MRNA-AlternativeEMA will heute über Novavax-Impfstoff entscheiden

Der Impfstoff könnte vor allem für mRNA-Skeptiker interessant sein. Die Wirkung gegen Omikron ist allerdings noch nicht untersucht. Im nächsten Jahr könnten weitere Alternativen zu den bisher vier zugelassenen Impfstoffen folgen.

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MRNA-Alternative vor Zulassung
MRNA-Alternative vor Zulassung © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Manche Menschen warten für ihre Corona-Immunisierung auf Impfstoffe, die auf anderen Technologien als die bisher verfügbaren Vakzine beruhen. Ein solcher steht mit Nuvaxovid nun kurz vor der Zulassung. Eine Kommission der EU-Arzneimittelbehörde EMA wird heute den Antrag des Herstellers Novavax behandeln. Die Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, erklärte kürzlich, das Vakzin von Novavax könnte nach der EMA-Entscheidung dann noch im Dezember in Österreich zugelassen werden. Im nächsten Jahr könnten weitere Alternativen zu den bisher vier zugelassenen Impfstoffen folgen. Mit dem französisch-österreichischen Valneva-Totimpfstoff wird frühestens im zweiten Quartal 2022 gerechnet.

Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff?

Nuvaxovid besteht laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Die Proteine werden vom Körper als fremd erkannt und das Immunsystem wird hochgefahren - spezifische Antikörper und T-Zellen werden gebildet. Damit ist man vor einer echten Infektion besser gewappnet. mRNA-Präparate zum Beispiel funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mithilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Wie gut wirkt der neue Impfstoff von Novavax?

In einer Zulassungsstudie von Novavax lag die Wirksamkeit in Bezug auf Erkrankungen bei 90 Prozent. Das bedeutet, unter den Probanden der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Probanden einer Kontrollgruppe. Es wurden zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf die Alpha-Variante, die so gut wie vollständig von Delta verdrängt wurde. Bald dürfte Experten zufolge die neue Variante Omikron das Infektionsgeschehen stark beeinflussen. "Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen", schrieb Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kürzlich mit Blick auf das Novavax-Mittel auf Twitter.

Wieso warten manche Menschen auf bestimmte Impfstoffe?

Einige scheinen ein größeres Vertrauen in Vakzine zu haben, die nach klassischen Verfahren hergestellt werden. So gibt es bei manchen ein Misstrauen gegen die neue mRNA-Technologie, auf denen die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer beruhen. Es gibt die Befürchtung, dass diese bisher unbekannte Langzeitschäden verursachen könnten. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich (FC Bayern) etwa hatte sein Impfzaudern zunächst mit "ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht" erklärt. Nach emotionalen Debatten und einer Corona-Infektion kündigte er kürzlich an, sich nun doch impfen zu lassen. Experten halten es für nahezu ausgeschlossen, dass bei den zugelassenen Impfstoffen noch unbekannte Langzeitfolgen auftreten.

Wenn es um Alternativen zu den zugelassenen Impfstoffen geht, fällt oft der Begriff Totimpfstoff. Was steckt dahinter?

Totimpfstoffe enthalten laut Bundesforschungsministerium abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger. Sie können auch nur Bestandteile oder einzelne Moleküle dieser Erreger enthalten. Beispiele sind Impfstoffe gegen Hepatitis A und Influenza. Der Körper kann dabei den Totimpfstoff nicht vom Erreger unterscheiden und fährt eine gezielte Immunabwehr hoch, die vor einer echten Infektion schützt. Für manche Menschen, die bisher eine Impfung ablehnen, klingt dieser Ansatz "natürlicher" als beispielsweise der von mRNA-Impfstoffen.

Ist die Klasse der Totimpfstoffe denn klar abgegrenzt?

