TraditionshausJuniorchefin des Stanglwirts: "Nicht die Asche anbeten"

Sydney, San Diego, Kitzbühel: Stanglwirt-Juniorchefin Maria Hauser über Fortschritt in einem Traditionshaus, Sinn-Fluencer, Beurteilungen im Netz und warum Kitz nicht Ischgl ist.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Juniorchefin Maria Hauser © Stanglwirt
 

Der Stanglwirt ist - auch wegen der Weißwurstparty am Rande der Kitzbühel-Rennen weltbekannt und seit 1722 ist er im Besitz Ihrer Familie. Wie ist es, im Hotel aufzuwachsen?
Maria Hauser: Meine Geschwister und ich haben uns ein Zimmer mit Stockbett geteilt. Für uns war es völlig normal, unser Zuhause mit Gästen und Mitarbeitern zu teilen. Es war und ist wie ein Stück heile Welt in der wir groß werden durften.

Im Rahmen Ihrer Ausbildung zog es Sie nach Sydney und Kalifornien. War es wichtig, Österreich zu verlassen?
Das war ein Abnabeln und Erwachsenwerden. Ich habe die Welt kennengelernt, Lebenserfahrungen gesammelt, viel leisten und mich teilweise doppelt und dreifach beweisen müssen. So konnte ich mit viel mehr Selbstvertrauen zurückkehren. Mein Vater hat mich immer wieder in Entscheidungen eingebunden, auch als ich auf der anderen Seite der Erde war. Dadurch war ich in irgendeiner Form immer mit Daheim verbunden. Dann kam der Tag, an dem er mich gefragt hat, ob ich im Familienbetrieb einsteigen möchte. Gleichzeitig hätte ich in den USA mein Arbeitsvisum verlängern können. Es war ein Bauchgefühl, das mich zurückgebracht hat. Die Zeit war reif.

Foto © Stanglwirt

Zur Person

Maria Hauser (37) ist die älteste Tochter des Stanglwirt-Paares Magdalena und Balthasar
Hauser.
In Sydney studierte sie „Tourism and Hospitality Business Administration“.
Nach ihrem Abschluss zog sie weiter nach Kalifornien – in San Diego arbeitete sie als Special Event Manager.
Die Juniorchefin verantwortet heute Marketing, PR, Qualitätssicherung sowie Events beim Stanglwirt – allen voran die Weißwurstparty.

Wie setzt man sich gegen die erfahrene Generation durch?
Glücklicherweise ist es bei uns in der Familie ein Miteinander – auch generationenübergreifend. Natürlich wird da auch diskutiert. Aber wir spielen wie in einem Orchester – jeder spielt seinen Part. Es klingt harmonisch.

Kann man als junge Führungskraft in einem Traditionshaus überhaupt etwas verändern?
Selbstverständlich. Traditionsbewusstsein heißt nicht, die Asche anzubeten, sondern das Feuer immer wieder neu zu entfachen. Die Welt entwickelt sich weiter. Es ist wichtig, Trends rechtzeitig zu erkennen. Die bäuerlichen Grundwerte des Stanglwirts und das Vermitteln von Nestwärme, Geborgenheit, Wertschätzung und Sicherheit – sind Faktoren, die uns immer ausgemacht haben und die in Zukunft wichtiger denn je sind. Das ist ehrlich gelebte Identität.

Wie wichtig ist Höflichkeit in der heutigen Geschäftswelt?
Vor allem in der Geschäftswelt wurde es oft, als Schwäche ausgelegt, wenn jemand höflich aufgetreten ist. Dabei ist es ein Ausdruck von Stärke und Mut, Professionalität mit Herz zu vereinen und das eine schließt das andere nicht aus – ganz im Gegenteil.

Sie sind für Marketing und PR zuständig: Wie gehen Sie mit Beurteilungen auf Tripadvisor oder Booking.com um?
Als Unternehmer ist es wichtig, die Bewertungen ernst zu nehmen und so transparent wie möglich damit umzugehen und als Kunde ist es wichtig sich ein Bild über die Glaubwürdigkeit der Bewertungen zu machen und sich trotzdem immer noch eine eigene Meinung zu bilden. Aktuell geschieht auch hier glücklicherweise eine wichtige Trendwende – weg von Menge hin zu mehr Qualität. Nach den Influencern gewinnen die Sinn-Fluencer an Beachtung. Eine positive Entwicklung, die dem Stanglwirt entgegenkommt. Es geht darum, wer wirklich eine Geschichte zu erzählen hat und über die sozialen Medien einen echten Mehrwert transportieren kann.

Ischgl wurde zum Inbegriff der Coronakrise. Glauben Sie, dass sich Kitzbühel durch seinen starken Eigennamen abheben kann?
Ganz ohne irgendwelche Vergleiche anzustellen, ist es sicher so, dass Kitzbühel seit jeher eine besondere Rolle und Wahrnehmung innehat und Vertrauen ausstrahlt, das über Jahrhunderte aufgebaut wurde. Die Wahrung dieses Urvertrauens ist nun eine verantwortungsvolle Aufgabe – auch für alle anderen Destinationen.

Kommentare (3)
Civium
3
10
Lesenswert?

Kitzmünchen ist doch

richtiger!!! Oder!!!

shaba88
25
10
Lesenswert?

kommentar

Warum haben Sie Sido Auftreten lassen?

Nixalsverdruss
7
35
Lesenswert?

Habe ihr Interview bei "Frühstück bei mir"

... vor geraumer Zeit gehört.
Eine wirklich sehr "geerdete" und interessante Persönlichkeit!
Alles Gute weiterhin!