Im Mittelalter war der Michaeli-Tag (29. September) für die Bewohner von St. Veit ein traditioneller Markttag. Die Bauern der Umgebung brachten die Überschüsse ihrer Ernte in die Stadt. Spannend wurde es ab dem Jahre 1362, als Herzog Rudolf IV. von Habsburg der Stadt das „immerwährende Recht“ zur Abhaltung eines Jahrmarktes schenkte. Im Gegenzug erhielt der Reichsfürst die Zolleinnahmen auf alle Handelsgüter, lediglich Lebensmittel waren von diesen Abgaben befreit. Der St. Veiter Wiesenmarkt erblickte offiziell das Licht der Welt.

Gewürzhandel an Markttagen im Mittelalter
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Trotz dieser „Steuern“ brachte der neue, zwei Wochen dauernde Jahrmarkt für die St. Veiter Bürger und die Bewohner des Umlandes viele Vorteile. Denn von nun an strömten Händler aus ganz Kärnten und den umliegenden Ländern nach St. Veit, um ihre Waren zu verkaufen. Das Angebot war bunt und vielfältig, in erste Linie Dinge für den täglichen Gebrauch wie Wachsstöcke und Kerzen, Töpferwaren, Körbe, Werkzeuge, Seile, Stoffe, Felle, Lederwaren und auch Seife. Heiß begehrt waren exotische Gewürze, denn Pfeffer, Muskat oder Zimt galten lange Zeit als Luxusgüter. Bis ins 20. Jahrhundert war der Viehhandel ein fixer Bestandteil des Wiesenmarktes.

Pferdemarkt auf der Wiesn 1911
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Der St. Veiter Arzt und Schriftsteller Sebastian Weberitsch beschrieb den Markt seiner Kindheit um 1900: „Hat der Bauer Geld, so lässt er andere leben; viele ließen ihr Geld auf dem Wiesenmarkt, vor allem auf den Kegelbahnen, bis die Kuh verloren war.“ Spiel und Unterhaltung gehörten schon seit Beginn der Märkte immer dazu. Sänger, Musiker, Gaukler und Komödianten sorgten für gute Stimmung. Ablenkung vom Alltagsleben brachten Gesellschaftsspiele wie Karten- und Würfel- und Kegelspiele.

Kegelbahn der Witwen und Waisen

1928 wurde dem Landesverband der Kriegsversehrten, Witwen und Waisen das Aufstellen einer Rasenkegelbahn als Einnahmequelle gestattet. Heiß begehrt war seit jeher die Ausschankbewilligung. 1905 ersuchten einige Wirte um eine vorzeitige Öffnung und längere Öffnungszeiten, was aber nicht bewilligt wurde. Da der Ansturm von Radfahrern um 1925 derart groß war, suchte Max Weberitsch um das Gewerbe zur Einstellung von Fahrrädern für Marktbesucher an.