Nein. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet. Wenn die Definition lautet, dass das echte Virus oder zumindest Teile davon im Impfstoff enthalten sein müssen, wäre zum Beispiel Novavax im engeren Sinne gar kein Totimpfstoff. Denn der entscheidende Bestandteil, der die Immunantwort auslösen soll, wurde nicht einem echten Virus entnommen, sondern ist ein gentechnisch hergestelltes Virus-Protein. Andererseits könnte man auch sagen, alle Impfstoffe ohne lebende – also vermehrungsfähige – Erreger sind Totimpfstoffe. "Der Name ist falsch", sagt Watzl. "Alle bisher zugelassenen Covid-19-Impfstoffe sind Totimpfstoffe." Was viele mit Totimpfstoff meinten, seien "Impfstoffe, die auf Prinzipien beruhten, die man auch bei anderen Impfungen anwendet".

Welche Impfstoffe gegen Covid-19 könnten noch bald kommen?

Mehrere Produkte sind im sogenannten Rolling-Review-Verfahen der EMA schon in der Begutachtung, obwohl noch nicht alle Teile des Zulassungsantrags vorliegen. Die Impfstoffe des französisch-österreichischen Herstellers Valneva und des chinesischen Herstellers Sinovac enthalten beispielsweise abgetötete Coronaviren.

Lohnt es sich, auf andere Impfstoffe zu warten?

"Wenn sich jemand nur mit einem solchen Impfstoff impfen lassen will, dann ist das immer noch besser als komplett ungeimpft zu sein", sagt Immunologe Watzl. Darauf zu warten hält er aber für unklug – Novavax komme voraussichtlich erst nächstes Jahr, Valneva frühestens im zweiten Quartal 2022. "Wer auf diese Impfstoffe wartet, ist noch längere Zeit ungeschützt. Daher: Lieber jetzt impfen als warten." Selbst der Chef des Herstellers Valneva hält von Zögern wenig. "Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten", sagte Thomas Lingelbach, Geschäftsführer des französisch-österreichischen Biotechnologieunternehmens, dem "Spiegel". "Das wäre ethisch inakzeptabel." Er empfehle Verwandten und Bekannten zurzeit Impfstoffe der anderen Hersteller und habe sich selbst kürzlich mit dem mRNA-Produkt von Biontech boostern lassen.

Gibt es denn auch Lebendimpfstoffe?

Ja, zum Beispiel gegen Mumps, Masern und Röteln. Sie enthalten echte Erreger, die sich zwar noch vermehren können, deren krankmachenden Eigenschaften aber abgezüchtet wurden.

Kommentare (16)
masterchristl
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MRNA-Alternative

Wieso eigentlich. Außer, daß statt der Messenger-RNA die DNA eingesetzt wird, ist doch der einzigen Unterschied, daß man da auch einen Eiweißkörper mit injiziert - oder liege ich da falsch?

Isidor9
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Ändert nichts

Die "Skeptiker " hätten jetzt keine Ausrede mehr. Tatsächlich werden sich die Angsthasen auch jetzt nicht stechen lassen.

2ec0300a7a8d1760f5c4e7e09f3fe22
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Jetzt gehen in Kürze die Erststiche rasant nach oben

Der "böse" Messenger Impfstoff ist nicht mehr nötig!
jetzt gibt es aber echt dann keine Ausrede mehr - guter "alter" Impfstoff wie früher!
Also tut was für Euch und so nebenbei auch was für Eure Freunde und Familie und ja auch was für ganz Österreich ! Danke!

tomtitan
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Das glaube ich nicht - viele lassen sich aus Protest

gegen die Regierung, gegen das Virus, gegen ihren Frust etc. etc. nicht impfen.

owlet123
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Solange sich die Leute, die unbedingt drauf warten wollten

sich jetzt tatsächlich damit impfen lassen, in Ordnung. Aber grundsätzlich verstehe ich es nicht: Dieser Impfstoff wird eine bedingte Zulassung erhalten, genau wie die bisherigen Impfstoffe. Es wird Nebenwirkungen geben, jedoch werden diese extrem selten sein, vor allem wirklich schwere, genau wie bei den bisher zugelassenen. Vom Tag der Zulassung von Pfizer im Dez20 hat es noch lange gedauert, bis er in Ö ausreichend verfügbar war, nachdem die weltweite Nachfrage nach Novovax nicht so groß sein sollte, geht es hoffentlich etwas schneller, aber einige Wochen oder gar Monate wird es jetzt dennoch noch dauern, in der Zeit werden leider noch einige Ungeimpfte schwer erkranken. In einigen Monaten bemerkt man womöglich auch, dass mit diesem Impfstoff mehr Dosen als vorgesehen notwendig sind oder, dass er für Varianten angepasst werden muss, wie es bei denBisherigen der Fall war. Aber auch dieser Impfstoff wird Leben retten, so wie die Bisherigen tausende Leben allein in Ö gerettet haben.

