreibpraxis.

Ingeborg Bachmanns Schreibmaschine - eine Olympia mit Koffer
© Österreichische Nationalbibliothek

Mehr als 6000 Briefe von mehr als 1000 Korrespondenzpartnern befänden sich im Nachlass, der 1978 durch eine Schenkung der Erben an die Nationalbibliothek kam und bis zur am Salzburger Literaturarchiv entstehenden Gesamtausgabe bzw. bis Ende 2025 gesperrt sei. Inklusive 300 Schreiben des demnächst bei Suhrkamp erscheinenden Briefwechsels von Max Frisch an sie – einer vom 11. Juni 1959 an sie ist auch ausgestellt. Er zeugt von einer schwierigen Phase.

Barbara Wiedemann beschreibt diese im Katalog wie folgt: „Missverständnisse sind häufig: Was sie als Zeichen für Nicht-Verstehen-Wollen liest, hat er nicht so gemeint – und umgekehrt.“ Die schrittweise Herausgabe aller Schriftstücke sollte mit den letzten Mythen aufräumen. Noch heißt es auf einem Abhänger: „Wo kein Geheimnis war, wird nie etwas zu finden sein.“

„Ingeborg Bachmann – Eine Hommage“. Bis 5. November 2023, Österreichische Nationalbibliothek. www.onb.ac.at