Worum geht’s im neuen "Tatort"-Fall aus Wien?

Eine junge Frau stirbt in einem Chemiewerk den Säuretod. Sie war die Nichte von Ernstl Rauter (Hubert Kramar), Chef der Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Die Todesnachricht ereilte den Onkel auf seiner Geburtstagsparty. Schnell ist klar: Der Schutzanzug entsprach nicht den Sicherheitsvorschriften. Die Ermittler wühlen sich durch ein undurchsichtiges Firmengeflecht. Wer steckt dahinter? Juniorchef Peter Wendler (Anian Zollner), der wegen Misshandlung seiner Frau („Vorstadtweib“ Maria Köstlinger) in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher sitzt, deren Lover (Michael Masula) oder die loyale Sekretärin (Johanna Mertinez)?

Und worum geht’s eigentlich in „Gier“?


Um skrupellose Anreicherung, Ausbeutung jener, über die man Macht hat, Verschleierung und natürlich Geldanhäufung – um klassische Krimimotive also. Das Drehbuch von Verena Kurth („Schnell ermittelt“) leuchtet Grauzonen in Schuldfragen aus, zeichnet Figuren voller Abgründe und Abhängigkeiten. Ein spannender Ausgangspunkt.

Hält denn die Spannung 90 Minuten an?

Leider nein. Hollywoodregisseur und „Tatort“-Neuling Robert Dornhelm kann sich nicht richtig entscheiden. Sein Fall will alles sein: ein bisschen Industriethriller, ein bisschen Kammerspiel, ein bisschen Geldadel-Persiflage, ein bisschen Rachedrama, ein bisschen Krimi. Der rote Faden existiert nicht, viele ausgiebig beleuchtete Szenen führen ins Nichts. Und: Dass alles, was passiert, in endlosen Dialogen erklärt werden muss, ist definitiv kein gutes Zeichen.

Erster Tatort für Hollywoodregisseur Robert Dornhelm
Erster Tatort für Hollywoodregisseur Robert Dornhelm © APA/HERBERT NEUBAUER

Wie schlagen sich Bibi Fellner und Moritz Eisner?

Ihr elfter gemeinsamer Fall ist einer ihrer schwächsten. Nichts erinnert an früher. Es ist, als hätte man die ganze Vorgeschichte ausgelöscht – die des sturen, einsamen Kämpfers gegen das Establishment sowie die der Frau von der Sitte, der nichts ferner liegt als Dienstvorschriften. Sie granteln nicht, sie fluchen (fast) nicht, sogar den Abend-Dresscode müssen sie erfüllen. Wir wollen die alte Bibi zurück: mit ihrer „Schlampenschleuder“!

Wer sticht unter den Schauspielern heraus?

Anian Zollner: Er mimt den Firmenerben mit einem eiskalten Blick, hinter dessen feinfühlig sozialer Fassade eine sadistische Persönlichkeit steckt. Zollner macht einem beim Zusehen wirklich Angst. Ein Bösewicht, wie er im Krimidrehbuch steht. Außerdem erstmals im „Tatort“ zu sehen: Talkmeisterin Barbara Karlich als resche Ärztin.

Eiskalter Blick, unheimliches Spiel: Anian Zollner (links) brilliert im
Eiskalter Blick, unheimliches Spiel: Anian Zollner (links) brilliert im "Tatort" aus Wien © ORF

An welche Szene werden wir uns noch lange erinnern?

Drei Fleischstücke liegen auf dem Seziertisch. Der Pathologe spritzt Flusssäure mit unterschiedlichem Gehalt darauf und wartet, wie lange es dauert, bis sich das Fleisch auflöst.

Muss man heute Abend einschalten?

Nicht unbedingt. Moritz Eisner und Bibi Fellner können das, wenn man sie lässt, viel besser.

Wer trotzdem zuschaut, dem empfehlen die Tatortköche folgendes Rezept: Fleckerlauflauf.