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Chefin von MSC Austria"Neustart der Kreuzfahrtindustrie wird selbst wie eine Reise sein"

Die Steirerin Manuela Gollner trat ihr Amt als Geschäftsführerin von MSC Austria im Jänner an, wenige Wochen später stand die ganze Welt Kopf. Hier spricht sie über Führungsverantwortung in Krisenzeiten und wohin die Reise der Kreuzfahrtbranche geht.

© MSC (c) SABRINA NIMMRICHTER
 

Sie haben Ihren Posten als Geschäftsführerin von MSC Cruises Austria im Januar angetreten, einige Wochen später befand sich die gesamte Branche auf sehr, sehr rauer See. Von der Klimadebatte ging es direkt in die Pandemie. Wie geht es Ihnen in diesen Tagen?
Manuela Gollner: Es war sicherlich eine außergewöhnliche Zeit, als ich die neue Rolle übernommen habe, gerade als sich das Coronavirus weiter auszubreiten begann. Die gesamte globale Reise- und Tourismusbranche und nicht nur die Kreuzfahrtindustrie kam zum Stillstand. Und noch heute sind viele Teile der Welt von Reisewarnungen und Reisebeschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und regionalen Lockdowns betroffen.

Wie ist es Ihnen persönlich gegangen in dieser ersten Phase der Coronakrise?
Seit den frühen Tagen der Pandemie haben wir unglaublich hart daran gearbeitet, eine sichere Rückkehr der Schiffe aufs Meer zu planen und vorzubereiten. Nun sind wir die erste große Kreuzfahrtreederei, die wieder mit Kreuzfahrten im Mittelmeer gestartet ist. Unser Flaggschiff MSC Grandiosa hat beispielsweise den Betrieb dort im August wiederaufgenommen und unternimmt seitdem 7-Nächte-Kreuzfahrten im westlichen Mittelmeer.

Zur Person

Manuela Gollner ist aus dem Bezirk Weiz und in Gleisdorf und Weiz zur Schule gegangen.
Seit Jänner 2020 ist sie Geschäftsführerin von MSC Austria. Zuvor war sie unter anderem bei Neckermann Reisen Austria in Wien tätig.
2013 wechselte Manuela Gollner zur Airline Niki, wo sie als Senior Manager für Touristik für die Charterflüge von Reiseveranstaletern in Österreich und Deutschland verantwortlich war.
www.msckreuzfahrten.at


Die Zeit ab Mitte März war ein Stresstest für uns alle, es gab Unsicherheiten auf sehr vielen Ebenen. Die Mehrheit saß im Homeoffice und fand es schwierig, ihren neuen Alltag zu managen. Wie haben Sie sich in dieser Zeit um Ihr Team gekümmert?
Obwohl ich die neue Stelle im Januar antrat, war ich bereits seit drei Jahren im Unternehmen und kannte das Team sehr gut. Ich musste also nicht bei Null anfangen. Da ich aus dem Vertrieb komme, weiß ich sehr gut, dass ich nicht immer im Büro, sondern auch viel unterwegs bin, sodass es relativ einfach war, auch im Homeoffice zu arbeiten.

Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter von Zuhause aus motiviert?
Der Schlüssel zur Aufrechterhaltung einer positiven Stimmung innerhalb des Teams war und ist die ständige Kommunikation per Video oder Telefon. Und die Gewissheit, dass seit März, als unsere Flotte wegen der Coronapandemie zum Stillstand kam, das Unternehmen mit einer Reihe von Maßnahmen in die Zukunft blickte, um das Wohlergehen unserer Gäste und der Besatzung zu gewährleisten und die Herausforderungen zu mildern, denen wir infolge dieser Krise gegenüberstehen.
Der Herbst steht vor der Tür, und viele würden und wollen den Sommer verlängern. Hat das Kreuzfahrtgeschäft wieder Fahrt aufgenommen?
Der Neustart der Kreuzfahrtindustrie wird selbst wie eine Reise sein – und sie wird Zeit brauchen. Wir kehren in diesem Spätsommer zunächst mit zwei Schiffen im Rahmen eines gestaffelten Neustarts zurück, da sich die verschiedenen Regionen der Welt in unterschiedlichen Ausprägungen der Pandemie befinden.

Wie sieht es mit den Buchungen aus? Schließlich gehören ältere Menschen – die Kreuzfahrtliebhaber par excellence – zur Risikogruppe.
Jetzt, da wir wieder auf dem Meer unterwegs sind und schon vier erfolgreiche 7-Nächte-Kreuzfahrten im Mittelmeer abgeschlossen haben, sind wir zuversichtlich, dass unser sehr strenges Vorsorgeprotokoll für Gesundheit und Sicherheit sowohl Interesse als auch Nachfrage nach Kreuzfahrten anregen wird. Übrigens: Wenn es um das Alter geht, raten wir unseren Gästen, vor der Reise ärztlichen Rat einzuholen. Dazu zählen wir Personen, die zu einer Risikogruppe gehören und die laut einem von der EU Healthy Gateways erstellten Gutachten alle Personen über 65 Jahre einschließt. Gestatten Sie mir jedoch die Bemerkung, dass das Durchschnittsalter derjenigen, die sich für einen Urlaub mit MSC entscheiden, 43 Jahre beträgt. In diesem Sommer haben wir auch viele Erstkreuzfahrer an Bord gehabt, ebenso wie Familien.

Zu Beginn der Pandemie wurde die Kreuzfahrtindustrie dafür kritisiert, zu langsam auf die Ausbreitung des Virus reagiert zu haben. Viele haben immer noch die Berichte der Kreuzfahrtschiffe im Kopf, die kein Anlaufhafen andocken lassen wollte. Wie wollen Sie diese Bilder wieder mit Urlaubsstimmung füllen?
Wir können natürlich nur für uns selbst sprechen. Wir haben schon früh in der Krise schnell reagiert. Sei es, dass wir sofort strengere Screening-Maßnahmen eingeführt oder die sanitären Einrichtungen verbessert haben oder unsere Kreuzfahrtschiffe früher nach Hause gebracht oder das Aus- und Einschiffen in Häfen in Regionen gestoppt haben, die von den zuständigen Gesundheitsbehörden als gefährdet eingestuft wurden. Die überwiegende Mehrheit der Kreuzfahrten – etwa 80 Prozent - wird über unser internationales Netzwerk von Reisebüropartnern gekauft. Das Feedback gibt Zuversicht, dass es Nachfrage und die Bereitschaft zu Kreuzfahrten gibt. Wir verzeichnen positive Buchungstrends für den Sommer 2021.

Sie glauben also, dass die Branche bald zu ihrer früheren Stärke zurückkehren kann?
Die Kreuzfahrtindustrie ist widerstandsfähig, sie hat sich schon vielen Herausforderungen gestellt und ist jedes Mal stark geblieben. Wir haben gezeigt, dass wir mit einem wirksamen Gesundheits- und Sicherheitsprotokoll mit mehr Selbstvertrauen handeln können. Mein Fazit: Die Kreuzfahrtindustrie muss gemeinsam handeln und letztlich in die gleiche Richtung gehen, um sicherzustellen, dass strenge Sicherheitsmaßnahmen für alle Schiffe eingeführt werden, die auf die Meere zurückkehren.