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Lehre während der Pandemiedm: "Uns hat überrascht wie gut die Lehrlinge mit der Situation umgegangen sind"

dm-Geschäftsführerin Petra Mathi-Kogelnik, verantwortlich für das Ressort Mitarbeiter über das Lehrlings-Recruiting in Zeiten der Coronakrise.

© (c) Marco Riebler (Marco Riebler)
 

Wie sehen die größten Veränderungen im Recruiting, aber auch in der Lehrlingsausbildung allgemein seit der Coronakrise aus?

Natürlich gab es in der ersten Zeit der Krise gar keinen persönlichen Kontakt mit Bewerbern, mittlerweile finden aber wieder sowohl vereinzelt Gespräche als auch eine stark reduzierte Form des Schnupperns im Bereich der Lehre statt – selbstverständlich unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen. Wir haben uns zwischen März und April intensiv mit dem Thema Telefoninterviews beschäftigt und viel Know-how angeeignet, um auch auf diesem Weg erfolgreiche Bewerbungsgespräche führen zu können. Denn bei uns gilt nach wie vor, dass sich Interessierte stets wohl, sicher und ermutigt fühlen sollen. Bewerbungswege gestalten wir seit jeher bewusst einfach. Unterstützt wird das durch unsere neue Karriereseite www.dm-jobs.at, auf der sich Bewerber unkompliziert und schnell auf eine aufgeschriebene Stelle oder auch initiativ bewerben können. Das kam uns sicherlich während des Lockdowns sehr zugute.

Die Lehrlingsausbildung selbst konnten wir auf gewohnt hohem Niveau halten, unter anderem durch gezielten und regelmäßigen Austausch zwischen Ausbilder/Qualitätstrainer und Lehrlingen sowie durch eigens entwickelte digitale Lernunterlagen für jedes Lehrjahr. Dabei haben wir natürlich auch praktische Übungen für Zuhause mitgegeben. Auf dieses Online-Learning-Angebot können unsere Lehrlinge jederzeit über die dm Lernwelt – eine Weiterbildungsplattform – zugreifen. Auch heute noch nutzen viele Auszubildenden das Angebot, da es eine gute Ergänzung zur Theorie in der Berufsschule und der Praxis in den Friseur- sowie Kosmetikstudios bildet.

Haben Sie auf digitale Lösungen gesetzt?

Bei fast 7000 Mitarbeitern in ganz Österreich (viele davon in Homeoffice und/oder Kurzarbeit) wäre es nicht ohne digitale Lösungen gegangen. Vom täglichen internen Newsletter über Online-Besprechungen bis zu Telefoninterviews mit Bewerbern – ich denke, wir konnten alle gut abholen, und haben den verständnisvollen Umgang miteinander sehr zu schätzen gelernt.

Beeinflussen digitale Lösungen – Bewerbung per Videokonferenz – den Bewerbungsprozess und den so wichtigen ersten Eindruck?

Wir haben in der Krisenzeit einige Bewerbungsgespräche per Videokonferenz geführt und auch auf diesem Weg tolle neue Mitarbeiter für dm finden können. Gerade in größeren Konzernen oder Ländern wie etwa in Deutschland ist es nicht unüblich, dass Bewerbungsgespräche auch digital geführt werden. Die räumliche Distanz kann für Interessenten durchaus ein Vorteil sein, weil man sich in gewohntem Umfeld befindet und so vielleicht sogar selbstsicherer auftritt. Ich bin überzeugt, wer sich mit echtem Interesse bewirbt und zum Unternehmen passt, wird auf jeden Fall einen guten Eindruck hinterlassen – egal ob persönlich oder per Videocall.

Wie wichtig ist der persönliche Kontakt zu Lehrlingen?

Der persönliche Kontakt zu Lehrlingen ist unglaublich wichtig. Allerdings bedeutet das nicht, dass man sich immer zwingend gegenübersitzen muss. Gerade junge Menschen finden sich in der digitalen Welt gut zurecht, sind es gewohnt, via WhatsApp oder Social-Media-Plattformen zu kommunizieren. Wichtig ist dabei nur, dass die Kommunikation nicht abreißt, dass die Lehrlinge wissen, dass sie jederzeit Gehör finden – ob bei Anliegen oder Fragen. Und dass jemand hinter ihnen steht, ein Ansprechpartner, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht, und der sie entsprechend motiviert.

Welche Veränderungen haben sich bezahlt gemacht und bleiben? Welche werden wieder verworfen?

Es hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht, dass wir uns so intensiv mit dem Thema Kommunikation auseinandergesetzt haben. Wir haben in der Zeit viel gelernt darüber, wie und wo man Menschen am besten erreicht, wie man ihnen Sicherheit gibt und Verständnis vermittelt. Unsere Mitarbeiterapp wird beispielsweise heute von über 85 Prozent aller Mitarbeiter genutzt ­­– und das regelmäßig. Die Maßnahmen, die wir gesetzt haben, werden wir alle beibehalten. Von Online-Learning-Unterlagen für Lehrlinge bis hin zu Telefoninterviews, dort wo es sich anbietet: Das sind tolle Ergänzungen, die sich in einer per se immer digitaler werdenden Welt definitiv auszahlen.