SoundofThunder
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Die fehlenden Langzeitstudien sind eh nur eine faule Ausrede.

Welche Langzeitstudien gibt es über Novavax? Von Biontech gibt es mittlerweile schon mehrjährige Langzeitstudien.Bis der Novavax Impfstoff überall verfügbar ist ist es Frühling und die Omikron Variante die dominante Version (es geht zu viel Zeit verloren.Infektionszahlen von 300000 täglich können möglich sein. Dann ist Österreich in einem Monat durch). Dann muss auch der erst hergestellte und ungetestete Impfstoff angepasst werden. Aber der 5.Lockdown ist eh nur mehr eine Frage der Zeit.

romagnolo
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Ungefähr so sinnvoll, wie auf die Winterreifen einer bestimmten Marke zu warten,

die dann Anfang April geliefert wird.

heinz31
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Warum

dauern die Zulassungen der alternativen "echten" Impfstoffe zu den mRNA "Impfungen" so lange? Das lässt die Vermutung keimen, dass die mRNA Spritzen schon länger in der Schublade liegen.
Einen Totimfstoff zu entwickeln, kann ja nicht länger dauern, da diese seit 70 Jahren nahezu problemlos verimpft werden.
Der Erreger gehört angepasst, was ja bei der Grippeimpfung jährlich auf den aktuellen Virenstamm geschieht.
Wenn es von Angaf an diese Alternative gegben hätte, wäre unsere Gesellschaft nicht so gespalten, jeder lässt sich mit dem Impfstoff Impfen, mit dem er möchte.
Jetzt müssen die mRNA-Skeptiker noch ein halbes Jahr warten ? Warum? mRNA wurde auch im Schnelldurchgang durchgewunken und war eine kompett neue Technik.
Da wird es wohl möglich sein, die seit 70 Jahren bewährte Mehthode genauso schnell zu bewilligen.

masterchristl
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MRNA-Alternative

wieso ist die mRNA Technik neu?

ego cogito ergo sum
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@heinz31

Novavax hat(te) Produktionsprobleme! Die Zulassung ist in den USA auch damit gekoppelt, dass das Unternehmen in der Lage ist, die ausverhandelten Impfstoffe zu liefern! Diese Hürde sollte aber jetzt mit der Auslagerung an einen der größten Impfstoffhersteller in Indien behoben sein! Hätte es dieses Problem nicht gegeben, wäre der Impfstoff wohl schon verfügbar.

Valneva hat das Problem, dass europäischen Herstellern von der Ethikkommission verboten wird, während einer Pandemie Placebostudien durchzuführen. Damit wird in der Phase 3 des Zulassungsprozesses das Liefern aussagekräftiger Ergebnisse ziemlich erschwert und verzögert diesen erheblich.

ERisme
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Hört, hört

Da spricht der Fachmann, Nobelpreisträger, ….(oder doch nur einer, der sich seine Erkenntnisse aus dem Finger saugt?)

SoundofThunder
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🤔

Forschung,Studien,Herstellung,Tierversuche,Versuche an freiwilligen Probanden,Massenproduktion :Alles braucht seine Zeit. Sonst ist auch Novavax nur mittels Notzulassung auf dem Markt (ist es so oder so ).

romagnolo
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Hobbyvirologe?

.

DannyHanny
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Wann wartet gespannt....

Welche Ausreden von den RNA Gegnern, jetzt gegenüber diesem Impfstoff kommen!

uomo23
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Warum

immer negativ ?

Es gibt genug Menschen die auf solche Impfstoffe warten.
Sie können nicht für andere entscheiden!

heinz31
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Ja!

Ich zum Beispiel.