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Tourismustag zu Nachhaltigkeit"Auf den GTI-Touristen können wir schwer verzichten"

Die Touristiker Georg Overs und Roland Sint über Nachhaltigkeit als Leitthema im Tourismus, GTI und Seilbahnen, Saisonverlängerung und Bauboom an Seen.

Den Herbst vor den Vorhang zu holen, wird eine der künftigen Hauptaufgaben im Tourismus
Den Herbst vor den Vorhang zu holen, wird eine der künftigen Hauptaufgaben im Tourismus © KK/Adrian Hipp
 

Nachhaltigkeit wird das zentrale Thema des Tourismustages 2019 am Donnerstag in Velden sein. Was ist nachhaltiger Tourismus?
Roland Sint: Er funktioniert nach dem Motto „Lebe im Urlaub so, wie du es selbst in deinem Umfeld haben möchtest“. Es geht um keinen Trend, sondern um Achtsamkeit. Man wird künftig deutlich zwischen dichten Zonen, wo man intensiver touristisch werkelt, und Zonen, die man bewusst für Einheimische als Reserve zurücklässt, unterscheiden. Touristiker werden dadurch mehr zu Managern und arbeiten enger mit anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Landwirtschaft, zusammen.

Die Frage wird auch sein, welchen Gast wollen wir?
GEORG OVERS: Voraussetzung dafür ist, dass wir selbst wissen, wer wir sein wollen und uns dann die Gäste suchen, die zu uns passen.

Kann der GTI-Fahrer je zu nachhaltigem Tourismus passen?
OVERS: Es ist nicht so einfach, auf GTI-Touristen zu verzichten. Der Markt organisiert sich selbst, wir machen die Regeln nicht. Wird fordern härtere Strafen und die Politik speziell am Faaker See auf, keine weiteren Events zuzulassen und gegebenenfalls welche wegzulassen. Aber von Unternehmern zu fordern, dass sie Wertschöpfung liegen lassen, ist schwer möglich.

Weil man auf keinen Gast verzichten kann, auch wenn er dem Konzept schadet...
OVERS: Die Mehrheit der Unternehmer sagt, sie können nicht verzichten. Wobei diese Mehrheit kleiner geworden ist.

Podcast-Aufzeichnung im Studio der Antenne Kärnten Foto © (c) Markus Traussnig
Das Erfolgskonzept – auch um über den Sommer hinaus attraktiv zu sein – sind Erlebnisse. Dazu zählt auch eine Seilbahn über den Wörthersee. Ist diese nachhaltig?
SINT: Auf jeden Fall. In vielen Städten werden Seilbahnen diskutiert, um den Verkehrsstau zu lösen. Die ökologischen Vorteile sind unbestritten. Auch Auswirkungen auf Besucherlenkungsmöglichkeiten, die Verdichtung von Räumen und Attraktivität eines Standortes sind gegeben. Natur pur wird es am Wörthersee ohnehin nicht mehr geben. Ich sehe mehr Chancen als Risiken.

OVERS: Eine Seilbahn wäre mehr als Transport, sie wäre sexy.

Der Podcast mit Roland Sint und Georg Overs

Natur pur ist allen voran wegen der massiven Seenverbauung nicht mehr möglich. Hat der Tourismus hier zu spät aufgeschrien?
SINT: Ich halte nichts von ständigem Aufschreien. Wir brauchen neue Regulative, die aufzeigen, was machbar ist und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind. Der Baustopp in Velden in der ersten Reihe ist mustergültig, aber jetzt wird eben intensiver die zweite Reihe entwickelt. Es braucht hier Argumente für eine andere Nutzung.

OVERS: Wichtig ist auch, dass wir uns in Bauprojekte einbringen und sie nicht nur der freien Marktwirtschaft überlassen.

Die Herbstferien klopfen an. Wenn man im Oktober an die Seen fährt, ist von Tourismus keine Spur mehr. Welche Pläne zur Saisonverlängerung gibt es?
OVERS: Die Herbstferien kommen nicht überraschend, auch wenn einige so tun. Wir haben die vergangenen Jahre nur mit Sommerbildern geworben, sie sind in den Köpfen der Gäste. Das zu ändern, wird ein Kraftakt, aber die Themen, die Menschen aktuell bewegen wie Nachhaltigkeit, Wandern und Radfahren, spielt uns in die Karten. Das müssen wir nützen.
SINT: Es geht darum, emotionale Anker zu schaffen, mit denen wir berühren. Und eines gilt: Man kriegt immer den Gast, um den man wirbt.

