Diskussion um ArbeitszeitIst es Zeit für die 30-Stunden-Woche?

Schon vor der Coronakrise wurde diskutiert, ob eine Verkürzung der Arbeitszeit sinnvoll wäre. Eine aktuelle Umfrage zeichnet nun ein eindeutiges Bild. Auch ein Firmenchef, der die 30-Stunden-Woche eingeführt hat, sagt: "Wir bekommen die Besten der Branche".

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White vintage alarm clock on blue-orange background. Top view, copy space. Daylight saving concept.
White vintage alarm clock on blue-orange background. Top view, copy space. Daylight saving concept. © (c) Laima - stock.adobe.com
 

Höhere Beschäftigung, zufriedenere Mitarbeiter – über eine verringerte Normalarbeitszeit wird bereits seit geraumer Zeit immer wieder diskutiert. Fürsprecher ist unter anderem die Arbeiterkammer, die Argumente wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Abhilfe gegen Personalmangel ins Gespräch führt.

Wirtschaftskammervertreter kontern, dass eine Verringerung der Arbeitszeit wirtschaftlich nicht vertretbar sei und Betriebe infolge unter einem noch höheren Kostendruck stehen würden.

Die Plattform karriere.at hat nun ihre User befragt, was für sie die ideale Arbeitszeit wäre und überraschenderweise sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite ein eindeutiges Bild erhalten.

30-Stunden-Woche: Ideal für beide Seiten

Bei den Arbeitnehmern ist die 30-Stunden-Woche der eindeutige Sieger. Von den 477 befragten Arbeitnehmern meint die Hälfte (49 Prozent): 30 Wochenstunden wären perfekt. Eine Halbierung der Normalarbeitszeit auf 20 Stunden kann sich nur jeder Zehnte vorstellen. Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) würde an der momentanen Normalarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche nicht rütteln.

Auch bei den Unternehmensvertretern (204 Befragte) sieht die Gewichtung überraschenderweise ähnlich aus: Weit vor der klassischen 40-Stunden-Woche (mit 12 Prozent Zustimmung) liegt die reduzierte 30-Stunden-Arbeitswoche im Online-Stimmungsbild bei der Mehrheit (60 Prozent) an der Spitze. Eine Halbierung auf 20 Stunden finden überhaupt nur 8 Prozent der befragten Unternehmensvertreter ideal.

"Wir bekommen die Besten der Branche"

„Die Arbeit soll natürlich Spaß machen. Kraft und Energie schöpft man aber bei Familie und Hobbys“, sagt Klaus Hochreiter, Geschäftsführer der oberösterreichischen Onlinemarketing-Agentur eMagnetix.

Klaus Hochreiter Foto © eMagnetix
Im Oktober 2018 führte der Firmenchef nach einer Testphase mit 34 Stunden unter dem Motto #30sindgenug eine 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt ein.

Wir haben den Nerv der Zeit getroffen.

Klaus Hochreiter, emagnetix
Anlassfall war eine Jobausschreibung im Projektmanagement im Jahr 2015, worauf sich kein einziger Interessent meldete. Im heurigen Sommer flatterten für die gleiche Stelle 75 Bewerbungen ins Haus. „Wir haben den Nerv der Zeit getroffen“, freut sich Hochreiter. „Die Bewerberzahlen sind gestiegen und wir bekommen die Besten der Branche.“ Außerdem würden auch die Kunden von der Mitarbeiterzufriedenheit profitieren, weil die Fluktuation gegen null tendiere.


Kommentare (16)
Morioka
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In gewissen Bereichen mag es eine gute Idee sein ...

leider hat die Sache einen kleinen aber nicht unbedeutenden Haken. Wo bekommen die Firmen mehr qualifizierte Arbeitskräfte her, gut ausgebildet, motiviert, usw.? Wird nicht immer mit den Händen gerungen? Gefragt: Wo sollen wir MA herbekommen, es gibt keine ...

So, nun würde vllt. im Niederschwelligen Bereich die Idee Früchte tragen, mehr Menschen in Arbeit bringen.

Wo es um qualifizierte/hoch qualifizierte geht, wird es schon schwieriger, der Effekt wäre kaum spürbar. Beispiel die Pflegekräfte. Die fallen nicht vom Himmel. Schon garnicht die nicht nur fachlich qualifizierten, sondern, wichtiger, die auch MENSCHLICH für den Beruf geeignet sind!

