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Seit Mitternacht in Quarantäne Polizei lobt Kuchler Bürger für das Mittragen der Maßnahmen

Zahl der aktiven Infektionen stieg am Samstag weiter stark an. Quarantäne trifft Kuchler Betriebe schwer.

CORONAVIRUS: SITUATION IN DER TENNENGAUER MARKTGEMEINDE KUCHL
Quarantäne für Kuchl seit Mitternacht in Kraft © APA/FRANZ NEUMAYR
 

Wenige Stunden nach dem Inkrafttreten der Quarantäne gibt es Lob für die Kuchler und die Salzburger Bevölkerung "für die Zusammenarbeit und das Mittragen der verordneten Maßnahmen", hieß es am Samstagnachmittag in einer Aussendung der Polizei. Seit Mitternacht gibt es in der Tennengauer Gemeinde vier Kontrollstellen, elf weitere Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten wurden technisch gesperrt.

Die B159 wird im Bereich der Tauglmauth und an der Ortsgrenze Kuchl-Golling kontrolliert, an der L120 gibt es eine Kontrollstelle beim Lunzenweg und eine weitere bei der Autobahnauffahrt zur A10. An den anderen Straßen sowie an der Bahnstation werden verstärkte Streifendienste durchgeführt. Die Kontrollen würden friktionsfrei verlaufen, teilte die Polizei mit. Es gab keine Strafen. Vereinzelt wurden noch nicht informierte Personen über die Quarantänebestimmungen aufgeklärt. Die Polizei appelliert, den Quarantänebereich Kuchl möglichst zu umfahren oder auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen, um längere Wartezeiten an den Kontrollstellen zu verhindern.

 Für die Tennengauer Marktgemeinde Kuchl gilt bis 1. November eine Quarantäne, die Zufahrten zum Ort werden von der Polizei kontrolliert. Hotels und Gaststätten bleiben geschlossen, Geschäfte dürfen offen halten. Nur Schlüsselarbeitskräfte können ein- und auspendeln.

Auch landesweit gelten verschärfte Sicherheitsregeln: In Restaurants und Lokalen müssen die Kontaktdaten der Gäste registriert werden. Private Zusammenkünfte außerhalb der Wohnung sind ebenso verboten wie Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze. Bei Veranstaltungen mit gekennzeichneten Sitzplätzen dürfen keine Speisen und Getränke ausgeschenkt werden, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Verordnung des Landes. Die Maßnahmen gelten vorerst bis 1. November.

Starker Anstieg in Salzburg

Unterdessen verzeichnete das Bundesland weiter einen starken Anstieg bei den Infektionen. Am Samstag waren mehr als 1000 Menschen mit aktiven Infektionen registriert. Mit Stand 8.30 Uhr gab es laut EMS 900 aktive Fälle. Dazu kamen weitere 160 positiv getestete Menschen, die noch nicht im EMS erfasst worden waren. Die meisten aktiven Fälle - 314 - gab es Samstagfrüh im Tennengau, gefolgt vom Flachgau mit 302 betroffenen Personen. In der Stadt Salzburg waren zu diesem Zeitpunkt 166 Fälle bekannt.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen hat das Rote Kreuz Salzburg das Personal für die Gesundheitsberatung 1450 verdoppelt. Bis zu 1500 Anrufe pro Tag könnten abgewickelt werden, teilte das Land in einer Aussendung mit.

Quarantäne trifft Kuchler Betriebe schwer

In der Gemeinde gibt es eine Reihe produzierender Unternehmen. Der Großteil der Mitarbeiter pendelt aber von auswärts ein. Die Wirtschaftskammer forderte daher am Freitag eine differenzierte Vorgehensweise. Zudem brauche es eine zügige Lösung für die Frage der Entschädigungen.

Alleine beim Maschinenbauer UNTHA - das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Zerkleinerungsmaschinen - dürften 160 Einpendler in den kommenden beiden Wochen ausfallen. "Das sind 70 Prozent der Mitarbeiter", sagte Geschäftsführer Alois Kitzberger im APA-Gespräch. "Wir können die Produktion zwar aufrechterhalten, sind aber pessimistisch, dass wir die Gehaltsfortzahlung für die betroffenen Dienstnehmer entschädigt bekommen."