Kommentare (6)

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SafronSid
0
7
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Weg mit GTI...

sagen mittlerweile die meisten Tourismusbetriebe-
es schadet dem Tourismus nachhaltig!

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Hausverstand100
0
7
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Hat ja keiner was gegen die GTI Touristen!

Wenn es denn welche gäbe...
Aber was gibt es denn: Rowdys, die genau aus einem Grund zu uns kommen:
Weil sie hier unter Gleichgesinnten so richtig die Sau rauslassen können, weitestgehend unbehelligt von der Exekutive, und wenn, dann mit lächerlich geringen Strafen!
Auf diese GTIDIOTEN kann die Bevölkerung sehr wohl verzichten, die wenigen, die die Fehlzündungen, die ausgedrehten Motoren mit ungedämpften Auspuffen, das Reifengequietsche nicht hören, weil dieser Lärm vom klimpern der Euros übertönt wird, ja diejenigen, die können natürlich nicht verzichten.
Sollte daher auch ein Appell an die noch einigermaßen vernünftigen Mitkärntner sein, diese bekannten Betriebe bei Einkäufen, Tanken, ausgehen, zu ignorieren!

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georgXV
1
10
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Klagenfurter Flughafen

auf der einen Seite haben wir den vor sich hinsiechenden Klagenfurter Flughafen, der eigentlich nur mit jährlich MINDESTENS 500000 (besser 1 Million) Passagieren wirtschaftlich zu führen ist.
Momentan sind wir meilenweit von diesen Zahlen entfernt.
A B E R woher sollen diese Fluggäste kommen bzw. wohin sollen sie fliegen ?
Auf der anderen Seite haben wir die Österreichischen Bummel Bahnen, die mit dem Koralm- und Semmeringtunnel-Projekt Jahrzehnte hinterherhinken und es noch Jahre dauert, bis sie mit ca. 100 km/h befahren werden können (Stand der Technik international ca. 300 km/h !!!). Auch sind sie leider NICHT in der Lage den Grazer Flughafen direkt anzufahren (Bahnhof direkt unter oder am Flughafen).
Eine Anreise per Auto im Sommer ist normalerweise LEIDER mit stundenlangen Staus verbunden.
Im Vergleich dazu fliegt man von fast jedem deutschen, holländischem und englischen Flughafen täglich mehrmals in ca. 2 Stunden für unter € 200 nach Mallorca und zurück (OHNE Staus) und kann dort in vergleichbaren Hotels / Gasthäusern / Ferienwohnungen wesentlich günstiger, außerhalb der Partymeile Ballermann, seinen Urlaub verbringen.
Also, warum sollte man in Kärnten seinen Urlaub verbringen, sich bei der An- und Abreise "ärgern" und von den Betrieben (teilweise) "abgezockt" werden ?

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gintonicmiteis
3
33
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Profitgier steht eben über allem.

Wenn man im 18. Jahrhundert einen Großgrundbesitzer in den USA gefragt hätte, ob man auf die Sklaven verzichten könne, hätte der wohl auch gesagt: "Man kann Wertschöpfung doch nicht liegen lassen..."

Doch, kann man. GTI-Fahrer sind in diesem Land genauso unnötig wie Kohlekraftwerke oder Chemieabfälle in Flüssen. Nur weil ein paar Einzelne da ein gutes Geschäft auf dem Rücken der Natur und der Bevölkerung machen, heißt das noch lange nicht, dass man das akzeptieren muss.

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büffel
2
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können oder wollen?

Und auf Flugverkehr können wir auch nicht verzichten, und auf Kunstschnee können wir auch nicht verzichten, und auf Plastiksackerl können wir auch nicht verzichten, und auf unser Zweitauto können wir auch nicht verzichten, und auf saisonfremde Früchte können wir auch nicht verzichten, und, und, und, ....

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Antonwenger
2
38
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Aber gegen die Fehlzündungen etc.

Aber gegen die ständigen Lärmbelästigungen schon und den Staus. Wenn man so wie beim Harleytreffen die Bevölkerung nicht alleine lässt und es in vernünftige Bahnen lenkt. Und außerdem hat die Weißensee Region bereits bewiesen das man auch mit sanften Tourismus die Betten voll bekommt.

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