Haben Sie Vorkehrungen für den Herbst getroffen?

Uns ist es wichtig, sowohl unsere neuen als auch unsere bestehenden Lehrlinge gut durch ihre Lehrzeit zu begleiten. Sei es das erste Ankommen oder die Vorbereitung auf eine Lehrabschlussprüfung – während der Krise waren wir mit den unterschiedlichsten Situationen konfrontiert, auf die wir mit langfristig gedachten Lösungen reagiert haben. Vom regelmäßigen Austausch und Online-Learning-Angeboten bis hin zu unterstützenden Unterlagen für die Ausbilder – wir haben in der Krisenzeit viel in die Ausbildung unserer Lehrlinge investiert und Wege gefunden, den Lernfortschritt auch ohne persönliche Begegnungen sicherzustellen. Sollte es im Herbst oder zu einem späteren Zeitpunkt also wieder zu einer Krisensituation kommen, haben wir das nötige Rüstzeug, um die hohe Qualität in der Ausbildung zu erhalten.

Sie sind nahe an den Lehrlingen dran: Wie gehen junge Menschen mit der derzeit allgemein vorherrschenden Unsicherheit um?

Uns hat überrascht, wie gut unsere Lehrlinge mit der Situation umgegangen sind. Als Digital Natives sind die meisten jungen Menschen ziemlich technikaffin und hatte daher keine Probleme damit, ihre Ausbildung auf digitalem Weg fortzusetzen. Unsicherheiten haben wir  bewusst vorgebeugt, indem wir gerade zu Beginn der Krise täglich mit Newslettern an die persönliche E-Mailadresse über Abläufe und Entwicklungen informiert haben. Dabei kam uns natürlich zugute, dass alle Mitarbeiter mit einem eigenem Smartphone ausgestattet sind – auch die Lehrlinge. Darüber hinaus war ein eigenes Krisenteam fast rund um die Uhr für Anliegen und Fragen erreichbar – und unsere Ausbilder und Qualitätstrainer haben sich in dieser Zeit besonders intensiv mit unseren Auszubildenden ausgetauscht. Im Bereich Friseur und Kosmetik/Fußpflege gab es zu Beginn sicher Ängste, da unsere Studios vorübergehend schließen mussten. Diese Ängste konnten wir durch unsere Maßnahmen nehmen, weswegen die Stimmung bei unseren Lehrlingen – trotz herausfordernder Zeit – auch heute eine ungetrübte ist. Sie wissen, dass sie sich bei dm auf Sicherheit und Stabilität verlassen können.

Stichwort Fachkräftemangel: Denken Sie, dass die Coronakrise, die Suche nach Lehrlingen erleichtern oder erschweren wird?

Wie jedes Jahr nehmen wir auch heuer bis zu 300 Lehrlinge österreichweit auf und bilden ab sofort wieder viele neue Talente in den Berufen Drogist/in, Friseur/in und Kosmetiker/in & Fußpfleger/in aus. Die Coronakrise macht die Suche nach Auszubildenden sicher nicht leichter, aber auch nicht spürbar schwerer. Vielmehr wird es jetzt darauf ankommen, die Bedürfnisse der Jugendlichen noch besser im Blick zu behalten und ihnen einen Karriereweg aufzuzeigen, der sie nicht nur fordert und fördert, sondern auch Sicherheit verspricht.

Denken Sie, dass diese Krise Einfluss auf das allgemeine Image des Lehrberufs haben wird?

Ich denke nicht, dass das allgemeine Image des Lehrberufs unter der Krise leiden wird. Denn Auszubildende sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Sie sind die Führungskräfte der Zukunft, die jedes Unternehmen mit fundiertem Fachwissen maßgeblich mitgestalten und bereichern. Beeinflussen wird die Krise aber sicher die Entscheidung der Jugendlichen für den einen oder anderen Ausbildungsbetrieb. Das Thema „Sicherer Arbeitgeber“ wird auch für junge Menschen in Zukunft eine noch größere Rolle spielen als bisher.

Nun noch eine allgemeine Frage: Haben Sie Tipps für Bewerber? Wie kann man im Bewerbungsprozess punkten?

Bei der Bewerbung für einen neuen Job kann man an vielen Stellen im Bewerbungsprozess punkten. Das beginnt beim Lebenslauf mit einem übersichtlichen Layout und geht bis zum telefonischen, digitalen oder persönlichen Vorstellungsgespräch, bei dem man sich selbstbewusst und neugierig zeigt. Ehrliches Interesse ist das Um und Auf einer jeden Bewerbung. Das spürt man nämlich nicht nur an der Art den übermittelten Unterlagen, sondern eben auch beim ersten Kennenlernen. Damit Interessierte den Überblick behalten und an alles Wichtige denken, haben wir auf unseren neuen Karriereseite www.dm-jobs.at einen eigenen Hilfebereich eingerichtet. Unter „Nützliches für die Bewerbung“ können sowohl Berufseinsteiger als auch Berufserfahrene nachlesen, was uns bei der Bewerbung wichtig ist und sich wertvolle Tipps abholen.