Der Matratzenhersteller Elastica hat seine Produktionstätigkeit vorübergehend eingestellt. Auch die Firma Kässbohrer Austria, die Pistengeräte der Marke "Pistenbully" vertreibt und serviciert, leidet unter den Beschränkungen. Das Gros der 25 Mitarbeiter lebt nicht in der Gemeinde. "Die Quarantäne trifft uns in der Hauptsaison, wo wir viele Neugeräte ausliefern und Gebrauchtfahrzeuge reparieren", sagte Geschäftsführer Peter Soukal zur APA. "Wir können das Problem zwar lösen, indem wir uns auswärtig Werkstätten suchen, wo wir die Geräte hinbringen. Aber der Aufwand dafür ist hoch."

Gegenüber dem ORF Salzburg klagte heute auch die Betreiberin eines Autohauses samt Reifenhotel. Sie sitze derzeit auf 800 Garnituren Rädern, die bis zur Winterreifenpflicht am 1. November montiert werden müssten. Nur ein Teil der Kunden kämen dabei aus der Gemeinde. Kleinere Geschäfte in Kuchl fürchten offenbar das Ausbleiben der Kunden aus dem Umland. "Ich habe Angst, dass die sich Alternativen suchen und langfristig ausweichen", sagte eine Unternehmerin zur APA.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, Peter Buchmüller, forderte am Freitag vom Gesetzgeber dringend eine Lösung für die Frage der Entschädigung ein. "Derzeit bekommen Betriebe die Entgeltfortzahlung nur refundiert, wenn Einzelpersonen in Quarantäne gestellt werden. Ungeklärt ist die Frage der Entschädigung, wenn ganze Orte unter Quarantäne gestellt werden."

Buchmüller will auch die Möglichkeit der Frei-Testung von Mitarbeitern. Damit wäre der Verbleib der "freigetesteten" Personen im Betrieb möglich. Die Unternehmen könnten ihre Verträge, Lieferungen, Services und Produktionen aufrechterhalten. Auf jeden Fall sollte man den Betrieben in Quarantäne-Orten ermöglichen, ihre Mitarbeiter aus anderen Orten weiter zu beschäftigen und ihren Aufträgen nachzukommen. Auch sollten Betriebe außerhalb der jeweiligen Quarantänezone mit gesunden Mitarbeitern aus Quarantäne-Orten weiterarbeiten dürfen.

Auch die Produktionsgewerkschaft PRO-GE forderte heute vernünftige Konzepte. "Die Verfügungen der Landesregierung haben deutlich gezeigt, dass so einschneidende Maßnahmen nicht zu Ende gedacht wurden", kritisierte Landesgeschäftsführer Daniel Mühlberger.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
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Kommentare (19)

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joektn
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Tja

Selbst schuld. Es hat jeder selbst in der Hand. So belächelt jeder die echt harmlosen Sachen und nimmt es nicht ernst, aber kaum gibt es härtere Maßnahmen wird plötzlich gejammert und niemand will schuld sein. Ihr habt es alle selbst in der Hand wie es weitergeht.

Demokrat
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Zahlen, Zahlen

Wir haben jetzt gelesen, wie viele positiv Getestete es in Kuchl gibt. Aber wie viele Kranke gibt es? Und wie viele schwer Erkrankte??

Wildberry
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Demokrat

Es ist doch völlig egal ob krank oder nicht. Infizierte sind ansteckend!!!

bam313
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Wildberry, stimmt nicht!