Was in Wirklichkeit bei dieser defensiven Strategie passieren soll, ist, den Arbeitsmangel besser zu verteilen. Mit Kosten für alle Seiten aber wenig Wirkung, falls überhaupt eine erzielt wird. Wenn das ein erfolgreiches Mittel wäre, hätte es diese schon vor 30 oder 40 Jahren gegeben, wäre umgesetzt worden. Es entstehen dabei ja keine neuen Stellen, es werden für dieselbe Stelle 2 Menschen angestellt, die beide weniger verdienen - ohne Lohnverzicht aufseiten der arbeitenden, würde es nicht gehen.

Daher, schöne Idee, nur keine Gute.

petera
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Ich arbeite schon seit gut 13 Jahre ca 80%

Und das bedeutet zwar weniger Einkommen aber viel mehr Lebensqualität, v. a. wenn man kleine Kinder hat und auch möchte, dass der Partner/die Partnerin hohe Teilzeit arbeitet und damit eine verantwortungvolle Position hat.

melahide
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Natürlich

wäre es endlich Zeit für die 30 Stunden Woche. Gerade in Berufen wo derzeit Personalmangel herrscht (Pflege) gibt es kaum Personal das Vollzeit angestellt ist weil den Druck keiner aushält. Zumindest nicht lange. Wenn man 6 Stunden aufmerksam und gut arbeitet sollte man den „gleichen“ Output bringen wie bei 40 Stunden, es sein denn es geht um reine Anwesenheit!

Die Arbeitgeber hätten vermutlich lieber eine 50 Stundenwoche von Montag bis Sonntag auf Abruf.

Ichweissetwas
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Weniger Gehalt

= viel weniger Pension = Altersarmut.

petera
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Kommt darauf auf wie hoch das

Basisgehalt hat bzw. wieviel man braucht um glücklich zu sein.

Bravo55555
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glücklich sein

kann man nicht durch hohes Gehalt definieren

melahide
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Bei uns

und unserem Steuersystem macht es in Relation übrigens nicht mehr „so viel“ aus. Wenn du mal über 18.000 Euro liegst und keine Kinder hast zahlst du e schon 18 % Sozialversicherung und dann 35 % Steuer....

Viele in meinem Bekanntenkreis haben schon „freiwillig“ auf 25-30 Stunden reduziert um die Lebensqualität zu steigern ... und finanziell hat es dann nicht sooo die Auswirkungen wie das Bruttogehalt vermuten lassen würde ...

Bravo55555
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Nein

Es geht hier um 30 Std bei vollem Gehalt. Dies würde mehr Arbeitsplätze schaffen. Allerdings müssten auch die Lohnnebenkosten gesenkt werden.

eyofaz80
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Personalmangel

Verstehe ich jetzt nicht, wie soll eine 30 STD Woche das Problem mit dem Personalmangel lösen?

Hildegard11
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Senkt endlich die...

...Lohn(neben)kosten für die Arbeitgeber!!!

petera
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Und wer deckt die Lücke?

Weniger Steuern/SV heißt auch weniger Leistungen für die Bevölkerung.

Man müsste daher gleichzeitig Steuern für Vermögen einführen, damit diese Lücke gedeckt werden kann.

waggef
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Wäre sofort dafür

Schon viel zu lange arbeiten wir 40 Stunden pro Woche. Arbeitgeber, bitte Zeichen der Zeit erkennen

Sam125
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waggef, wollen sie 30 Stunden arbeiten und für 40 Stunden verdienen,oder für

30 Stunden arbeiten auch den Lohn für diese Arbeitszeit bekommen? Eine 30 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich für alle Arbeitnehmer, wer bitte soll das bezahlen können?In manchen Bereichen würde das vielleicht gehen,aber zb im Handel, in der Pflege,am Bau usw. wo natürlich auch noch Händearbeit geraucht wird, würde das unfinanziebar sein!!! Und wenn die Menschen nur für 30 Stunden Arbeit,auch für 30 Stunden Arbeit bezahlt bekommen,ja wieviele finanzielle Einbußen haben dann die Menschen zu tragen und wie und mit welchem Geld könnten sie dann ihre finanziellen Verbindlichkeiten abgelten? Oder soll wiedereinmal der "Vater Staat" mit Steuergeldern die er gar nicht mehr hat, einspringen!

Balrog206
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Selbst

AG werden dann brauchst du gar nicht mehr zu arbeiten , nur abkassieren !!!

glashaus
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@Balrog

hör auf zu jammern. Abkassierer gibts da wie dort. Nur mit dem Unterschied das es die Regierung den AG eben leichter macht.

Balrog206
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Glashaus

Wo jammere ich ? Mache lediglich drauf aufmerksam sich einfach selbständig zu machen damit sein Jammern ein e de hat !