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Loden SteinerJohannes Steiner: "Im Familienbetrieb hat man ein anderes Wir-Gefühl"

Johannes Steiner, Geschäftsführer von Loden Steiner über die Vorteile eines Familienunternehmens in Zeiten der Pandemie und wie der Spagat zwischen modernem und traditionellem Loden gelingt.

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Sie und Ihr Cousin haben den Betrieb von Ihren Vätern übernommen und leiten ihn in fünfter Generation. Wo liegen die Vor- und Nachteile eines Familienunternehmens, auch im Hinblick auf die Coronakrise?

Johannes Steiner: In Zeiten wie diesen muss die interne Kommunikation funktionieren: Was ist wichtig? Wie orientiert man sich neu? Da sind die kurzen Wege im Familienunternehmen hilfreich und nützlich.

Ist die Gesprächsbasis mit Ihrem Cousin eine andere, als wenn er nur Ihr Geschäftspartner wäre?

Sicher. Man ist eine Familie und da ist das Wir-Gefühl etwas ganz anderes. Wir gestalten es und wir müssen die Beständigkeit im Unternehmen sein.

Zur Person

Johannes Steiner leitet Loden Steiner (Steiner 1888) in fünfter Generation. Der vierfache Vater teilt sich die Geschäftsführung mit seinem Cousin Herbert.
Zum Unternehmen: Loden Steiner wurde im Jahr 1888 als Lodenwalke am Fuße des
Dachsteins gegründet. Der Urgroßvater der heutigen Geschäftsführer sicherte sich ein zweites Standbein mit zwei Schleppliften in Obertauern. Heute zählen fünf Lifte und ein Hotel zu dem Unternehmen.


Wäre für Sie auch ein anderer Beruf infrage gekommen?
Nein, nie.

Als feststand, dass Sie in den Betrieb einsteigen, sind Sie selbst an den Maschinen gestanden. Warum?

Mein Cousin und ich haben in der Produktion alles von Anfang bis Ende gelernt. Wir haben über Jahre an Walke und Maschinen gearbeitet. Oder haben im Versand Lieferscheine geschrieben, bis wir näher an unsere Väter herangerückt sind. Diese Zeit war für wichtig, auch den Mitarbeitern gegenüber. Man muss sich auskennen und wissen, wie etwas geht.
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Covid-19 hat das Einkaufsverhalten verändert. Herkunft und Qualität zählen mehr. Kann der Loden hier profitieren?

Beim Lodenstoff sind wir so stark in der Vorstufe, dass der Kunde es nicht differenzieren kann. Wir merken es aber beim fertigen Produkt. Wir führen in unserer Fabrik durch die Wollwelt, wo wir den Konsumenten Wolle und Loden näherbringen. Wenn sie sehen, dass das Produkt hier produziert wird, merkt man schon, dass der Griff zu nachhaltigen österreichischen Produkten schneller getan ist. Es gibt eine Beziehung zu dem Produkt und zu dem, was ich kaufe. Corona ist ein Treiber für Entwicklungen, die schon davor in der Luft lagen.
Im Jänner wurden Kreuzfahrtschiffe der Hapag Lloyd mit Lodendecken ausgerüstet. Wie steht es um das Geschäft in der Hotel- und Tourismussparte?
Großinvestitionen, die geplant waren, sind getätigt worden. Aber jetzt gibt es nur kleine Umbauten. Hier regiert die Vorsicht und das spüren wir schon. Wir haben schon starke Umsatzrückgänge.
Steiner1888 Produktion
Steiner1888 Produktion Foto © (c) Marcel Koehler

Wie schafft man den Spagat zwischen moderndem und traditionellem Loden?

Was man vom Loden von damals im Kopf hat, ist grün, kratzig und grau. Die Wolljacke, die man früher als Kind tragen musste. Diese Generation ist nun aber auch unsere Hauptklientel. Wir machen Wohlfühlteile aus Loden, mit gutem Design und einem guten Bild. Inszenierung ist heute alles. Wir haben einen klassischen grünen Lodenmantel, aber der muss im Schnitt raffinierter sein. Und er muss cool fotografiert sein.
Gucci, Hugo Boss oder Chanelhaben mit Ihrem Lodenstoff gearbeitet. Wie schafft man es von Mandling auf den Pariser Laufsteg?

Wir stellen auf internationalen Messen in München, Mailand und Paris aus. Wir haben aber auch Vertretungen in England, Frankreich, Italien. Dort sehen die Designer den Loden. Und das Angebot in Europa ist nicht mehr so üppig.

Mandling liegt an der Grenze zwischen Steiermark und Salzburg. Vor- oder Nachteil?

Es ist für viele Dinge herausfordernd. Aber wir haben gelernt, eine Verbindung zwischen Steiermark und Salzburg zu sein. Aber man liegt für beide Länder am Ende und nicht am Anfang. Technischen Themen enden meistens in Schladming oder in Radstadt. Glasfaserkabel, Technologien, da sind wir hier überspitzt gesagt im Niemandsland. Alle sagen: Da grabe ich nicht mehr hin. Wir von diesem Standort aber auch gute Kontakte nach Salzburg. Aber man muss immer mit beiden Gemeinden, also mit Schladming und Radstadt in Kontakt sein.
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Zum Schluss: Warum sagt man, der Schladminger sei schusssicher?

Ist er auch, es kommt nur darauf an, womit man schießt. Er ist sehr stark verwalken und deswegen besonders robust.

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