Ich war infiziert, stand in häuslicher Quarantäne und meine, sich um mich kümmernde Frau war stets negativ.
Wir leben auf 50 m² zusammen.
Es gibt noch ganz andere Faktoren, welche wir noch gar nicht kennen.
Die uns Testendenden waren auch stets erstaunt, dass meine Frau negativ geblieben war.
Das war aber eh unser Glück, weil ich durfte die Wohnung wöhrend der Quarantäne nur für eine Zigarette auf der Terrasse verlassen.
Sie ging brav einkaufen, weil zur damaligen Zeiten auch die Lieferservices zusammengebrochen waren.
Und wenn du in solch einem Fall alleine lebst hast die absolute Arschkarte gezogen.
Da bleibt dir dann eh nur mehr das Krankenhaus übrig, wenn jenes dich nimmt.

PiccoloCommentatore
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Ja genau

Das funktioniert sicher perfekt. Herr und Frau Österreicher entscheiden selbst, ob sie ansteckend sind. 😂

„Sie haben 15 Leute angesteckt!“.
Antwort: „Warum, ich bin je nur positiv aber nicht ansteckend“.
„Ja, das war vor einer Woche so...“

Verstehen Sie bitte, dass diese Unterscheidung in der Praxis keinen Sinn macht!

Barni1
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@Wildberry

Sie haben wirklich noch nicht verstanden, dass zwischen positiv Getestet, Infiziert und Krank ein großer Unterschied besteht.

gm72
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Und das kann jeder für sich entscheiden?

Na dann gute Nacht, wenn das jeder für sich definieren oder entscheiden soll. Der Hausverstand funktioniert schon nicht, wenn es um Abstand und Maskentragen geht. Da soll die Differenzierung zwischen positiv getestet und infiziert erfolgreich den Bürgern übertragen werden? Bitte nicht!

Demokrat
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Ansteckend?

Das hängt vom Ct-Wert ab. Positiv getestet bedeutet nicht dass man ansteckend ist.

erstdenkendannsprechen
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in den meisten fällen schon.

oder oft zum zeitpunkt der testung nicht - aber in den nächsten tagen.

calcit
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Bedankt euch bei all denen mit Eigenverantwortung und...

...Hausverstand...

Wildberry
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Betriebe

Wie war das? Waren da nicht viele Einwohner die sogar zum Boykott der Maßnahmen aufgerufen haben? ....

Ragnar Lodbrok
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Die Wirtschaft leidet an den

Hausverstandlosen...

erstdenkendannsprechen
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ist zu einem guten teil sicher so.

ich denk halt, dass man versuchen sollte, die infektionszahlen bis zur wintersaison runterzubringen - so wie es jetzt ausschaut, kommt wahrscheinlich kaum wer aus dem ausland zu besuch - ampel hin oder her

ronin1234
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Reaktion

Die Betriebe können sich bei den Verursachern bedanken.

100Hallo
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Wahrheit

Bevor die Wirtschaft nicht am Ende ist wird keine Ruhe gegeben.

joektn
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Wahrheiten...

Die Politik ist an einem Lockdown nicht interessiert. Auch die Politik hat die Wirtschaft im Auge. Keine Politik wird Interesse haben, die Wirtschaft am Boden liegen zu haben. Die Folge von Millionen Arbeitslosen und einem totalem Wirtschaftskollaps sind seit den 10e und 30er Jahren bekannt! Wenn niemand mehr etwas zu verlieren hat, schreit die Masse schnell einmal "Endlich Krieg!". Daher ist es eine Gratwanderung, einerseits der Wirtschaft Raum zu geben und andererseits die großflächige Ausbreitung zu verhindern. Denn ab einer gewissen Anzahl Kranker und Toter liegt die Wirtschaft trotzdem am Boden.
Wie würdest Du es handhaben? Vielleicht hast Du ja die Lösung, die den Fachleuten fehlt. Denn Fachleute sind vor Betriebsblindheit genau nicht geschützt..

erstdenkendannsprechen
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was würden sie machen, um die wintersaison für die salzburger/tiroler

tourismusgebiete zu retten?

Reipsi
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A bisserl

Dumme Ansage holt.

pholub
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Es wäre interessant

Es wäre interessant, eine Umfrage bezüglich der Gesinnung Verweigerer oder Behinderer der Ampelregelung zu machen,
nicht eine unter den infizierten Personen.
Manche Parteien haben da ja durchaus dagegen gewettert......