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Nominiert für Doku-OscarEin leises Abenteuer: Der Detektiv im Altersheim

Eine kleine Produktion, künstlerisch jedoch groß: Dieser Dokumentarfilm über einen betagten Privatermittler würde einen Oscar verdienen.

Der angelernte Ermittler muss sich erst noch mit den Arbeitsweien vertraut machen © ARD
 

Sergio ist 83, geistig aber noch topfit. Nur mit dem ganzen technischen Kram hapert es ein bisschen. Das wäre an und für sich kein Problem, wäre Sergio nicht auf Überwachungs-Technologie angewiesen. Denn Sergio ist Gehilfe eines Privatdetektivs. Er ermittelt undercover in einem Altersheim in der chilenischen Provinz. Die Klientin der Detektei möchte gerne wissen, ob ihre Mutter im Heim gut behandelt wird und ob es einen Dieb gibt – schon so manche Wertsache ist verschwunden.

Unter einem Vorwand hat die chilenische Regisseurin Maite Alberdi Sergio mit der Kamera begleitet und zum Protagonistin ihres Dokumentarfilms „Der Maulwurf – Ein Detektiv im Altersheim“ gemacht. Sie verfolgt Sergio bei seiner sehr bedächtigen, ja zeitlupenhaften Ermittlungstätigkeit, bei den vielen Gesprächen, die der bei den Frauen schnell beliebte fesche Mann führt.

Der Film ist für den Oscar als „Beste Dokumentation“ nominiert. Es ist genauso schön wie erstaunlich, dass der Filmpreis eine solche, künstlerisch zwar sehr gelungene, aber kleine, bescheidene Produktion überhaupt berücksichtigt. Zu sehen ist der Film derzeit auf der Mediathek der ARD, die den Film produziert hat.

Sergio kommt der Diebin übrigens auf die Schliche, aber der Kriminalfall wird bald zur Nebensache. Denn ganz andere Dinge bewegen den rüstigen Detektiv: die Einsamkeit der Heimbewohner, ihre stille Verzweiflung. Stunde um Stunde vergeht ereignislos, obwohl sich die Heimleitung sichtlich bemüht, den Bewohnern Abwechslung zu bieten. Sergios Ermittlungsergebnis: Nicht die Diebstähle oder die Behandlung durch die Pfleger sind das Problem der alten Mutter. Während der ganzen Dreharbeiten hat die Tochter, die den Detektiv angeheuert hat, die Mutter niemals besucht.

ARD
Der von der ARD produzierte Film lief auch im Sundance Festival © ARD

 

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